20. Landshuter Kurzfilmfestival 2019

20.-25. März 2019 / Kinopolis Kino, Salzstadel, Kinoptikum

Poster des 20. Landshuter Kurzfilmfestivals 2019

Festivalbericht: Das runde Jubiläum des im Jahr 2000 ins Leben gerufenen Landshuter Kurzfilmfestivals, damals mit 22 Filmen und einem 16mm-Projektor, feierten die Festivalleiter Birgit Horn und Michael Orth indem sie die etablierten Reihen fortführten, noch mehr Gäste begrüßen konnten und gleichzeitig ihr Spektrum wieder erweiterten. So bot das 20. Landshuter Kurzfilmfestival, im Herzen der niederbayrischen Stadt, ein Filmvergnügen mit 66 Veranstaltungen, 250 Filmen, Zusatzveranstaltungen und vielen Gästen.

Im D-A-CH-Wettbewerb, sprich Kurzfilme aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, waren in elf Veranstaltungen 70 Kurzfilme zu sehen. Den mit 5.000 € am höchsten dotierten Preis gewann der schweizer Film „Alles Easy“ von Luise Ricar und setzte sich damit gegen die starken Konkurrenten wie „Was bleibt“ und „Carlotta’s Face“ durch. Die ‘Beste Komödie’ und der Publikumspreis gingen an den Kurzfilm „Die Schwingen des Geistes“ von Albert Meisl, welcher bereits öfters zu Besuch auf dem Landshuter Kurzfilmfestival und u.a. im letzten Jahr bereits einen Preis für seinen Kurzfilm „Der Sieg der Barmherzigkeit“ erhielt. Im deutschen Wettbewerb begeisterten auch hier wieder der Kurzfilm „Fame“ von Christian Hödl und Lene Pottgießer, der Animationsfilm „Greater Than“ der beiden Filmemacher Kate Haase und Sebastian Hühnel und die wunderbare Knetanimation „Love me fear me“ von Veronica Solomon. Auch hatte man die Möglichkeit noch einmal den gelungenen Kurzfilm „Von Oben“ von Felix Krisai und Frederic Kaus überraschenden Thriller „Rubberneck” zu sehen. Bei den Neuentdeckungen stachen vor allem die Filme „Nachtschicht“, „Emma und die Wut“ und „112“ hervor, welche mit innovativen Ideen, Plotwendungen oder großen Hommagen begeistern konnten.

Michael Orth und Birgit Horn auf der Festivaleröffnung

Was noch in den letzten Jahr ein europäischer Filmblock war, hat sich in diesem Jahr zum Internationalen Wettbewerb gemausert und so liefen in dieser Veranstaltungsreihe 63 Filme aus 31 verschiedenen Ländern, darunter Produktionen aus Japan, Singapur und Iran. So hatte man die Möglichkeit nicht nur den Film Obon“ von André Hörmann und Anna Samo zu sehen, sondern auch gleich zwei Filme des amerikanischen Gespanns Celine Held und George Logan (ELO Films). „Babs“ und „Caroline“ sind beide außergewöhnlich, auf ihre Weise berührend und zeigen das große Spektrum der beiden vielseitigen Filmemacher. Gewonnen hat den Preis für den Besten Internationalen Film sowie auch den Publikumspreis die britische Produktion „Make Aliens Dance“ von Sebastien Petretti. Auch der Preis für die Beste Animation ging an eine internationale Produktion: „Selfies“ von Claudius Gentinetta. Neben Kurzfilmen, die unter die Haut gehen, wie „Frelsun” und „Dark Chamber“, der auch lobend erwähnt wurde, gewann der belgische Kurzfilm „Lost in the Middle“ den ‚Innovations Award‘. Dieser erzählt auf nicht geradliniger und mit einer experimentellen Herangehensweise von Heimat und wie sie einem verloren gehen kann.      

Kinopolis

Mit dem Heimatbegriff beschäftigte sich auch der Filmblock „DaHome“, der im letzten Jahr neu eingeführt wurde. Er präsentierte mit seinen sieben Filmen eine gekonnte, vielseitige Mischung. Darunter auch die Filme „Lost in the Middle“ und der starke „Jupiter“, der gekonnt Coming-of-Age- und Sektengeschichte miteinander verbindet. Gewonnen hat in diesem Filmblock der türkische Kurzfilm „Hörst Du, Mutter?“ von Tuna Kaptan.

Neben der allseits beliebten Festivaleröffnung und dem neu eingeführten Schulprogramm (exklusiv für Schulklassen) erfreute sich auch die Comedy Night in diesem Jahr wieder großer Beliebtheit. Mit elf Filmen ist sie stets einer der umfangreichste Blöcke und konnte mit ihrer gelungenen Mischung von Filmen, wie „Eloise“, „Cups & Robbers“ und „Lobsters“, überzeugen und erfreute auch mit der Anwesenheit vieler Filmemacher.    

Doch das Highlight jedes Landshuter Kurzfilmfestival ist die achtteilige Shock-Block-Reihe, welche feinste Genrefilme aus allen Ländern und Subgenres bietet. Die Reihe präsentierte in diesem Jahr 65 Kurzfilme aus 18 Ländern, deckte wieder Genres wie Action, Horror, Mystery, Thriller und Trash ab und bot so jedem Zuschauer seine Highlights. Auch schienen die Blöcke thematische Überschneidungen aufzuweisen, so dass man stets eine runde Sache präsentiert bekam. Der Gewinner des Deadline-Awards war der leicht verstörende Film „Lo Siento mi Amor“, der eine neue Verschwörungstheorie für das Attentat auf John F. Kennedy bereit hält. Das Publikum wählte „Lunch Ladies“ des amerikanischen Filmemachers Josh M. Logan zu seinem Lieblingsschocker. Doch noch viel mehr Filme hätten einen Auszeichnung verdient, wie der lobend erwähnte „Tu último día en la tierra“, der großartige überzogene „BFF Girls“ des Gwilliam-Schöpfers Brian Lonano und der französisch-kroatische Beitrag „The Last Well“, der gekonnt Drama und Zukunftsdystopie miteinander verbindet. Des Weiteren stachen unter den Filmen der deutsche Film „Follower“ von Jonathan Benedict Behr („Fremde“) hervor, der amerikanisch-britische Kurzfilm „Souls of Totality“ sowie die beiden Filme „The Boogeywoman“ und „Here there be Monsters“, welche beide pubertierende Mädchen und ihre Leidensfähigkeit ins Zentrum ihrer Geschichte setzten.            

VR-Filme im Kinopolis

Abgerundet wurde das Programm wieder mit vielen zusätzlichen Veranstaltungen wie dem DOK-Block (hier wurde „Tracing Addai“ von Esther Niemeier als Bester Dokumentarfilm ausgewählt) und dem zweiteiligen Kinderblock mit sechs Julia Ocker-Filmen und den Gewinnerfilm „Ratatoskr“ von Meike Müller. Zudem wurde der Sektor der VR-Filmen auch mit interaktiven Elementen ausgeweitet und fand für Besucher kostenfrei zugänglich gleich in zwei Spielstätten statt. Dort konnte man die Bandbreite von VR-Filmen erleben und so beispielsweise dem Dong-gul Trio bei ihrem experimentellen Musikvideo „Nietzsche“ beiwohnen oder sich von Regisseur Marc Zimmermann mit seinem Film „Conscious Existence“ auf eine Reise entführen lassen. In dieser Kategorie gewann der österreichische Film „Fluchtpunkt“, der vier Geschichten rund um eine Künstlerin und eine Ausstellung ihrer Werke erzählt. Abgerundet mit Zusatzveranstaltungen außerhalb des Kinos, wie der Karaokeparty und der Freiluftveranstaltung „A Wall is a Screen“, ist das Landshuter Kurzfilmfestival auch in diesem Jahr bei schönstem Wetter den Besuch wert gewesen und man hatte die Möglichkeit nicht nur viele Filme zu sehen (darunter 22 Weltpremieren), sondern auch mit den Filmemacher ins Gespräch zukommen, welche dieses Jahr zahlreicher als sonst erschienen sind.

Festivaleröffnung

Fazit: Das 20. Landshuter Kurzfilmfestival 2019, organisiert und zusammengestellt von Birgit Horn und Michael Orth, war auch in diesem Jahr ein Highlight in der Festivallandschaft. Mit seinen thematischen Schwerpunkten, seiner bunten Vielfalt und seinem offenen Blick für Neuerungen gab es für jeden Zuschauer etwas zu entdecken. Fünf Tage lang stand die bayrische Stadt ganz im Zeichen des Kurzfilms und lockte viele Besucher und Filmemacher nach Landshut. So kann man sich schon jetzt auf die 21. Ausgabe des Festivals freuen, welches immer mehr zu einer festen Instanz unter den Kurzfilmfestivals avanciert.

Trailer des 20. Landshuter Kurzfilmfestivals

Geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

Erwähnte Filme im Bericht:

  • „112“ (Deutschland, 2018, Regie: Nils Gustenhofen, Wolfgang Purkhauser)
  • „Alles Easy“ (Schweiz, 2018, Regie: Luise Ricar)
  • „Babs“ (UK, 2018, Regie: Celine Held und George Logan)
  • „BFF Girls“ (USA, 2018, Regie: Brian Lonano)
  • The Boogeywoman“ (USA, 2018, Regie: Erica Scoggings)
  • „Carlotta’s Face“ (Deutschland, 2018, Regie: Valentin Riedl, Frédéric Schuld)
  • „Caroline“ (USA, 2018, Regie: Celine Held und George Logan) 
  • „Conscious Existence“ (Deutschland, 2018, Regie: Marc Zimmermann)
  • Cups & Robbers“ (USA, 2018, Regie: Jim Simone)
  • „Dark Chamber“ (Schweden, 2018, Regie: Ottó Bánovits)
  • „Die Schwingen des Geistes“ (Österreich, 2019, Regie: Albert Meisl)
  • „Eloise“ (Schweden, 2018, Regie: Johan Rosell)
  • „Emma und die Wut“ (Deutschland, 2018, Regie: Elisa Mishto)
  • „Fame“ (Deutschland, 2018, Regie: Christian Hödl und Lene Pottgießer)
  • „Fluchtpunkt“ (Österreich, 2017, Regie: Béla Baptiste)
  • Follower“ Deutschland, 2018, Regie: Jonathan Benedict Behr)
  • „Frelsun“ (Island, 2017, Regie: Thora Hilmarsdottir)
  • Greater Than“ (Deutschland/Schweiz, 2017, Regie: Kate Haase und Sebastian Hühnel)
  • Here there be Monsters“ (Australien, 2018, Regie: Drew Macdonald)
  • „Hörst Du, Mutter?“ (Türkei/Deutschland, 2018, Regie: Tuna Kaptan)
  • „Jupiter“ (Deutschland, 2019, Regie: Benjamin Pfohl)
  • „Lo Siento mi Amor“ (Spanien, 2018, Regie: Eduardo Casanova)
  • „Lobsters“ (UK, 2018, Regie: Matt Huntley)
  • „Lost in the Middle“ (Belgien, 2017, Regie: Senne Dehandschutter)
  • Love me fear me“ (Deutschland, 2018, Regie: Veronica Solomon)
  • „Lunch Ladies“ (USA, 2018, Regie: Josh M. Logan)
  • „Make Aliens Dance“ (UK, 2019, Regie: Sebastien Petretti)
  • „Nachtschicht“ (Deutschland, 2018, Regie: David Dybeck)
  • Obon“ (Deutschland, 2018, Regie: André Hörmann und Anna Samo)
  • „Ratatoskr“ (Deutschland, 2018, Regie: Meike Müller)
  • Rubberneck“ (Deutschland, 2018, Regie: Frederic Kau)
  • „Selfies“ (Schweiz, 2018, Regie: Claudius Gentinetta)
  • Souls of Totality“ (USA/UK, 2018, Regie: Richard Raymond)
  • „The Last Well“ (Kroatien/Frankreich, 2018, Regie: Filip Filković)
  • Tracing Addai“ (Deutschland, 2018, Regie: Esther Niemeyer)
  • „Tu último día en la tierra“ (Spanien, 2018, Regie: Marc Martínez Jordán)
  • Von Oben“ (Österreich, 2018, Regie: Felix Krisai)
  • Was bleibt“ (Deutschland/Luxemburg, 2018, Regie: Eileen Byrne)

Rezensionen zu Kurzfilmen, die auf dem 20. Landshuter Kurzfilmfestival gelaufen sind:

Interviews mit Filmemachern, deren Filme auf dem 20. Landshuter Kurzfilmfestival gelaufen sind:

19 Gedanken zu “20. Landshuter Kurzfilmfestival 2019

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