„Frelsun“ (2017)

Kurzfilm / Island / Fiktion / 2017

Filmkritik: Im Internationalen Wettbewerb des 20. Landshuter Kurzfilmfestivals lief der isländische Kurzfilm „Frelsun“ (ET: „Salvation“), welcher sich eindringlich mit der Frage beschäftigt, wie gut sich religiöse Vorstellungen mit moderner Technik und Medizin vertragen. 

Katrin (Unnur Ösp Stefánsdóttir) hatte einen schweren Autounfall und nur eine Bluttransfusion konnte ihr danach das Leben retten. Ihre Religion verbietet so eine Maßnahme, denn im Blut wohnt die Seele. Nach der Rückkehr aus dem Krankhaus scheint sie auf einmal nicht mehr Teil der Gemeinschaft zu sein und wird sogar von der eigenen Familie anders behandelt. 

Die isländische Regisseurin Thora Hilmarsdottir und ihre Drehbuchautorin Snjolaug Ludviksdottir gehen in ihrem sechsminütigen Kurzfilm „Frelsun“, was übersetzt „Erlösung“ bedeutet, der Frage nach, wie weit Sekten in das Leben in ihrer Mitglieder eingreifen. In diesem Fall konnten sie, wie auch die Patientin selbst, nicht verhindern, dass ihr fremdes, lebensnotwendiges Blut verabreicht wird. Also geht der Film konkreter der Frage nach dem Danach nach, stellt aber natürlich unterschwellig auch die Richtigkeit solcher Sekten in Frage. Die beiden Filmemacherinnen orientierten sich dabei natürlich vor allem an den Zeugen Jehovas, wie auch der etwas später entstandene Spielfilm „Kindeswohl“, wollten aber ein allgemeineres Bild von Sekten schaffen. Denn die Ausgrenzung und Ablehnung von Dingen außerhalb ihrer Wertvorstellungen haben alle Sekten gemein. So schafft es der Kurzfilm schnell ein Gefühl zu vermitteln und mit einer anfänglich unsympathischen Hauptfigur mitzuempfinden. Hinzu kommen eine passende, realitätsnahe Inszenierung in gedeckten Farben und mit einer gelungene Besetzung. Zusammen ergibt es einen didaktisch wertvollen Film, der keinen Holzschlaghammer braucht, sondern es ganz automatisch durch authentische Ablichtung solcher Ereignisse schafft, den Zuschauer über wichtige Themen nachdenken zu lassen.

Fazit: Der Regisseurin Thora Hilmarsdottir ist mit ihrem Kurzfilm „Frelsun“ ein spannendes Drama gelungen, das die richtigen Fragen aufgreift, in Kürze in ein schwieriges Thema eintaucht und dafür auch die richtige Filmsprache findet. Dieser Stoff besitzt genug Potential für einen Langfilm, weiß aber auch in seiner Kürze wunderbar zu unterhalten und zu fesseln. 

Bewertung: 8/10

Trailer des Kurzfilms „Frelsun“

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

 

2 Gedanken zu “„Frelsun“ (2017)

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.