„Curiosity and Control“ (2018)

Filmkritik: Wenn man an Dokumentarfilme denkt, assoziiert man oft als erstes Tier-Dokumentationen, welche es häufig im Fernsehen zu sehen gibt, doch es gibt darüber hinaus auch Dokumentarfilme, die sich mit dem Verhältnis zwischen Mensch und Tier beschäftigen. Auf dem 61. DOK Leipzig liefen u.a. zwei Filme mit unterschiedlichem Ansatz, um das Thema näher zu beleuchten. Neben Othmar SchmiderersDie Tage wie das Jahr“ , welcher einen rein visuellen Ansatz wählt, beschäftigte sich der Fotograf und Filmemacher Albin Biblom in seinem 58-minütigen Film „Curiosity and Control“ speziell mit den Themen Dioramen und Zoos.

Der Film beginnt mit der Geschichte von Carl Akeley (1864-1926), der als Vater der Taxidermie gilt. Die Erfindung der Dioramen hat den Menschen die Natur näher gebracht. Ausgestopfte Tiere wurden in einer möglichst naturgetreuen Umgebung eingefangen und konnte so die Schaulust befriedigen, aber auch informativ sein. Genau diese Grundbedürfnisse werden auch in Zoos gestillt. Doch was wird den Tieren gerecht und was sagt das über das Verhältnis Mensch-Tier aus? Ist es nur die Neugierde, die den Mensch antreibt oder möchte er seine Umgebung auch unter Kontrolle bekommen? Diese Fragen verfolgt der Dokumentarfilm „Curiosity and Control“ und besucht Experten rund um die Welt und stattet nicht nur dem New Yorker Naturkundemuseum einen Besuch ab, sondern sieht sich auch die Umbauten im Chester Zoo (UK) an.

Der schwedische Fotograf Albin Biblom (*1975) beschäftigte sich schon länger mit Carl Akeley und der Taxidermie. Zudem sind seine Arbeiten geprägt, von dem Verhältnis zwischen Mensch und Tier. Während er eine neue Fotoreihe über Zoos vorbereitete, stellte er fest, dass dieses Mal das Medium nicht ausreichte, für das, was er sagen wollte. So entstand sein zweiter Dokumentarfilm, der es mit seinen 58 Minuten Länge schafft, die Themen nur anzuschneiden, aber schon dabei viel vermittelt. In seinem stark interviewlastigen Film verfolgt er anhand der beiden Hauptstränge, wie Menschen mit (wilden) Tieren umgehen. Dabei bezieht er nicht direkt eine Stellung, aber durch die Äußerungen der Interviewpartner wird die Botschaft klar vermittelt. Es ist ein Anruf zum Nachdenken darüber, ob wir den richtigen Weg wählten oder ob Angst unser Handeln bestimmte. Dabei ist es ihm wichtig, viele Seiten, Forschermeinungen etc. zu beleuchten. Albin Bibloms Film ist nicht nur informativ, lehrreich und gibt einen guten Überblick über die Entwicklung des Mensch-Tier-Verhältnis speziell was Zoos und Dioramen betrifft, sondern regt auch zum Nachdenken an und nimmt einem, wenn man so will, auch die kindliche Freude bei der Betrachtung der Tiere. Denn der Film fragt unverblümt nach der Richtigkeit dessen.

Fazit: Der schwedische Dokumentarfilm „Curiosity and Control“ von Albin Biblom, der anfänglich das Thema als fotografisches Werk geplant hatte, geht auf eine kleine Entdeckungsreise durch die Geschichte von Dioramen und Zoos. Dabei lässt er viele Interviewpartner sprechen, beobachtet und gibt informativ den Status Quo wieder. Gleichzeitig stellt er unauffällig die richtigen Fragen und animiert den Zuschauer zum Nachdenken über das Verhältnis Tier-Mensch. Dieser Film ist ein Dokumentarfilm, wie er im Buche steht: klassisch aufgebaut, informativ und er regt zum Nachdenken an.

Bewertung: 7,5/10

Trailer zum Film „Curiosity and Control“

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

4 Gedanken zu “„Curiosity and Control“ (2018)

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