Sechs Fragen an Julia Roesler

v.l.n.r.: Julia Roesler, Insa Rudolph, Silke Merzhäuser

Interview: Die Regisseurin Julia Roesler, die eine von drei Frauen der werkgruppe2 ist, erzählt uns mehr über den Debüt-Kurzfilm „Marina“ des Theaterkollektivs, wie sie ihre Geschichte fanden und was ihnen bei der Umsetzung wichtig war.  

Dein Kurzfilm „Marina“ überzeugt mit einem intimen Einblick in einen Arbeitsbereich, über den sehr wenig geredet wird, obwohl der Bereich immer mehr Arbeitskräfte braucht. Wie bist Du auf dieses Thema gestoßen?

Wir haben uns als werkgruppe2 in einem größeren Kontext mit Arbeitsmigration von Ost- nach Westeuropa beschäftigt, dabei sind wir auf das Schicksal dieser Frauen gestoßen. Es hat mich stark beschäftigt, wie so menschenunwürdige Arbeitsbedingungen uns als deutscher Mehrheitsgesellschaft so normal erscheinen können. Ich habe mich gefragt, welches Menschenbild Voraussetzung für diese Haltung ist.

Bei einer der Vorstellungen kam es zu großen Diskussionen, ob Dein Kurzfilm denn ein Dokumentarfilm sei. Magst Du an der Stelle noch etwas mehr zu dem dahinterstehenden Konzept erzählen?

Der Film basiert auf circa 20 Interviews mit osteuropäischen Pflegekräften, deren Aussagen wir wortwörtlich transkribiert haben. Die Umsetzung mit einer Schauspielerin erlaubte uns, die Geschichten dieser Frauen zu einer zu verdichten und damit eine Art kondensierte Wirklichkeit abzubilden. Durch die Interpretation durch Gina Călinoiu bekommt der Zuschauer eine starke Identifikationsmöglichkeit und damit einen leichten emotionalen Zugang.

Wie war es, sich mit den Wanderarbeiterinnen zu unterhalten? Haben Sie euch an sich heran gelassen?

Die Pflegerinnen haben sich Silke Merzhäuser und mir durch große Offenheit bei gleichzeitig starker Bescheidenheit gezeigt. Es wurde deutlich spürbar, dass sie nicht darin geübt sind über ihren Arbeitsalltag zu sprechen und für ihre Rechte zu kämpfen. Insgesamt kann man sagen, dass diese Gruppe eine sehr geringe Lobby hat und gleichzeitig unter erheblichen Missständen in der Arbeitsstruktur leiden muss.

Ihr kommt eigentlich aus dem Theaterbereich – wie kam es, dass Du Dich dazu entschieden hast jetzt sozusagen das Fach zu wechseln?

Wir hatten als Team Lust etwas Neues zu probieren. Die Chance diese Art von dokumentarischen Texten im filmischen Kontext auf ihre Wirksamkeit zu überprüfen, war und ist nach wie vor für uns eine tolle Herausforderung. Wir werden aber auch in Zukunft weiter Theater machen.

Bist Du so auch auf Deine Hauptdarstellerin Gina Călinoiu gekommen? Die Theaterdarstellerin vom Schauspielhaus Dresden verkörpert Marina wunderbar und gibt damit all den Frauen eine Stimme.

Silke Merhäuser (m.) und Julia Roesler (r.)

Wir haben bereits zwei Theaterinszenierungen mit Gina Călinoiu verwirklicht. Dabei hat sie uns durch ihre Herkunft aus Rumänien in Diskussionen oft einen gedanklichen Perspektivwechsel ermöglicht. Außerdem ist sie eine wunderbare Schauspielerin, die Emotionen so durchlässig wie kaum jemand anderes transportieren kann. Damit gibt sie dem Film „Marina“ eine enorme Kraft.

Wie wird es bei euch weitergehen? Hat der Gewinn der beiden Preise und auch die vielen positiven Reaktionen euch dazu beflügelt im Filmgeschäft zu bleiben?

Wir arbeiten als Dreier-Frauen-Team bestehend aus Silke Merzhäuser (Dramaturgie und Produktion), Insa Rudolph (Musik) und mir und treffen unsere Entscheidungen immer gemeinsam. Die Erfahrung mit „Marina“ hat uns gut gefallen und wir planen bereits unseren nächsten Film. Ob es eine Geschäft ist, wird die Zukunft zeigen.

Die Fragen stellte Doreen Matthei

Lies auch die Rezension des Films „Marina“

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