„Der Graf von Monte Christo“ (2024)

Doreen Kaltenecker
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Filmkritik: Der französische Spielfilm „Der Graf von Monte Christo“ (OT: „Le Comte de Monte-Cristo“, Frankreich/Belgien, 2024) reiht sich ein in die lange Schlange von Verfilmungen (seit 1908) des gleichnamigen Abenteuer-Rache-Roman von Alexandre Dumas dem Älteren, der diesen in drei Bänden 1844-1846 veröffentlicht hat. 

Der junge Edmond Dantès (Pierre Niney) ist mit Haut und Seele in Mercedes (Anaïs Demoustier) verliebt. Aufgrund seiner schlechteren gesellschaftlichen Stellung bleibt ihre Liebe zunächst geheim. Als er aber zum Kapitän befördert wird, kann er sie endlich heiraten. Doch noch während der Zeremonie wird er abgeholt und lebenslang in das berüchtigte Inselgefängnis Château d’If eingekerkert. Dort wird er verbittert und hat die drei Schuldigen bereits ausgemacht. Als er seinen Mitgefangenen Abbé Faria (Pierfrancesco Favino) kennenlernt, hat er nicht nur die Chance zu entkommen, sondern auch mit einem enormen Reichtum nach Marseille zurückzukehren und dort seine großangelegte Rache an seinen früheren Kapitän Danglars (Patrick Mille), dem Staatsanwalt Gérard de Villefort (Laurent Lafitte) und seinen ehemals besten Freund Fernand de Morcerf (Bastien Bouillon) auszuüben.

Bastien Bouillon, Anaïs Demoustier und Pierre Niney

2002 wurde der französische Roman „Der Graf von Monte Christo“ (OT: „Le Comte de Monte-Cristo“, 1844-46) von Alexandre Dumas dem Älteren (1802-1870), der u.a. auch die „Die drei Musketiere“ (1845) verfasst hat, das letzte Mal verfilmt. Unter der Regie von Kevin Reynolds mit James Caviezel in der Hauptrolle erschien die amerikanische Adaption nur vier Jahre nach der französischen Fassung von 1998 mit Gerard Depardieu in der Hauptrolle. Es verwundert nicht, dass die neueste Verfilmung, nachdem der Stoff seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts immer wieder adaptiert wurde, dieses Mal wieder aus Dumas‘ Heimatland Frankreich kommt. Die Regie übernahmen die beiden Filmemacher Matthieu Delaporte und Alexandre De La Patellière, die zusammen bereits „Der Vorname“ (2012) und „Das Beste kommt noch“ (2019) realisiert haben. Nach einem eigenen Drehbuch setzen sie den dreibändigen Roman in einen dreistündigen Film um, was natürlich dazu führt, dass hier und da stark gekürzt werden musste. Sie schufen mit ihrer Adaption einen klassischen Abenteuer-Film, der alles beinhaltet, was man von diesem Genre erwartet – u.a. große Themen wie Liebe, Rache und natürlich Intrigen und Vexierspiele. Knallharte Actionszenen oder Degenkämpfe findet man dagegen weniger, auch wenn diese zur Steigerung des Tempos hier und da zum Einsatz kommen. Dabei wird der Stoff nur an wenigen Stellen modernisiert, so dass man dem Film in einigen Jahren wohl kaum noch sein Entstehungsjahr ansehen wird.

Die Inszenierung bleibt dabei auch seiner Vorlage treu und erweckt im großen Stil das mondäne Marseille und das ländliche Frankreich von 1815 zum Leben. Dabei schufen die beiden zusammen mit ihrem Szenenbilder Jessy Kupperman und Kameramann Nicolas Bolduc ein Frankreich, das von beeindruckenden Weiten, eleganten Räumen und düsteren Gassen lebt. Der Film sieht rundherum beeindruckend aus und man merkt, dass hierfür viel aufgefahren wurde. Auch das Gefängnis mit seinen ungewöhnlichen Verließen besitzt einen starken Widererkennunsgwert. In allen Räumen bewegt sich der Cast mit der richtigen Mischung aus literarischer Übergröße und Authentizität. Die eine oder andere Kameraeinstellung unterstreicht das ebenso wie der Musikeinsatz des Komponisten Jérôme Rebotier. Die Darsteller:innen sind alle sehr gut ausgewählt. Pierre Niney schafft es, die verschiedenen Stufen der Entwicklung vom einfühlsamen jungen Mann hin zum schonungslosen Rachegeist gut zu spielen. In den Nebenrollen fallen Anaïs Demoustier, Anamaria Vartolomei, Vassili Schneider und Pierfrancesco Favino auf. So entstand ein rundherum gelungener Abenteuerfilm, der in dem Gros dieses Genres zwar untergeht, aber sehr gut unterhalten kann und einer neuen Generation das Werk von Dumas d.Ä. näher bringt.

Pierre Niney

Fazit: „Der Graf von Monte Christo“ ist die neueste Adaption des Abenteuerromans von Alexandre Dumas dem Älteren aus dem Jahr 1844-46. Die beiden Regisseure Matthieu Delaporte und Alexandre De La Patellière schufen einen klassischen Abenteuerroman, der dem Buch trotz starker Kürzungen gerecht wird, zwar nicht Filmgeschichte schreiben wird, aber sehr gut unterhalten kann.

Bewertung: 7/10

Kinostart: 23. Januar 2025

Trailer zum Film „Der Graf von Monte Christo“:

geschrieben von Doreen Kaltenecker

Quellen:

  • Wikipedia-Artikel über den Film „Der Graf von Monte Christo
  • Pamela Jahn: Der Graf von Monte Christo, in: Ray – Das Filmmagazin, Ausgabe 12/24 +1/25, S. 42.
  • Wikipedia-Artikel über den Roman „Der Graf von Monte Christo
  • Anke Sterneborg, ‚Kritik zu Der Graf von Monte Christo‘, epd-film.de, 2024
  • Lida Bach, ‚Der Graf von Monte Christo – Kritik‘, moviebreak.de, 2024
  • Der Graf von Monte Christo / Melodramatische Rache, in Podcast: Der Tele-Stammtisch – Der Film- und Serienpodcast, 21.01.2025.
  • Jörg Taszman: Filme der Woche: „Kneecap“, „Der Graf von Monte Christo“, in Podcast: Deutschlandfunk Kultur – Fazit, 23.01.2025.
  • Jörg Albrecht: Neue Filme: Rabia – der verlorene Traum, Kneecap, Der Graf von Monte Christo, 22.01.2025.

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