„Alita: Battle Angel“ (2019)

Filmkritik: James Cameron gilt als Visionär, wenn es darum geht, Großes und Atemberaubendes am Computer zu erschaffen. Ein ähnliches Kaliber wie „Titanic“ (1997) und „Avatar – Aufbruch nach Pandora“ (2009) sollte auch sein jüngstes Projekt werden, das ihn seit 16 Jahren beschäftigt. Doch schlussendlich gab er die Regie für den Film „Alita: Battle Angel“ (OT: „Alita: Battle Angel“, USA, 2019) an Robert Rodriguez ab und setzte seine Vision nur als Drehbuchautor und Produzent um.   

Im Jahr 2563 gibt es einen scharfen Schnitt durch die Gesellschaft. In der letzten Himmelsstadt Zalem lebt die reiche Bevölkerung. Darunter auf der Erde entstand um die Müllkippe Zalems herum die Stadt Iron City, wo sich all jene tümmeln, die eigentlich nach oben wollen. Doch der Aufstieg ist fast unmöglich und so kämpfen sie tagtäglich mit allen Mitteln, ob nun beim Motorball, einer harten Sportart, die bei Sieg einen Aufstieg verheißt, oder bei illegalen Geschäften, darum, ihr Ziel zu erreichen. Doch nicht so Dr. Dyson Ido (Christoph Waltz), der sich für die Schwachen hier unten einsetzt. Als er eines Tages einen intakten Cyber-Kopf auf der Müllkippe findet, gibt er ihm einen Körper und tauft sie Alita (Rosa Salazar). Dabei merkt er gleich, ebenso wie Hugo (Keean Johnson), dass sie etwas Besonderes zu sein scheint. Ehemalige Kampftechnologie schlummert in dem zierlichen Mädchen und könnte das Schicksal für Iron City für immer verändern.

Keean Johnson und Rosa Salazar
© Twentieth Century Fox

Seit längerem bestand die Idee die neunbändige japanische Manga-Reihe „Battle Angel Alita“ (1991) als Realfilm umzusetzen, nachdem es bereits eine Zeichentrickfilm „Gunnm“  (1993) dazu gab. James Cameron („Titanic“ (1997) und „Avatar – Aufbruch nach Pandora“ (2009)) wollte zuerst als Regisseur das Manga von Yukito Kishiro selbst umsetzen. Doch 2015 gab er das Projekt an Robert Rodriguez („From Dusk till Dawn“ (1996) und „Sin City“ (2005)) ab. Doch Cameron schrieb trotzdem zusammen mit der Autorin Laeta Kalogridis das Drehbuch für den Film. Dass er sich selbst fast 16 Jahre Zeit gelassen hatte, um das Projekt auf die Leinwände zu bringen, lag an seinem Wunsch nach einer so guten CGI-Technik, dass die Figuren nahezu perfekt umgesetzt werden konnten. Dieser Stoff passte perfekt zu Cameron, auch erkennt man beim Ansehen mehr seine Handschrift, als jene Robert Rodriguez‘. Dieser hat zwar mit Filmen wie u.a. „Spy Kids“ (2001) schon ab und zu Ausflüge in das Genre gemacht hat, scheint aber nicht die perfekte erste Wahl für diese bunte Dystopie zu sein. Denn trotz aller Grausamkeit und Brutalität ist die Welt von Iron City nicht trübsinnig. Auch die Bilder von verfallenen Gebäuden und dreckigen Gassen funktionieren nicht so recht, wirken diese doch zu aufgesetzt und ‚Steam Punk‘-romantisch. Doch der größte Schwachpunkt des Films liegt nicht in der Umsetzung, sondern in seiner unambitionierten und ausgekauten Geschichte. Diese hält keine Überraschungen parat, dafür aber jede Menge blasse Abziehbilder bekannter Filme und Dialoge, die banaler und unechter nicht sein könnten. Durch die Straffung der mehrbändigen Comicreihe ist die Geschichte zu einem reinen Hollywood-Kitsch verkommen, die keinerlei Tiefe bei den Figuren offenbart, sie nicht lebendig wirken lässt und dadurch weder Interesse noch Mitfühlen evozieren kann.

© Twentieth Century Fox

Aber eines ist dieser Film auf jeden Fall: großes Spektakelkino, das sich an klassischen Strukturen orientiert, und mit neuester CGI-Technik das Effekte-Feuerwerk entzündet. In der Hauptrolle kann man Rosa Salazar (bereit gesehen bereits in der „Maze Runner“-Trilogie (2014-2018)) sehen. Um sie zu entmenschlichen, wurde viel CGI-Technik eingesetzt. Trotz eines etwas zu übertriebenen Kindchen-Schemas funktioniert sie optisch als Hybrid zwischen junger Frau und Cyborg sehr gut. Dementsprechend ansprechend sind auch die Actionszenen. Nur leider ist die schiere Masse dieser, die nur selten von allzu kitschigen Dialogszenen unterbrochen werden, ermüdend. Da hilft es auch nicht, dass man Größen wie Mahershala Ali, Oscargewinner für „Moonlight“ (2016) und „Green Book“ (2018), Jennifer Connelly und Christoph Waltz („Django Unchained“ (2012), „Downsizing“ (2017)) in den Nebenrollen sehen kann. Diese schaffen es kaum, gegen ihr stereotypes Gewand anzuspielen. Doch besonders fehleingesetzt scheint Keean Johnson, den man auch bisher kaum auf der Leinwand gesehen hat, als ihr Freund, der irgendwie für das Langweilige des Films steht und so kann die eingebaute Liebesgeschichte und auch der spätere Verlust keinerlei Sogwirkung entfalten. Im Gesamten ist der Film ein guter Ausblick auf das, was uns CGI-technisch erwartet, doch leider wurde es hier nur für eine kraftlose Underdog-Geschichte voller Klischees und Stereotypen, die man gefühlt schon tausendmal gesehen hat, und mit bescheidenen Dialogen, eingesetzt, sodass dies das schönste Gewand nicht überdecken kann.

Ed Skrein und Rosa Salazar
© Twentieth Century Fox

Fazit: Das CGI-Spektakel „Alita: Battle Angel“ war das Großprojekt des Regisseurs James Cameron und stammt nun aus der Hand des stilsicheren Robert Rodriguez. Cameron schuf als Grundlage ein Drehbuch, das aber leider viel zu dünn in seiner Geschichte ist und zu viele Schwächen bei den Dialogen und Verlauf der Story offenbart. Da können überzeugende Computer-Technik, klassisch eingesetzte Elemente eines Underdog-Films und vor allem viele Effekte kaum helfen, aus dem Spielfilm mehr als ein langweiliges Effekt-Gewitter zu machen, das man bald schon wieder vergessen hat.

Bewertung: 4,5/10

Kinostart:14. Februar 2019 / DVD-Start: 1. August 2019

Trailer zum Kurzfilm „Alita: Battle Angel“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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