Fünf Fragen an Duncan Cowles

Duncan Knowles © Stuart Edwards

Interview: Auf dem 30. Filmfest Dresden lief im Programm ‘Panorama International: Brennender Bilderzoo’ der großartige “Taking Stock” des britischen Filmemachers Duncan Cowles. Wir hatten das Vergnügen uns mit dem 27-jährigen Dokumentarfilmer zu unterhalten.

The original english language interview is also available. 

Dein Kurzfilm “Taking Stock” besticht mit einer ganz besonderen Mischung, Geschichte und Stil. Wie kam es dazu, dass ein versierter Dokumentarfilmer wie Du solch einen Kurzfilm entwickelt?

Die Idee entstand ganz von selbst, nachdem ich tatsächlich versuchte etwas zusätzliches Geld mit den Filmen und Online-Verkauf von Stock Footage zu verdienen. Allerdings stellte ich nach ein paar Monaten fest, dass keine meiner Aufnahmen sich verkauften und Leuten denen ich von meinen Versuchen etwas zu verkaufen erzählte, fanden das ziemlich witzig. So gab es vielleicht wenigstens noch die Möglichkeit aus den Aufnahmen und meiner Geschichte des Scheiterns einen Film zu machen. So wäre all das Filmen nicht solch eine Zeitverschwendung.

Dein Kurzfilm ist absolut amüsant. Doch hinter seine Fassade, zeigt er, wie schwer die Arbeit als freischaffender Künstler ist. Wie exakt autobiographisch sind die ausgesprochenen Gedanken?

Ich würde schon sagen, dass der Film autobiographisch ist, da alles tatsächlich so passiert ist und alles aus echtem Befinden und Gefühl entstanden ist. Alles, das im Film erwähnt wird ist ziemlich genau so passiert, wie es beschrieben ist und alle Aufnahmen wurden wirklich zuerst als Stock Footage gefilmt und nicht, um sie für den Film zu nutzen, wie sie letztendlich verwendet wurden. Vielleicht habe ich hier und da etwas übertrieben, damit der Film lustiger oder wirkungsvoller ist, aber alles basiert auf einer ehrlichen Wahrheit.

War es schwierig aus Dokumentarfilmschnipseln eine narrative Struktur zu entwickeln?

Ich habe nach den Aufnahmen gesucht, welche die Geschichte jenseits ihrer visuellen Wirkung erzählen. Zum Beispiel der Frosch, welcher die einzige Aufnahme war, die ich verkauft hatte, oder die Steine, die ins Wasser geworfen werden, oder die Aufnahmen meiner Mutter aus meinem Schlafzimmerfenster. Diese Aufnahmen erzählen tiefergehende Geschichten über das, was passiert, wie beispielsweise die Tatsache, dass ich als 27-Jähriger noch bei meinen Eltern wohne. Nachdem ich mir alle Aufnahmen angesehen hatte und herausgefunden hatte, was die stärksten Momente und Aufnahmenschnipsel waren, sortierte ich sie in eine Erzählfolge und habe viel improvisiert. Ich habe mich einfach aufgenommen wie ich über die Aufnahmen spreche. Daraus entwickelte ich ein sehr grobes Drehbuch und danach, nachdem ich mich immer wieder aufgenommen hatte, habe ich den Off-Kommentar und die Struktur des Films zusammengestückelt.

Warum hast Du Dich explizit für diese Stocks entschieden? Bedeuten Dir Fische sehr viel?

Nein, Fische bedeuten mir nicht sehr viel, aber ich mag sie zur Genüge. Ich hatte schon immer die Idee den Film mit einer Unterhaltung mit diesem Fisch zu beginnen, da er so auffallend menschliche Eigenschaften hat – und so eine Art seltsames kleines Schmunzeln hat. Das war wirklich bizarr und ich dachte, das könnte ein Auslöser für den Beginn einer kleinen existentiellen Krise sein, so als würde der Fisch mich verhöhnen. Alle anderen Aufnahmen waren, wie bereits gesagt, eine Mischung aus den visuell stärksten Elementen und den Aufnahmen die eine tiefere Geschichte auf Grund ihres Entstehungskontexts erzählten.

Und als letzte Frage: Hat jemand darauf reagiert und etwas gekauft?

Leider nicht wirklich, nein. Aber letztens habe ich einen Clip verkauft. Ein Typ hat mir eine E-Mail geschrieben und wollte die Aufnahme von mir kaufen, wo man am Ende des Films mich beim Filmen sehen kann. Das erschien mir ein bisschen seltsam, aber ein Kauf ist ein Kauf und so habe ich ihm die Aufnahme verkauft.

Das Aquarium, das im Film zu sehen ist, ist auch auf mich zugekommen und hat mich gefragt, ob ich Werbeaufnahmen für sie machen kann, nachdem sie den Film auf Channel 4 gesehen hatten. Also habe ich, als ich in offizieller Rolle zum Aquarium zurückkehrt bin, mit Fische filmen ein bisschen Geld verdient.

Die Fragen stellte Doreen Matthei

Übersetzung von Michael Kaltenecker

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Interview: As part of the ‘Panorama International: The Blazing Image Zoo’ program of the 30th International Short Film Festival the awesome “Taking Stock” by british filmmaker Duncan Cowles was shown. We could ask the 27 year old documentary filmmaker a couple of questions.“Taking Stock” has a unique mix of story and style. How did you arrive at the idea, especially since you seem to be mostly focused on making documentaries?

The idea came quite naturally after trying to literally make some extra cash from filming and selling stock footage online. However after a few months I realised none of the footage was selling, and people I was telling about my attempts were finding it quite funny, that maybe there was a way to make a film out of the footage and my story of it all failing. That way, all my filming wasn’t so much of a waste of time.

Your short film is very amusing but beyond that it also shows how hard freelance work can be. To what extent are the thoughts in the film autobiographical?

I’d say it’s autobiographical in that it actually happened and comes from a genuine feeling and emotion. Everything talked about in the film happened pretty much as described, and all the footage is genuinely created as stock footage, and wasn’t filmed to be made into the film it ultimately ended up as. Maybe I exaggerated some of it to be more funny or impactful, but it’s based in an honest truth.

Was it hard to create a narrative structure from the stock footage?

I looked for the footage that told a story beyond the visuals and made a list of those moments. So for example the frog being the only clip that sold, or the rocks being thrown into the water and the footage of my Mum from my bedroom window. These kind of things told a deeper story about what was going-on, like living at home as a 27 year old. Once I looked through all the footage and figured out what the strongest moments and bits of footage were, I ordered them into a narrative and did a lot of improvisation, where I would just start recording myself talking about the footage. Then I kind of worked out a very rough script, and then after recording and re-recording a lot, I pieced together a voiceover and structure.

How did you decide on which footage to use? Do fish mean a lot to you?

Fish don’t mean a huge amount to me no, although I like them well enough. I’d always had the idea of starting the film with a conversation to this fish as it had such striking human-like characteristics, and this kind of odd little smile thing going on. It was really bizarre and I though this could be the trigger for the start of a mini-existential crisis, like the fish was maybe taunting me. The rest of the footage, kind of like my previous answer, was a mixture of the strongest stuff visually, and the clips that told a deeper story when looking at the context of how they were created.

Did you sell more stock footage after people started seeing “Taking Stock”?

Unfortunately not really no. I did sell one clip recently. A guy emailed me and wanted to buy the clip of me filming at the end of the film. This seemed a bit strange to me, but a sale is a sale, and so I sold him it.

I was also approached by the aquarium that features in the film, to do some advertising shots for them after they saw it play on Channel 4. So I made some cash there, by returning to the aquarium on more official terms to film fish.

The questions were asked by Doreen Matthei

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