Neun Fragen an David Muñoz

Interview: Im Gespräch mit dem spanischen Filmemacher David Muñoz („Fist of Jesus“) erzählte er mehr von seinem neuesten Film „Mi Nombre es Koji“, der auf dem Landshuter Kurzfilmfestival den Deadline Award gewann, wie schwierig es ist, Genre-Filme in Spanien umzusetzen, aber wie die Liebe zum Mazinger sie alle einte und sie so den Film auf die Beine stellen konnten.
The original english language interview is also available.

Erzähl mir mehr zum Ausgangspunkt Deines Films – die Statue gibt es ja wirklich.
Ja, die Statue ist echt, sonst könnten wir es uns nicht leisten, so einen Film zu machen. Das ganze Budget lag bei etwa 50 Euro.
Ich habe von der Statue erfahren, als ich ein Kind war, in den frühen 90er Jahren, in einer Radiosendung über Comics. Einige Comic-Fans entdeckten sie und sagten im Radio, dass ein Mazinger in voller Größe aus der Serie der 70er Jahre verlassen in den Bergen vor einigen Häusern stand und niemand in der Radiosendung wusste, warum. Da fand ich es schön, dass ein Kind aus den 70er Jahren, das schon immer ein Fan der Serie war, sich seitdem um die Statue kümmert.

Wie ging es nach der Entwicklung der Idee weiter – wie hast Du es in die Wirklichkeit umgesetzt?

Mehr als zwei Jahrzehnte später machten die spanische und die japanische Regierung einen Kurzfilmwettbewerb über wichtige Dinge, die in Spanien verwurzelt sind, und auf der japanischen Kultur basieren. Ich dachte, das wäre die perfekte Beschreibung für die Mazinger Z-Statue. Diese japanische Serie war ein totaler Erfolg in Spanien, so sehr, dass sogar, in der Nähe meines Hauses, jemand die größte Mazinger-Statue der Welt gebaut hat. Und der Preis war eine Reise nach Japan, also war es perfekt, für den Fall, dass wir gewinnen würden, den Kurzfilm fertigzustellen, wie ich es immer wollte, aber nicht das Budget dafür hatte. Also rief ich ein paar Freunde an und wir fingen an, ihn zu drehen.

Der Stil ist eine unterhaltsame Mischung aus authentischen Alltagsaufnahmen und natürlich dem Comiclook. Kannst Du mir zu Deinem visuellen Konzept erzählen?
Ich wollte, dass es so realistisch und normal wie möglich ist, das würde den Kontrast zwischen unserem Charakter und den fantastischen Dingen, die passieren, viel größer und lustiger (und auch billiger) machen. Aber als der Film fortschritt, haben wir diese Art des spanischen Kinos verlassen und sind nach und nach in den Manga- und japanischen Animations-Look eingetreten, besonders während des Epilogs.
Als wir schließlich den Preis gewannen, reisten ich und der Hauptdarsteller nach Japan, trafen alte Freunde, Leute aus dem Internet, denen der erste Teil des Kurzfilms gefallen hatte, und Leute, die wir während der Dreharbeiten auf der Straße trafen. Sie halfen uns, ein perfektes Finale für den Kurzfilm zu machen.

Auch der Musikeinsatz ist sehr stimmig – magst Du mir davon berichten?

Matias Nadal, der Musiker, hat sich eine ganze Weile lang viele japanische Animations-Soundtracks angehört, die uns gefallen haben, und er hat einige davon inspirierte Tracks erstellt. Wir haben beide einige Texte dazu geschrieben, und Andy Fukutome, der japanische Schauspieler, der die Roboterstimme spricht, hat den Song gesungen. Für den Abspann hatten wir einen großartigen Gast, Alfredo Garrido, den Sänger der originalen Mazinger 70’s Themen und vieler Zeichentrickserien. Als er die erste Version des Kurzfilms sah, liebte er ihn und sagte zu uns, dass er wieder einen Mazinger Z-Song singen wolle, also lieh er uns im Alter von 88 Jahren seine erstaunliche Stimme für das Schlusslied. In Spanien kamen nach den Vorführungen viele Kinder aus den 70ern zu uns und waren sehr gerührt, da sie die Stimme aus ihrer Kindheit im Endsong wiedererkannten.

Natürlich lebt so ein Film auch von seiner Hauptfigur – wie hast Du Wiman González für die Hauptrolle gefunden? Wie gut kannte er sich in dieser Comic-Welt bereits aus?
Wiman ist ein guter Freund, wir kennen uns schon seit langem. Vor etwa 15 Jahren hat er einige meiner Kurzfilme bei dem von ihm geleiteten Filmfestival ausgewählt. Er ist auch ein Kurzfilmregisseur, kein Schauspieler, aber ich ziehe es normalerweise vor, nicht mit Schauspielern zu arbeiten und Leute einzusetzen, die zum Charakter passen, und er war perfekt dafür. Er ist auch ein Kind der 70er Jahre und ein großer Mazinger Z-Fan. Er hat eine Menge Mazinger-Zeug und er hat mir erzählt, dass er in den späten 70ern sogar dabei war, als sie die Statue gebaut haben. Sogar die Anfangszitate aus dem Film sind echt und sind Dinge, von denen er mir erzählt hat, dass sie ihm passiert sind, als er die Statue als Kind entdeckt hat. Also habe ich sie in das Drehbuch eingebaut, um den Charakter realer zu machen.

Der Sprachenmix ist sehr amüsant – wie sieht es bei Dir aus, kannst Du japanisch?

Nur ein paar Worte, aber ich habe mehrere Freunde, die Japanisch können und die mir mit dem Drehbuch und den Übersetzungen geholfen haben. Vor einigen Jahren habe ich auch einen Kurzfilm gedreht, in dem einige japanische Freunde auftraten, die auf Japanisch sprachen, also habe ich sie alle für diesen Kurzfilm zurückgerufen. Einige von ihnen leben jetzt in Tokio, also erschienen sie, als wir den zweiten Teil drehten.

Ich denke der Film ist eine Teaser für einen Langfilm. Ist es geplant?
Das ist etwas, was wir gerne tun würden, und mehrere unserer Kurzfilme könnten zu Spielfilmen entwickelt werden, aber wir wissen nicht wie. Unser Budget für unsere Filme reicht von 50 bis ein- oder zweitausend Euro, einen abendfüllenden Film zu machen, ist also etwas, was wir uns nicht leisten können, und in unserem Land ist es sehr schwierig, einen Produzenten zu finden, der sich für Fantasy-Filme interessiert, da alles auf Subventionen basiert und das Fantasy-Genre nicht allzu viele Punkte erhält und etwas ist, das nicht sehr gut angesehen wird. Aber wir verlieren die Hoffnung nicht.

Kannst Du mir am Schluss noch ein bisschen mehr von Dir und Deiner Liebe zum (Genre-)Film erzählen?

Ich habe das Fantasy-Genre schon als Kind geliebt und wollte schon immer in diesem Bereich arbeiten. „Die unendliche Geschichte“ ist immer noch einer meiner Favoriten, und Gmork ist eines der größten und gruseligsten Monster überhaupt. Ich mache seit mehr als 20 Jahren Kurzfilme, und ich baue immer Fantasy-Aspekte ein. Am Anfang nur mit den Dingen, die die Figuren sagen, da ich nicht das Budget oder das Wissen für mehr hatte, aber als ich weiter lernte, fing ich an, komplexere (zumindest in der Entstehung) Kurzfilme zu machen. Ich liebe auch andere Arten von Filmen, aber wenn man einen Film nur aus eigener Kraft und ohne Unterstützung einer Produktionsfirma macht, fühlt es sich besser an, wenn man versucht, etwas Außergewöhnliches zu machen. So dass man, wenn man ihn fertig hat, sagen kann, dass man nie gedacht hätte, dass man in der Lage sein würde, das zu machen. Ich glaube, das Kind in mir hatte eine Menge Spaß bei der Entstehung dieses Films.

Sind bereits neue Projekte geplant?
Es gibt eine Menge Projekte, aber im Moment, besonders nach der Pandemie, haben wir keine Möglichkeit, sie zu machen. Da wir gerade unseren neuen Kurzfilm „The Last Christmas In the Universe“ im Februar 2020 fertiggestellt und „My Name Is Koji“ und den neuen Film vertrieben haben, war es eine Qual mit diesem ganzen Chaos, das auch Festivals betrifft.
„The last Christmas in the Universe“, der auch auf dem Landshuter Filmfestival gezeigt wurde, ist ein postapokalyptischer Weihnachtsmann-Gore-Film im gleichen Stil wie unser vorheriger Film „Fist of Jesus“, aber er war mit viel mehr Arbeit verbunden. Es sind fünf Jahre unserer Urlaube und Wochenenden, also sind wir mittlerweile erschöpft. Der Plan ist zumindest, dass der Film auf Filmfestivals zu sehen ist, denn bisher war er praktisch nicht auf vielen.
Die Fragen stellte Doreen Matthei
Übersetzung Michael Kaltenecker
Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Mi Nombre es Koji


Interview: In conversation with Spanish filmmaker David Muñoz (“Fist of Jesus”), he shared more about his latest film “Mi Nombre es Koji“, which won the Deadline Award at the Landshut Short Film Festival, how difficult it is to make genre films work in Spain, but how the love of mazing united them all and allowed them to get the film off the ground.

Tell me more about the starting point of your film – the statue really exists, right?
Yes, the statue is real, if it wasn’t we could not afford to create a film like that. The whole budget was around 50 euros.
I learned about the statue when I was a kid in the early 90’s, on a radio program about comics. Some comic fans discovered it and said on the radio that there was a full size Mazinger from the 70’s show abandoned in the mountains in front of some houses and nobody on the program knew why. That’s when I thought it was beautiful that a kid from the 70’s that has always been a fan of the show was taking care of the statue since then.

How did you go on after developing the idea – how did you turn it into reality?
More than two decades later the Spanish and the Japanese government made a short film contest about important things that are rooted in Spain, and are based in japanese culture. I thought that was the perfect description for that Mazinger Z statue. That japanese show was a total success in Spain, so much that even, near my home, somebody built the biggest Mazinger statue in the world. And the prize was a travel to Japan, so it was perfect, in case we won, to finish the short as I always wanted, but didn’t have the budget. So I called a few friends, and we started shooting it.

The style is an entertaining mix of authentic everyday shots and of course the comic look. Can you tell me about your visual concept?
I wanted it to be as realistic and normal as possible, that would make the contrast between our character and the fantastic things that are happening much larger and funnier (and also cheaper). But as the movie progressed, we are abandoning this kind of spanish cinema and little by little and we entered into the manga and japanese animation kind of look, especially during the epilogue.
As we finally won the prize, and me and the main actor traveled to Japan, met old friends, people from the Internet that liked the first part of the short, and people we met on the street while we were filming. They helped us to make a perfect finale for the short.

The use of music is also very fitting – can you tell me about it?
Matias Nadal, the musician, took a good while listening to a lot of japanese animation soundtracks that we loved and he created several tracks inspired by it. We both created some lyrics for them, and Andy Fukutome, the japanese actor that does the robot voice, sang the song. For the credits, we had a great guest, Alfredo Garrido, the singer from the original Mazinger 70’s themes and lots of animation series. When he saw the first version of the short he loved it and said to us that he wanted to sing again another Mazinger Z song, so at 88 years of age he lent us his amazing voice for the ending song. In Spain, after the screenings, a lot of 70’s kids came to us and were very moved, as they recognized the voice from their childhood in the ending song.

Of course, a film like this also lives from its main character – how did you find Wiman González for the lead role? How well did he already know his way around this comic world?
Wiman is a good friend, we have known each other for a long time. Around 15 years ago he selected some of my shorts in the film festival he directs. He is also a short film director, not an actor, but I usually prefer not to work with actors and use people that fit the character, and he was perfect for it. He’s also a kid from the 70’s and a big Mazinger Z fan. He has a lot of Mazinger stuff and he told me he even was there in the late 70’s when they built the statue. Even the starting quotes from the film are real and are things he told me happened to him when he discovered the statue as a kid. So I put them in the script to make the character more real.

The language mix is very amusing – how about you, do you know Japanese?
Just a few words, but I have several friends that know japanese and that helped me with the script and translations. Some years ago I also did a short film where some japanese friends appeared talking in japanese, so I called all of them back for this short film. Some of them are now living in Tokyo, so they appeared when we shot the second part.

The film seems to be a teaser for a feature-length film. Is that planned?
That’s something that we would love, and several of our short films could be developed into feature-length movies, but we don’t know how. Our budget for our films goes from 50 to one or two thousand euros, so doing a feature-length movie is something we can’t afford, and in our country, it is very difficult to find a producer who is interested in fantasy movies, as everything is based on subsidies and the fantasy genre doesn’t receive too many points and is something not very well considered. But we don’t lose hope.

Can you tell me a bit more about you and your love for (genre) film at the end?
I have loved the fantasy genre since I was a kid and I always wanted to work in it. “The Never Ending Story” is still one of my favourites, and Gmork is one of the greatest and scariest monsters ever. I’ve been doing short films for more than 20 years, and I am always putting fantasy aspects into them. At the beginning just with the things that characters said, as I didn’t have the budget or knowledge for more, but as I continue learning, I started to make more complex (at least in the making of them) short films. I also love other kinds of films, but when you’re doing a film just based on your own effort and without a production company supporting you, it feels better if you try to do something more amazing. So that, when you finish it, you can say that you would have never thought that you would be able to make that. I think the kid inside me had a lot of fun during the making of this movie.

Are there already new projects planned?
There are a lot of projects but right now, especially after the pandemic, we have no way to make them. As we just finished our new short film “The Last Christmas In the Universe” in February 2020 and distributed “My Name Is Koji” and the new one it was a pain in the ass with all this chaos that also affects festivals.
“The last Christmas in the Universe”, also shown at the Landshut Film Festival, is a Santa Claus post apocalyptic gore film in the same style of our previous film “Fist of Jesus”, but it involved a lot more work. It is 5 years of our holidays and weekends, so by now, we’re exhausted.
The plan at least is that it can be seen at film festivals, as by now it practically hasn’t been at many.
Questions asked by Doreen Matthei
Read on the german review of the shortfilm “Mi Nombre es Koji

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