„Child’s Play“ (2019)

Filmkritik: Fast jeder Horror-Klassiker hat bereits ein Remake erfahren – wenn man bedenkt dass es immer wieder ein neues Zielpublikum gibt, ist das per se keine schlechte Idee, da nicht jeder ein Retro-Horror-Fan ist und so Jason, Freddy und Co. nicht kennenlernen kann. Wie gut diese Neuauflagen funktionieren, ist dabei ganz unterschiedlich und wird vor allem von Fans des Originals meist skeptisch beäugt. Mit „Child’s Play“ (OT: „Child’s Play“, Kanada/USA, 2019) folgt nun das Remake von „Chucky – Die Mörderpuppe“ (1988) und liefert einen Neustart, obwohl die Originalreihe noch immer fortgesetzt wird.      

Die alleinerziehende Mutter Karen (Aubrey Plaza) weiß sich nichts anders zu behelfen, als ihrem 13-jährigen Sohn Andy (Gabriel Bateman) zu seinem Geburtstag eine ausrangierte Hightech-Puppe zu schenken. Auch Andy ist keineswegs von dem Geschenk überzeugt. Diese Buddy-Puppe kann sich mit allen Netzwerken im Haushalt vernetzen und weicht ihm nicht von der Seite. Doch als Andy feststellt, dass die Puppe, die sich kurzerhand selbst Chucky getauft hat, einen Defekt hat und so über keinerlei Hemmschwellen oder Filter verfügt, findet er es cool und findet damit sogar Freunde. Zu spät erkennen sie, dass Chucky alles tun würde, um Andy glücklich zu machen.

Aubrey Plaza, Gabriel Bateman und Buddi
© Paramount Pictures

Der norwegische Regisseur Lars Klevberg (*1980), der bisher mit seinem Kurzfilmen u.a. „Polaroid“ (2015) positiv aufgefallen ist und 2018 mit der Langfilmvariante „Polaroid“ seinen Schritt ins amerikanische Genregeschäft gewagt hat, adaptiert zusammen mit dem Drehbuchschreiber Tyler Burton Smith den klassischen Horrorfilm „Chucky – Die Mörderpuppe“ (1988) aus der Hand des Regisseurs Tom Holland. Der Film war damals der Auftakt einer ganzen Reihe, die aus der Hand des Drehbuchschreibers Don Mancini (*1963) stammte, auf sieben Teile aufgebläht wurde und bis heute noch nicht als abgeschlossen gilt. Während die späteren Teile vor allem als Klamauk abgetan werden können, schaffte es der erste Film noch wirklich Spannung zu erzeugen. Mit guten Gruselmomenten, gut platzierten Effekten und einem sympathischen Mutter-Sohn-Gespann schaffte er es die Zuschauer in seinen Bann zu ziehen. Das wieder neu aufleben zu lassen und in die technisierte Moderne zu übertragen, scheint nicht die schlechteste Ausgangssituation zu sein und lässt weitestgehend die albernen Nachfolger-Filme außer Acht. Die Filmemacher besinnen sich auf die Anfänge und stellen Spannung gepaart mit heftigen Todesszenen und einem etwas kruden Puppenhumor in den Vordergrund. Von der ursprünglich von Voodoo besessenen Puppe wandelt sich Chucky in eine smarte Puppe, die sich mit allen elektronischen Geräten verbinden kann und durch einen frustrierten Arbeiter, der sie hergestellt hatte, enthemmt wurde. Diese defekte Puppe sorgt für die richtige Mischung aus Humor und Grusel, abgesehen von dem Fakt, dass sich vermutlich kein Mensch so eine scheußliche Puppe anschaffen würde. Doch dass gerade der Hauptcharakter ebenso empfindet, bindet die Zuschauer an seinen liebenswerten Charakter, der dank seines Charismas viel zur Spannung beiträgt, auch wenn man sich aufgrund seiner naiven Handlungen von Zeit zu Zeit die Haare raufen möchte. 

Gabriel Bateman
© Paramount Pictures

Die Charaktere sind neben der gelungenen Übertragung in die Gegenwart die Hauptstärke des Films „Child’s Play“, was übrigens der englische Originaltitel von „Chucky“ war. Gespielt werden diese überzeugend von einem jungen Cast, welcher neben dem Hauptdarsteller Gabriel Bateman mit Falyn und Pugg, gespielt von Beatrice Kitsos und Ty Consiglio, zwei gelungene Sidekicks parat hält. Aber auch die Erwachsenendarsteller spielen ihre Sachen gut, auch wenn Aubrey Plaza („Parks and Recreation“ (2009-2015)) als liebe aber gelassene Mum mit dem falschen Freund, und Brian Tyree Henry, als der nette Cop von nebenan, ein zu enges Rollenkorsett verpasst bekommen haben. Aber das gehört vermutlich dazu, wenn man sich in einem klassischen Horrorfilm bewegt, der zwar nicht damit überrascht, wer alles sterben muss, aber damit, wie das passiert und auch das Ende hat man so nicht unbedingt kommen gesehen. Die Inszenierung schmiegt sich zusammen mit der Ausgestaltung sehr gut in die Geschichte ein, bietet klassische Gruselelemente, makabren Humor und gute Effekte. Rundherum kann sich „Child’s Play“ als Neuauflage von „Chucky – die Mörderpuppe“ sehen lassen, er verbeugt sich vor der Vorlage und bringt die Geschichte einem jüngeren Publikum näher. Einzig und allein die von vornherein zu creepige Puppe wirft Fragen auf, ansonsten liefert der Film gute Unterhaltung.

Buddi
© Paramount Pictures

Fazit: „Child’s Play“ ist, wie es jeder Genrefan schon am Titel erkennt, die Neuauflage von „Chucky – Die Mörderpuppe“. Dabei konzentrieren sich der Regisseur Lars Klevberg und sein Drehbuchautor Tyler Burton Smith auf die Anfänge der Erzählung und bauen gelungen Spannung und makabren, aber gut inszenierten Splatterhumor zu einem unterhaltsam Horrorfilm zusammen, der eine gewisse Zeitlosigkeit besitzt, obwohl er ins vernetzte Hier und Jetzt übertragen wurde. Im Gesamten ein solider Horrorfilm, der einer neuen Generation die unheimliche Puppe Chucky näher bringen wird.

Bewertung: 7/10

Kinostart: 18. Juli 2019 / DVD-Start: 22. November 2019

Trailer zum Film „Child’s Play“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

 

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.