Zehn Fragen an Matthias Lawetzky

Interview: Der Regisseur Matthias Lawetzky erzählt uns im Gespräch, wie er zu dem Thema für seinen Kurzfilm „Appalachian Holler“ kam, seiner Liebe zur Musik und wie es war vor Ort zu sein.

Dein Kurzfilm „Appalachian Holler“ hat Dich tief in die USA verschlagen – wie kam es dazu ein Portrait über die Bewohner dieser Gegend und ihrer Leidenschaft für Musik zu drehen?

Antrieb für dieses Projekt gab mir meine eigene Leidenschaft zu traditionell amerikanischer Musik. Und die Appalachen sind sozusagen die Brutstätte dessen, was wir heute typischerweise als Country oder Bluegrass bezeichnen. Da war es naheliegend, genau dort auf Spurensuche zu gehen.

Du schaffst es, obwohl es Menschen am Rand der Gesellschaft sind, sie nicht zu karikieren oder ins Lächerliche zu ziehen. Auch das Politische, was definitiv die Meinung der Zuschauer beeinflusst hätte, lässt Du außen vor. Wie war Deine Herangehensweise, um sie zu portraitieren?

In meinen dokumentarischen Arbeiten ist es mir sehr wichtig, meinen Protagonisten auf Augenhöhe zu begegnen. Politische oder religiöse Gesinnung ist eine unpersönliche Schablone, die abzubilden mich kaum interessiert. Das schwingt dann sowieso mit.

Wie bist Du im Vorfeld auf die Menschen zugegangen? Wie haben sie auf den Erstkontakt reagiert?

Das war ganz unterschiedlich. Abby the Spoon Lady zum Beispiel hatte ich bereits bei meiner Recherche in Deutschland auf Youtube entdeckt. Als ich dann in der Nähe Ashevilles unterwegs war, rief ich sie einfach an und erklärte, was ich vorhatte. Am nächsten Tag trafen wir uns zum Frühstück und ich konnte den ganzen Tag mit ihr und ihren Freunden verbringen. Meistens war es jedoch so, dass ich bestimmte Spots ansteuerte (Musikgeschäfte, Bars, Postämter), um dort mit den Menschen ins Gespräch zu kommen und Kontakte zu knüpfen.

Gab es danach ein Screening für die Mitmachenden und hast Du Feedback bekommen?

Zu den meisten Protagonisten habe ich Kontakt über das Internet und einen Sichtungslink haben sie alle bekommen. Die Reaktionen waren einstimmig positiv. Ich musste bereits mehrfach darauf hinweisen, den Film bitte nicht mehr in sozialen Netzwerken zu posten, beziehungsweise den Post schnell wieder zu löschen.

Kannst Du mir mehr zu den Dreharbeiten erzählen: Wie lange warst Du dort? Wo hast Du gelebt? Und hattest Du Dir einen groben Rahmen erdacht oder kam vieles eher spontan zustande?

Einen knappen Monat war ich alleine in den Appalachen unterwegs, also die Ecke Virginia, Tennessee, North Carolina – eine sehr provinzielle Gegend. Durch meine Recherchen wusste ich schon von einigen Locations vor Ort und wusste natürlich ziemlich genau, was ich erzählen wollte, die Bausteine meines Films haben sich dann aber hauptsächlich on-the-road ergeben. Da war es sehr hilfreich, dass ich kaum in Hotels untergekommen bin, sondern meist AirBnB genutzt habe oder bei Bekanntschaften und auch den Protagonisten selbst gelebt habe.

Gab es auch Situationen, die dir persönlich sehr unangenehm waren?

Es gab durchaus Begegnungen, die ich lieber vermieden hätte. Einen Drehtag in McDowell County, West Virginia habe ich vorzeitig abgebrochen, weil es – sagen wir mal, Probleme gab.

Kannst Du mir mehr zu der Musik erzählen. Du hast bestimmt viel mehr gehört, als in Deinen Film vorkommt. War es schwer sich für bestimmte Szenen zu entscheiden?

Matthias Lawetzky

Ich wollte unbedingt einen absoluten Klassiker im Film haben, was mir mit der Murderballad „Shady Grove“ auch gelungen ist. Der Song wird von Lyle Rickards auf einem Dulcimer gespielt, ein Instrument, dass ganz typisch für die Region der Appalachen ist. Daneben wollte ich die Vielfalt des Sounds abbilden, den man so schwer kategorisieren kann, eben weil er so vielfältig ist. Ob eine krächzende Violine in Moll oder upbeat Bluegrass mit Banjo, das alles gehört dazu.

Produktion, Regie, Buch, Schnitt – Hast Du den ganzen Film komplett allein auf die Beine gestellt?

Ganz wichtiger Aspekt der Authentizität des Films, der Nähe zu den Menschen, ist der Produktionsprozess. Unterwegs mit einem großen Team wären viele Situationen, die ich aufgezeichnet habe, gar nicht erst zustande gekommen.

Kannst Du mir mehr über Dich erzählen? Wie bist Du zum Film gekommen und „Appalachian Holler“ ist Dein Abschlussfilm, richtig?

Genau, damit habe ich nun mein Diplom in der Tasche. Filme mache ich seit mehr als zehn Jahren. Dokumentarisches Arbeiten macht mir am meisten Spaß. Ich begebe mich gerne in mir fremde Umgebungen und entdecke Geschichten.

So wie ich das verstanden habe, wird es Dich zukünftig wieder nach Amerika verschlagen. Kannst Du schon etwas mehr zu Deinen zukünftigen Projekten erzählen?

Im nächsten Jahr werde ich einen abendfüllenden Dokumentarfilm zu genau diesem Thema drehen. Viele Aspekte konnte ich in dem Kurzfilm nur andeuten, dafür nehme ich mir jetzt Zeit, um auch noch ein bisschen tiefer in das Leben Einzelner einzutauchen.

Die Fragen stellte Doreen Matthei

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Appalachian Holler

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