Fünf Fragen an Maria Koneva

Interview: Im Gespräch mit der russischen Animationskünstlerin Maria Koneva erzählt sie, wie das Muster eine Gardine sie zu ihrem Kurzfilm „Between the Lines“ (OT: „Vdol’ i poperyok“) inspirierte, wie Kinder auf diesen Film reagieren und ob sie bereits weitere Projekte geplant hat.

The original english language interview is also available.

Wie hast Du Idee für Deinen Kurzfilm entwickelt? Haben dich vor allem die Streifen des Zebras animiert?

Die Idee von „Between the Lines“ entstand aus einem sehr einfachen Gedanken. Ich entdeckte einmal karierte Gardinen und dachte mir: „Dieses Muster könnten zwei Zebras sein, die Liebe machen, aber niemand außer mir kann das sehen. Was wäre, wenn ich eine Geschichte erzählen würde, die visuell immer einfacher würde, bis sie schließlich wie eine bedeutungslose Abstraktion (wie das Karo) aussieht. Aber Zuschauer, die die Geschichte bis zu diesem Moment verfolgen, würden sich das „bedeutungslose“ und „abstrakte“ Muster ansehen und das Geschehen vorher darin sehen und emotional mit dem Muster verbunden sein“. Ich wollte die Zuschauer in dieses kleine Spiel mit der Fantasie einladen.

Welche Aussage möchtest Du jungen Zuschauer mit diesem Film geben? Oder hattest Du ihn eigentlich vor allem für ältere Zuschauer konzipiert?

Ich habe meinen Film nicht als einen Film für Kinder gehalten, als ich ihn gemacht habe. Aber nachdem mehrere Festivals es in ihr Programm für junges Publikum aufgenommen hatten, wurde mir klar, dass „Between the Lines“ für Kinder spannend sein kann. Obwohl ich glaube, dass Kinder beim Anschauen eine andere Botschaft bekommen. Viele Zuschauer sehen nur einen Tanz mit einigen abstrakten Scherzen, was toll ist. Ich liebe die Tatsache, dass der Film auf vielfältige Weise interpretiert werden kann.

Die Musik ist großartig. Haben dich klassische Filme dazu inspiriert? Wie hast Du die richtige Musik für Deinen Film gefunden?

Ich konnte sehr lange nicht die richtige Musik finden. Und ich hatte auch keine strukturierte Geschichte. Nur ein Haufen visueller Scherze und die Idee, allmählich immer abstrakter zu werden, während sich die Liebesgeschichte entfaltet.

Bis mir eines Tages ein Freund von mir diese Musik schickte. Während ich sie mir anhörte, kamen alle Teile der Geschichte zusammen und ich sah, welche Musikakzente und Wendepunkte welche visuellen Scherze sein würden. Diese Melodie gab dem Film seine Struktur, aber gleichzeitig gab sie viel vor und ich hatte das Gefühl, dass ich nicht mehr die Freiheit hatte, die Geschichte zu ändern.

Ich habe gehört, dass einige Leute den Einfluss alter Animationsfilme in „Between the Lines“ sehen. Ich habe es nicht mit Absicht getan. Obwohl ich ein Fan von alten Filmen und Animationen der Zeit bin, bevor der klassische Disney-Stil entstand.

Kannst Du mir zum Schluss noch etwas mehr von Dir erzählen und auf welche neuen spannenden Projekte wir uns freuen dürfen?

Ich begann während meines Studiums an einer medizinischen Universität mit der Animation. Ich war an vielen Stop-Motion-Projekten beteiligt, vor allem als Animateurin und habe auch mehrere Jahre lang Kindern Stop-Motion beigebracht. Obwohl ich schon einige Auftragsfilme als Regisseurin gemacht habe, ist „Between the Lines“ offiziell mein erster Film. Derzeit arbeite ich als Regisseurin von Zeichentrickserien in Moskau. Und was meine eigenen Kurzfilme betrifft, so weiß ich nicht, was der nächste sein wird. Für mich ist es so, als ob man sich verliebt – man kann es nicht mit Absicht machen. Wenn es kommt, kommt es.

Die Fragen stellte Doreen Matthei
Übersetzung Michael Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Between the Lines


Interview: In our conversation with the Russian animation artist Maria Koneva, she tells us how the pattern of a curtain inspired her to make her short film „Between the Lines“ (OT: „Vdol’ i poperyok“), how children react to this film and whether she has already planned further projects.

How did you develop the idea for your short film? Did most of all the stripes animate you to focus on the zebra?

The idea of „Between the Lines“ evolved from a very simple thought. I once spotted the plaid curtains and thought to myself: “This ornament could be two zebras making love but no one but me can see this. What if I tell a story that would become more and more visually simple until it finally looks like a meaningless abstraction (like plaid). But viewers who follow the story all the way to that moment would look at the “meaningless” “abstract” thing and see action and connect emotionally with it”. I wanted to invite viewers into this little game of imagination.

What message would you like to give to young viewers with this film? Or did you conceive it more for older viewers?

I didn’t consider my film for children when I made it. But after several festivals included it into its‘ programs for young audience I realized that „Between the Lines“ can be interesting for children. Though I believe children get a different message while watching it. Many viewers only see a dance with some abstract jokes which is great. I love the fact that the film can be interpreted in many ways.

The music is great. Did classical films inspire you? How did you find the right music for your film?

I couldn’t find the right music for very long. And I had no structured story either. Just a bunch of graphic jokes and the idea of going gradually more and more abstract while the love story unfolds.

Until one day a friend of mine sent me this music. While I was listening to it all the pieces of the story came together and I saw which music accents and turning points would be which graphic jokes. This melody gave the film its structure but at the same time it dictated a lot and I felt I was not free to change the story anymore.

I heard that some people see the influence of old animated films in „Between the Lines„. I didn’t do it on purpose for sure. Though I’m a fan of old movies and animations of the times before the classic Disney style emerged.

Finally, can you tell me a little bit more about yourself and what new exciting projects we can look forward to?

I began making animation while studying at a medical university. I was involved into a lot of stop-motion projects mostly as an animator and also taught children stop-motion for several years. Though I have made some commissioned films as a director before, officially „Between the Lines“ is my first film. Currently I work as a director of animated series in Moscow. And speaking of my own short films, I don’t know what the next one is going to be. For me finding an idea is in a way like falling in love – you can’t make it on purpose. If it comes, it comes.

Questions asked by Doreen Matthei

Read on the german review of the shortfilm „Between the Lines

2 Gedanken zu “Fünf Fragen an Maria Koneva

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