„Flow“ (2024)

Doreen Kaltenecker

Filmkritik: In diesem Jahr waren viele fantastische Animationsfilme bei der 97. Oscarverleihung nominiert. Gewonnen hat der lettische in Blender realisierte „Flow“ (OT: „Flow“, Lettland/Belgien/Frankreich, 2024) von Gints Zilbalodis, der ebenfalls als ‚Bester Internationaler Film‘ nominiert wurde. Doch auch die weiteren Nominierungen wie die beiden Stop-Motion-Filme „Memoiren einer Schnecke“ des Australiers Adam Elliot und „Wallace & Gromit – Vergeltung mit Flügeln“ aus den britischen Aardman-Studios sowie die Fortsetzung „Alles steht Kopf 2“ sind eine Entdeckung wert.

Eine Katze erwacht und es liegt etwas in der Luft. Alle Menschen sind weg, auch wenn man ihre Spuren noch deutlich sehen kann. Wann sind sie verschwunden? Als sie das Haus verlässt, stromert sie herum, entkommt einer Bande Hunde, aber auf einmal steigt das Wasser und die Katze muss fliehen. Dabei entdeckt sie ein Boot, das von einem Wasserschwein gelenkt wird. Ängstlich wird sie Passagier dieses Segelboots. Nach und nach gesellen sich weitere Tiere hinzu: ein Lemur, der viel Wert auf Besitz legt, ein stets gut gelaunter Hund und ein majestätischer Sekretärsvogel. 

Der 84-minütige Animationsfilm „Flow“ erzählt die Geschichte einer schwarzen Katze und einer Gruppe anderer Tiere, die nach einer Umweltkatastrophe ohne Orientierung oder ein klares Ziel dahin treiben. Dass dies so ist, liegt auch daran, dass Gints Zilbalodis, der zusammen mit Matīss Kaža das Drehbuch geschrieben hat, die Tiere Tiere sein lässt. Es gibt hier nur wenig Anthropomorphisierung, auf Sprache wird so selbstverständlich auch verzichtet und die Tiergeräusche sind authentisch. Als Zuschauer:innen verfolgt man diese Reise der ungewöhnlichen Helden mit Spannung und Neugierde. Hinzu kommt, dass dieser Film sehr schön aussieht. Die in Blender geschaffenen Bilder zeigen eine untergegangene Zivilisation frei von Menschen, bei der sich die Natur nach und nach alles zurückerobert. Dabei ist die Architektur ein Mix aus verschiedenen Ländern, so dass der Film etwas Entrücktes – nicht Zuordenbares – bekommt. Zur magischen Stimmung dieser Welt tragen auch die Farben, das Licht und die zahlreichen Details bei. Die Tiere bewegen sich zudem authentisch, da sie vor der 3D-Umwandlung real abgefilmt wurden. Dabei baut der Film Themen wie Umweltbelastung und -zerstörung, die Klimakrise und den Wunsch, sich wieder mehr mit der Natur zu verbinden, ein. Auch spiegelt sich das Klein-Klein menschlicher Auseinandersetzungen in manchen Situationen wider. Doch all diese Themen schwingen eher mit, als dass sie sich in den Vordergrund drängen. Vielmehr geht es um die ungewöhnliche Reisegesellschaft und wie sich am Ende Solidarität auch unter diesen so unterschiedlichen Tieren einstellt. Der Film konnte nicht nur den Oscar als ‚Bester Animationsfilm‘ gewinnen, sondern erhielt auch Auszeichnungen beim Europäischen Filmpreis 2024, Festival d’Animation Annecy 2024 und den Golden Globe Awards 2025.

Fazit: „Flow“ ist ein Animationsfilm aus Lettland von Gints Zilbalodis, der bei der Oscarverleihung 2025 als Bester Animationsfilm ausgezeichnet wurde. Er erzählt ohne Worte in wunderschönen Bildern von einer ungewöhnlichen Tiergemeinschaft in einer Welt, die vom Wasser erobert wurde. Als Parabel auf die Klimaveränderungen, aber auch als Aufruf zu einem freundlichen Miteinander kann man den Film lesen. Muss man aber nicht und kann sich auch einfach mit den Bildern treiben lassen.

Bewertung: 9/10

Kinostart: 6. März 2025

Trailer zum Film „Flow“:

geschrieben von Doreen Kaltenecker

Quellen:

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