„Inn. Küche – Nacht“ (2018)

Kurzfilm / Ukraine / Animation / 2018

Filmkritik: Auf dem 28. Cottbuser Filmfestival lief der ukrainische Kurzfilm „Inn Küche – Nacht“ (OT: „Int. Kitchen. Night.“) von Arkasha Nepytaliuk, der sich in seinen Filmen gerne mit wichtigen gesellschaftlichen Themen auseinandersetzt. In diesem viermütigen Kurzfilm, der eine ausgezeichnete künstlerische Bildsprache besitzt, ist das Kernthema Homophobie.

Ein Ehepaar (Dimo Homiak und Yevheniya Nepytaliuk) wartet in der Küche auf die zwei Abiturientinnen (Diana Fedoraka und Dasha Palahniuk), um deren Abschluss mit einer Torte zu feiern.

Der Kurzfilm „Inn. Küche – Nacht“ ist nur vier Minuten lang, transportiert aber auf gelungene Art und Weise seine Botschaft. Der Kurzfilm des ukrainischen Regisseurs Arkasha Nepytaliuk (*1967) ist ein warmherziges Plädoyer gegen Homophobie und für mehr Offenheit. Dabei wählt er aber keine klassische Sicht, sondern versetzt sich in die Homophoben hinein. Er zeichnet dabei ein gewöhnliches Paar, das an dem Coming-Out ihrer Tochter zu knabbern hat. Doch er kritisiert ihre Homophobie dabei nicht nur, sondern zeigt aus ihrer Sicht, wie schwer es möglicherweise sein kann, sich zu öffnen. Denn die Eltern wollen es und sind bestrebt und doch leben sie in einem Land, in dem Homophobie fest in der Geschichte verankert ist. Daher fällt es ihnen schwer offen zu sein. Nepytaliuk erzählt die Geschichte nicht als Drama, sondern bedient sich starker Stilmittel und Humor. Wir befinden uns wie der Titel schon sagt in einer Küche zur Nachtzeit. Während ein ukrainisches Volkslied, welches man doppeldeutig auslegen kann, die Szenerie untermalt, arbeitet der Regisseur mit einer starken Kamera. Diese wird unterstützt von einer extremen Ausleuchtung und so kann er gelungen Fokuspunkte mit Licht und Nahaufnahmen setzen. Hinzu kommen die wunderbaren Darsteller, welche die Figuren nicht als Stereotypen wiedergeben und die Sympathien nicht einseitig verteilen. Im Gesamten ist der Kurzfilm kluges und handwerklich ausgereiftes Kino.

Fazit: Der ukrainische Kurzfilm „Inn. Küche – Nacht“ von Arkasha Nepytaliuk ist charmantes Kino, das zwar offenkundig Misstände in seinem Land anprangert, aber keine überlegende moralische Position bezieht. Hinzu kommt ein wunderbar leichtfüßiger Stil mit sicherer Kameraarbeit und Überstilisierungen auf Bild- und Tonebene. Das macht den Kurzfilm zu wunderbarer Unterhaltung mit einer wichtigen moralischen Botschaft – eingängig und sympathisch.

Bewertung: 8/10

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

2 Gedanken zu “„Inn. Küche – Nacht“ (2018)

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