Neun Fragen an Johan Rosell

Interview: Im Gespräch mit dem schwedischen Regisseur Johan Rosell erzählt er von seinen beiden Kurzfilmen „Eloise“ (Drehbuch von Ebba Stymne) und „Knockout“, gesehen auf dem 20. Landshuter Kurzfilmfestival, wie es war mit Kinder zu drehen und was ihm bei der Umsetzung beider Filme am Herzen lag.

The original english language interview is also available.

Was mir besonders beim Sehen des Kurzfilms „Eloise“ aufgefallen ist war die enorme Fixierung auf Haare und Frisuren. Wie kam es dazu?

Ich denke, es ist nur eine dieser Ideen, von denen wir dachten, sie würden viel Humor in den Film bringen. Eloise ist die einzige Friseurin in der Stadt, also hat sie die ganze Macht, Leute am besten aussehen zu lassen, aber ihr Geschmack ist leider nicht sehr gut.

Ich liebe den Look des Films. Was war dir bei der visuellen Umsetzung wichtig. Hast Du Dich an einer bestimmten Zeit oder Filmvorbildern orientiert?

Niklas Lebowski Jacobsson und Rebecka Josephsonim Kurzfilm „Eloise“

Ich danke dir! Wir wollten einen bunten Film mit viel Raum für das Publikum zum Entdecken schaffen. Wir wollten, dass sich die Welt im Film zeitlos anfühlt, oder zumindest, als ob die Zeit in dieser kleinen Stadt stehen geblieben wäre. Im ganzen Film ist kein Bürgersteig zu sehen und es war uns wichtig, das Gefühl zu erwecken, dass diese Stadt weit weg von einer Großstadt ist. Wir sprachen ein wenig über das schwedische 90er-Jahre-Kino und vor allem über den Film „Smala Sussie“ [ET: „Slim Susie“, 2013, Regie: Ulf Malmros], der eine große Inspiration war, sowohl in Bezug auf Humor als auch auf Stil.

Erzähl mir mehr über den Cast: Rebecka Josephson (bekannt geworden durch „Stella“) und Niklas Lebowski Jacobsson agieren so wunderbar natürlich zusammen. Wie hast Du sie gefunden?

Rebecka Josephson und Niklas Lebowski Jacobsson im Kurzfilm „Eloise“

Niklas ist ein alter Freund von mir, der in vielen Kurzfilmen und Musikvideos, die ich gedreht habe, mitgewirkt hat. Ich bin immer super glücklich mit seiner Arbeit und wusste, dass er für den Jimmy-Teil großartig sein würde, da er so warm und sympathisch ist, und ich dachte, es wäre lustig, einen Stalker im Film zu porträtieren, der einmal nicht so gruselig ist, sondern eigentlich ein ziemlich netter Kerl. Wir sahen Rebeckas fantastischen Auftritt in „Min lilla syster“ [ET: „Stella“, 2015, Regie: Sanna Lenken]  und arbeiteten auch schon vorher im Kurzfilm „Knockout“ zusammen. Wir stellten fest, dass sie neben Niklas ein sehr amüsantes und unwahrscheinliches Duo im Film bilden würden.

Die Charaktere sind so wunderbar. Ich könnte mir die auch sehr gut in einem Langfilm vorstellen. Du auch?

Das kann ich auf jeden Fall! Es gibt so viel mehr in der Geschichte, das wir für das Kurzfilmformat weglassen mussten. Ich hoffe, dass ich Eloise irgendwann in der Zukunft wieder besuchen und einen Spielfilm drehen kann. Wenn ein Produzent, der dies liest, zustimmt, zögere nicht, mich zu kontaktieren!

In Landshut lief auch Dein Film „Knock out“. Möchtest Du mir dazu noch kurz was erzählen. Wie ist das Projekt entstanden?

Malte Legros Selander im Kurzfilm „Knockout“

Knockout war eine Kurzfilmübung, die wir im ersten Jahr meiner Filmausbildung an der Stockholm Academy of Dramatic Arts gemacht haben. Wir hatten den Auftrag, einen Kinderfilm zu machen und dachten, es wäre lustig, einen „Tarantino für Kinder“-Film zu machen. Ich wurde fälschlicherweise von einem Supermarktangestellten einmal als Kind wegen Ladendiebstahls angeklagt, und ein Teil der Inspiration kam von dieser Begegnung. 

Was war Dir am wichtigsten bei der Inszenierung? 

Am Set von „Eloise“

Es gibt so viele verschiedene Möglichkeiten, es je nach Projekt zu umzusetzen, aber für mich ist es das Wichtigste, eine Inszenierung zu finden, die zur Szene passt, die sich natürlich anfühlt und den Ton des Films unterstreicht. Es ist eines der unterhaltsamsten Dinge im Filmemachen und auch eines der schwierigsten Dinge, die man tun kann, wenn die Dinge mit der Produktion nicht gut laufen, z.B. wenn man hinter dem Zeitplan zurückbleibt oder wenn andere Probleme auftreten, die während eines Drehtages auftreten können. Manchmal ist es einfach organisch und die Szene dreht sich von selbst. 

Wie habt ihr die Szenen choreographiert, wo er sich selbst verletzt?

Wir arbeiteten mit einem großartigen Schauspieler und Stunt-Choreographen, Alexander Lindman, der Malte (dem Hauptdarsteller) beibrachte, wie man seine Schläge so einsetzt, dass die Illusion entsteht, dass er sich selbst schlägt. Malte bekam den Dreh raus, so dass es danach nur noch an uns lag, die richtigen Kamerawinkel zu drehen und wir waren bereit!

Wie war es, fast nur mit Kindern zusammenzuarbeiten?

Ein großer Spaß und manchmal etwas anstrengend! Lektion gelernt: Halte die Süßigkeiten weit weg vom Set. Zucker-Highs sind echt.

Zum Schluss würde ich gern mehr über Dich erfahren? Was hat Dich zum Film geführt und wo geht die Reise hin?

Am Set von „Eloise“

Es ist eine klischeehafte Antwort, aber ich habe es immer geliebt, Geschichten zu erzählen! Und ich denke, dass der Film so viele verschiedene Aspekte hat als eine Kunstform, die mich ansprechen; Drehbuch, Kinematographie, Inszenierung, Ton, Musik…. all die verschiedenen Teile des Filmemachens machen großen Spaß, ein Teil davon zu sein. Außerdem ist es eine kollaborative Kunstform, was bedeutet, dass man Menschen treffen und Orte sehen kann, die man sonst nicht sehen würde.

Ich habe im vergangenen Jahr den Regie-Kurs an der Stockholm Academy of Dramatic Arts absolviert und entwickle derzeit mehrere Theaterprojekte in verschiedenen Formaten. Ich hoffe, dass ich einige davon bald teilen kann! 

Die Fragen stellte Doreen Matthei
Übersetzung Michael Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Eloise“


Interview: In our interview with the Swedish director Johan Rosell, he talks about his two short films „Eloise“ (screenplay by Ebba Stymne) and „Knockout“, seen at the 20th Landshut Short Film Festival, what it was like to shoot with children and what was close to his heart during the realisation of both films.

What struck me especially when watching the short film „Eloise“ was the enormous fixation on hair and hairstyles. How did this happen?

I think it’s just one of those ideas we had that we thought would bring a lot of humour to the film. Eloise is the only hairdresser in town so she has all the power of making people look their best, but her taste is unfortunately not very good.

I love the look of the film. What was important to you during the visual realization? Did you orientate yourself to a certain time or film idols?

Thank you! We wanted to create a colorful film with a lot for the audience to rest their eyes on. We wanted the world in the film to feel timeless, or at least as if time has stood still in this small town. There’s no pavement visible in the entire film and it was important to us to create a feeling that this town is far away from any major city. We talked a bit about swedish 90s cinema and especially the film „Smala Sussie“ („Slim Susie“ in english) which has been a big inspiration, both in humour and style.

Tell me about the cast: Rebecka Josephson ( known for „Stella“) and Niklas Lebowski Jacobsson act so wonderfully naturally together. How did you find them?

Niklas is an old friend of mine that has acted in a lot of short films and music videos that I’ve directed. I’m always super happy with his performance and knew he’d be great for the Jimmy part since he’s so warm and likeable, and I thought would be funny to portray a stalker in film that isn’t that creepy for once but actually a rather nice guy. We saw Rebeckas fantastic performance in „Min Lillasyster“ and also worked together previously in the short film „Knockout“. We realized that her next to Niklas would create a very amusing and unlikely duo to follow in the film.

The characters are so wonderful. I could imagine them very well in a feature film. You too?

I totally would! There’s so much more in the story which we had to skip for the short film format. I hope to be able to revisit Eloise sometime in the future and make a feature film. If any producer reading this agrees, feel free to contact me!

Your film „Knock out“ also ran at Landshut. Would you like to tell me something about it? How did the project come about?

„Knockout“ was a short film exercise that we did during the first year of my film education at Stockholm Academy of Dramatic Arts. We had the assignment to make a movie for children and we thought it would be funny to make a „Tarantino for kids“ movie. I got falsely accused for shoplifting by a supermarket employee once when I was a kid and some of the inspiration came from that encounter. 

What do you think is most important in the staging? 

There’s so many different ways to do it depending on the project, but for me the most important thing is to find a staging that suits the scene, something that feels natural and complements the tone of the film. It’s one of the most fun things in film making and also one of the most difficult things to do if things aren’t going well with the production, like if you’re behind schedule or if other problems occur that can appear during a day of shooting. Other times it’s just organic and the scene sort of shoots itself. 

How did you choreograph the scenes where he hurt himself?

We worked with a great actor and stunt choreographer, Alexander Lindman, who taught Malte (the main actor) how to aim his punches to create the illusion that he’s punching himself. Malte got the hang of it super quickly so after that it was just up to us to shoot the right angles and we were all set!

How was it to almost exclusively work with children?

Super fun and sometimes a bit exhausting! Lesson learned: keep the candy far away from set. Sugar highs are real.

Finally, would I like to know more about you: What led you to film and where does your journey take you?

It’s a cliche answer but I’ve always loved storytelling! And I think film has so much different aspects as an art form that appeals to me; screenwriting, cinematography, staging, sound, music… all the different bits and pieces of filmmaking are super fun to be a part of. Also, it’s a collaborative art form which means you get to meet people and see places that you wouldn’t otherwise.

I graduated from the directing course at Stockholm Academy of Dramatic Arts last year and right now I’m developing several drama projects in different formats. I hope to be able to share some of them soon! 

Questions asked by Doreen Matthei

Read on the german review of the shortfilm „Eloise“ 

4 Gedanken zu “Neun Fragen an Johan Rosell

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