„Wegzaubern“ (2015)

Kurzfilm / Deutschland / Animation / 2015

Filmkritik: Die deutsche Filmemacherin Betina Kuntzsch beschäftigt sich gern mit Themen aus der deutschen Geschichte. Mit ihrem Kurzfilm „Wegzaubern“ tut sie das gleich auf zweierlei Weise. Nicht nur verwendet sie Archivmaterial, sondern sie wählt auch passend dazu mit Laterna-Magica-Bildern vom Beginn des letzten Jahrhunderts eine ungewöhnliche Darstellungsform.

Auszüge aus den Krankenakten der psychiatrischen Klinik der Universität Heidelberg berichten von Patientinnen, allesamt Künstlerinnen, welche weggesperrt wurden.

Die Filmemacherin und Künstlerin Betina Kuntzsch (*1963), welche mit ihren Filmen mehr Kunst als reine Unterhaltung produziert, fällt mit ihren Beiträgen beim Filmfest Dresden immer wieder auf. Auf dem 29. Filmfest Dresden präsentierte sie ihren außergewöhnlichen Found-Footage-Film „Wegzaubern“. Als Grundlage dafür dienten Patientenakten, welche als Off-Kommentar von Kuntzsch selbst eingesprochen wurden. Dabei werden die Fälle nicht separiert voneinander vorgestellt, sondern werden vermischt, bilden so ein Kollektiv und können die Unterschiede und Gemeinsamkeiten stark aufzeigen. Darauf muss man sich einlassen, da es schwer sein kann, die Zusammenhänge sofort zu verstehen. Doch wenn man das tut, bekommt man ein Gefühl für die Zeit und den Missständen die dort herrschten, vor allem gegenüber Frauen. Um diese Akten zu bebildern, nutzt die Künstlerin eine eigene Sammelleidenschaft. Seit längerer Zeit schon sammelt sie Laterna-Magica-Filme und digitalisiert diese. Für den Film verwendete sie 35mm-Aufnahmen aus der Zeit um 1900, welche sie in Loops passend dazu arrangiert hat. Alle setzen sich dabei mit dem Thema Spielen und Zaubern auseinander und bilden einen starken Kontrast zu dem Gesprochenen. Hinzu kommen akustische Waterphone-Improvisationen von Joachim Gies, welche die Atmosphäre verdichten. Das macht den Film „Wegzaubern“ zu einem kleinen Gesamtkunstwerk, dem man die enorme Arbeit, die dahinter steckt, auf den ersten Blick nicht ansieht.

Fazit: Bettinas Kuntzschs Kurzfilm „Wegzaubern“ ist ein modernes Kunstwerk. Sie verbindet Patientenakten und Laterna-Magica-Aufnahmen, beides aus der Zeit um 1900, miteinander und sensibilisiert für den Umgang mit psychisch Kranken. Dabei arbeitet sie mit Wiederholungen, sachlichem Vortragen der Akten, spielt mit Gegensätze und verbindet alles geschickt miteinander. Das macht den deutschen Kurzfilm, der fast komplett in Eigenregie entstanden ist, zu etwas Besonderem.

 

Bewertung: 8/10

Trailer des Kurzfilms „Wegzaubern“

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

2 Gedanken zu “„Wegzaubern“ (2015)

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