„Mickey 17“ (2024)

Doreen Kaltenecker
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Filmkritik: Der südkoreanische Regisseur und Drehbuchschreiber Bong Joon Ho hatte schon immer eine Vorliebe für zwei Genres. Zum einen erzählt er gerne subtil kritische und verschachtelte Gesellschaftsdramen, die in der Realität verwurzelt sind. Dazu gehört auch „Parasite“, der als erster nicht englischsprachiger Film 2020 den Oscar als ‚Bester Film‘ gewann. Seitdem warten Cineasten auf sein nächstes Werk. Jetzt kommt „Mickey 17“, der seine Deutschlandpremiere auf der 75. Berlinale 2025 feierte, in die Kinos. Mit diesem Film wendet er sich wieder seiner zweiten Leidenschaft zu – dem überdrehten Sci-Fi-Film. 

Naomi Ackie und Robert Pattinson

Mickey Barnes (Robert Pattinson) und sein Geschäftspartner Timo (Steven Yeun) sind auf der Flucht vor einem Gangsterboss, der sie zu Kleinholz verarbeiten will. Die Ausflucht scheint einfach: Sie melden sich für eine Weltraummission des Ex-Politikers Kenneth Marshall (Mark Ruffalo) und seiner Gattin Ylfa (Toni Collette) an. Doch die Chancen, angenommen zu werden für die Neubesiedlung des Planeten Niflheim, stehen schlecht und so bietet Mickey sich kurz entschlossen als Expandable an, ohne zu wissen, was da eigentlich dahintersteckt. Einmal unterzeichnet, wird er schnell an Bord des Schiffes und auch nach Ankunft auf dem Planeten zum Versuchskaninchen. Nach seinem Tod wird einfach eine neue Version von ihm ausgedruckt und mit dem hochgeladenen Gedächtnis der Vorgänger versorgt. Mickey 17 stürzt in eine Felsspalte und alle sind der Meinung, dass er nun wieder gestorben ist. Doch er ist gar nicht tot und auf einmal gibt es zwei Mickeys. Was hält seine Freundin Nasha (Naomi Ackie) davon und wie soll es jetzt weitergehen?

Robert Pattinson

Der achte Spielfilm des südkoreanischen Regisseurs Bong Joon Ho, der mit „Memories of Murder“ (2003) und „The Host“ (2006) international auf sich aufmerksam machte, wendet sich wieder dem Science-Fiction-Genre zu. Wie bereits „Snowpiercer“ (2013), sein erster internationaler Film, basiert die Geschichte auf ein Buch. Während „Snowpiercer“ eine Comicadaption war, dient hier der Roman „Mickey7 – Der letzte Klon“ (2022) von Edward Ashton als Vorlage. Der Regisseur selbst schrieb die Geschichte in ein Drehbuch um und behielt die Liebesgeschichte zwischen Mickey und Nasha als zentralen Kern der Geschichte bei. Eine Liebesgeschichte in dieser Art findet sich bisher nicht in Bong Joon Hos Œuvre. „Mickey 17“ bringt darüber hinaus aber alle Elemente aufs Tapet, die man in diesem Genre als klassisch ansehen kann. Ein fantastisches Setdesign, Übertreibungen und nicht subtil verpackte Kritik an der heutigen Gesellschaft und Politik. Dabei könnte man dem Film vorwerfen, dass er zu schnell die Themen und den Tonfall ändert, aber das verleiht seiner Struktur und der Entwicklung der Figuren Stringenz. Am Anfang ist es ein Weltraumfilm, dann geht es über in eine gewalttätige Übernahme eines Planeten und am Ende schlägt es in ein Märchen um, das an das Gute in den Menschen appelliert. Dabei ist der Film nicht so zynisch wie „Parasite“, dafür eher provokativ überspitzt und sagt laut, was er zu sagen hat.

Steven Yeun

Gedreht wurde der Film komplett in den britischen Warner Bros. Studios Leavesden (in der Nähe von London). Dabei erschuf Bong Joon Ho fantastische Welten. Das Setdesign des Raumschiffs besticht dabei genauso wie der eisige Planet, der das neue Zuhause werden soll. Als Ureinwohner des Planeten wurden Kreaturen geschaffen, die wie eine Mischung aus Kellerassel und Mammut aussehen, und hier wird schnell klar, dass ein alleiniger Blick auf fremde Kreaturen (wie auch bereits bei „Okja“ (2017)) zu Fehleinschätzungen führt und man dabei zu gern den scheinbar leichteren Weg geht. Trotz allem Bombasts in der Inszenierung, gelungenen Actionszenen und einigen Überraschungen ist der Film auch eine Plattform für Schauspieler:innen, die sich hier austoben können. Allen voran Robert Pattinson, der schon lange sein Beautiful-Guy-Image abstreifen konnte und hier viele Varianten seiner Rolle mit einem starken Südstaaten-Slang und sympathischer Naivität spielen durfte. Doch auch Mark Ruffalo und Toni Collette als despotisches Pärchen merkt man die Spielfreude an. Darüber hinaus wurde der restliche Cast mit Darsteller:innen wie Naomi Ackie, Steven Yeun, Anamaria Vartolomei und dem britischen Comedian Tim Key (u.a. in „Taskmaster“) besetzt. So fügt sich alles zu einer schrillen, übertreibenden Sci-Fi-Gesellschaftssatire zusammen, die vor allem Fans von „Snowpiercer“ mit Sicherheit begeistern wird. 

Robert Pattinson

Fazit: „Mickey 17“ ist der achte Spielfilm des Regisseurs Bong Joon Ho und dessen zweite? englischsprachige Produktion. Mit großer Fabulierlust adaptiert er eine Sci-Fi-Geschichte von 2022. Dabei übertreibt und überzeichnet er mit Herzenslust, schafft es aber auch, Gefühle und Wahrheiten zu vermitteln. Hervorragend inszeniert und besetzt ist der Film eine perfekte Unterhaltung mit märchenhaftem Happy End, der seine Kritik nicht verpackt, sondern herausschreit.

Bewertung: 8/10

Kinostart: 6. März 2025

Trailer zum Film „Mickey 17“:

geschrieben von Doreen Kaltenecker

Quellen:

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