“Ruby pleine de marde” (2016)

Kurzfilm / Frankreich / Fiktion / 2016

Filmkritik: Der Kanadier Jean-Guillaume Bastien macht mit einer gehörigen Dosis Übertreibung in seinem Film “Ruby pleine de marde” (AT: “Ruby full of shit”) eine Familienfeier zu einem Kriegsschauplatz. Den französischsprachigen Kurzfilm von 2016 konnten die Zuschauer auf dem 30. Filmfest Dresden 2018 auf der gemeinsamen Retrospektive von Joëlle Desjardins Paquette und Jean-Guillaume Bastien im ‘Fokus Quebec’ entdecken.

Denis (Sébastien Dodge) wird auf die familiäre Weihnachtsfeier seines Freundes Carl (Jean-Sébastien Courchesne) geschleppt. Schnell wird ihm klar, dass alle Verwandten bezaubert sind von Carls sechsjähriger Nichte Ruby (Elia St-Pierre). Doch diese ist das Böse in Verkleidung und hat sich Denis als Opfer ausgesucht. Statt typischer Langeweile auf solchen Festen muss er sich jetzt gegen die so harmlos aussehende Ruby erwehren.

Geschrieben hat die Geschichte der kanadische Filmemacher Jean-Guillaume Bastien. Dieser webt dabei typische, vertraute Elemente von Familienfeiern mit ein und liefert eine typische Sichtweise von einem Außenseiter auf so einem Fest. Doch schnell wird klar, dass er sich nicht auf die authentische Schilderung solcher Feiern beschränkt, sondern die Situation mit schnellen Schritten immer weiter eskalieren lässt. Dafür verwendet er das Mittel der Übertreibung, reizt es aber glücklicherweise nicht komplett aus, so dass der Zuschauer auch immer auf Denis’ Seite bleiben kann. Dieser wird wunderbar von Sébastien Dodge verkörpert und bekommt mit der Jungdarstellerin Elia St-Pierre den perfekten Gegenpart. Angesiedelt ist die Geschichte in einer perfekt arrangierten Umgebung, die schon in der Optik vortrefflich mit Klischees spielt. Zur guten Wirkung trägt das Tempo des Films bei. Mit einem schnellen Off-Kommentar, welcher für nicht französisch sprechende Zuschauer schon herausfordernd sein kann, und schnellen Schnitten wird die Geschichte mit viel Spannung immer weiter getrieben. Das Gesamtpaket aus Geschichte, Ausgestaltung und Darstellern macht den Kurzfilm mehr als empfehlenswert.

Fazit: Der Regisseur Jean-Guillaume Bastien, der zur Zeit an seinem ersten Langfilm arbeitet, schuf mit dem Kurzfilm “Ruby pleine de marde” eine bitterböse und treffsichere Geschichte mit hohen Tempo, großartigen Darstellern und einem sehr ansprechenden Look. Der Kurzfilm bereitet viel Freude und zeigt wunderbar, wie auch sein anderer Kurzfilm “Je ne suis pas un grand acteur”, sein Können.

Bewertung: 8/10

Leider gibt es den Kurzfilm “Ruby pleine de marde” nicht online, aber hier erst einmal ein Trailer:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

2 Gedanken zu ““Ruby pleine de marde” (2016)

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