Elf Fragen an Albin Biblom

Interview: Im Gespräch mit dem Filmemacher und Fotografen Albin Biblom erzählt er uns, wie aus einem ehemaligen Fotoprojekt der Dokumentarfilm „Curiosity and Control“ wurde und welche Bedeutung Zoos und Dioramen in unserer Zeit haben.

The original english language interview is also available.

Das Verhältnis zwischen Menschen und Tieren ist trotz einiger Veränderungen der Vergangenheit immer noch dysfunktional. Dein Film trägt gut zum Diskurs über dieses Thema bei. Warum hast Du Dich entschlossen Dich filmisch mit diesem Thema auseinander zu setzen?

Es begann 1993, als ich das American Museum of Natural History in New York besuchte. Ich war fasziniert von Carl Akeleys Dioramen, was zur Idee führte, ein Fotobuch über künstliche Landschaften zu schreiben, weshalb ich anfing, in verschiedene Tiergärten zu reisen. Ich habe viel über die Geschichte von Zoos und Naturkundemuseen gelesen und am Ende ist das ganze Thema zu komplex geworden, also habe ich meine Idee in eine Schublade gelegt. Stattdessen habe ich einige Jahre lang ein Kunstprojekt über unser Verhältnis zur Natur durchgeführt und später einige Jahre Tanzbären in Bulgarien fotografiert. Vor etwa zehn Jahren hatte ich die Idee, einen Kurzfilm zu diesem Thema zu drehen, aber durch die Ermutigung meines Produzenten Adam Marko-Nord wurde der Film eine Stunde lang.

Was ist Deine ganz persönliche Meinung und vor allem Dein Verhältnis zu Tieren?

Meistens dreht sich meine Arbeit um Tiere im Rahmen eines Museums oder eines Zoos aus europäischer Sicht, wie wir die Natur rekonstruieren und wie Tiere präsentiert werden. Manchmal, wie Èric Baratay im Film anmerkt, wie in einem Schaufenster. Immer häufiger werden heute Immersionsausstellungen gezeigt, das Publikum betritt eine Biosphäre oder einen simulierten Ort der Welt. Ich finde unsere Simulationen spannend, aber so natürlich wir auch versuchen, es zu machen, es ist immer noch von Menschen gemacht.

Wie war es von der Fotografie zur Regie zu wechseln?

Ich habe immer Collagen aus meinen Fotos gemacht, also fühlte sich das Denken in Sequenzen nicht allzu weit weg an. Der erste Film, den ich drehte, „Mechkar – the Story of a Bulgarian Bear Owner“, entstand aus einer leichten Frustration heraus, Dinge nur durch Fotos zu erzählen. Ich betrachte „Curiosity and Control“ als eine Art Collage mit Stimmen.

Wie bist Du das Projekt angegangen? Hast Du zuerst Deine Interviewpartner gefunden oder die Orte portraitiert. Wie bist Du auf den Chester Zoo aufmerksam geworden?

Einige der Teilnehmer von „Curiosity and Control“ haben Bücher geschrieben, die ich vor vielen Jahren gelesen habe, wie Éric Baratay und David Hancocks. Wenn man in die Geschichte von Zoos eingetaucht ist, hat man sie wahrscheinlich gelesen. Viele der Orte in „Curiosity and Control“ habe ich schon einmal besucht, als ich wegen des Fotografierens reiste.

Als ich während der Schnittphase feststeckte, versuchte ich, an meine anfänglichen Gefühle voller Konflikte vor vielen Jahren zurückzudenken. Als ich zum ersten Mal in einen Zoo kam, war für mich als Besucher geplant, wie ich die Darstellung wahrnehmen sollte, aber ich dachte mehr darüber nach, was die Darstellung an sich über uns sagte. Der Film hat eine europäische Perspektive, denn was wir zu tun haben, ist zum Teil ein koloniales Erbe, das uns hinterlassen wurde. Institutionen reflektieren heute ihre Rolle eher selbst, wie viele Naturkundemuseen und ethnographische Museen, aber natürlich gibt es blinde Flecken. Ich habe in der Zeitung über die Erweiterung des Chester Zoos gelesen und sowohl der Architekt Kieran Stanley als auch der Architekt des Chester Zoos waren sehr offen und interessiert an neuen Darstellungsformen in Zoos und der Herausforderung, wie man die Besucher anspricht.

Dein Film ist leider nur eine Stunde lang. Ich könnte mir vorstellen, dass Du mehr Material gehabt hättest. Wird es eine längere Variante deines Films geben?

Das Thema ist groß und könnte eine ganze Serie sein, über die mein Produzent gesprochen hat. Wir haben jetzt angefangen, an einer zusätzlichen zweistündigen Version zu schreiben.

Denkst Du das Interesse an Dioramen wird irgendwann komplett verflogen sein?

Ich denke, ihr ursprüngliches Ziel mag veraltet sein, aber als Dokument ihrer Zeit und als Dokument darüber, wie man versucht hat, die natürliche Welt darzustellen werden sie Bestand haben.

Denkst Du es gibt jemals einen idealen Zoo? Denn das Bedürfnis der Menschen sich mit Tieren und der Natur zu verknüpfen, wird wohl nie vergehen.

Viele dieser Institutionen wurden in einer Zeit aufgebaut, in der die europäische Weltanschauung anders war und die Institutionen haben sich (hoffentlich) im Laufe der Zeit angepasst, entweder durch den Druck der Öffentlichkeit, politische Veränderungen oder wirtschaftliche Anforderungen. Vielleicht bin ich nicht die richtige Person, um das zu fragen, denn ich denke, die Idee eines Zoos an sich ist kein idealer Ort, um die Natur zu erleben, es ist ein Ort, an dem man sich Tiere ansehen kann. Wie sehr man auch immer versucht, es wird immer ein Kompromiss zwischen der Verwaltung, den Anforderungen der Besucher und den Bedürfnissen der Tiere sein. Es ist keine leichte Aufgabe für Direktoren und Architekten, all diese Aspekte zu berücksichtigen.

War das DOK Leipzig Dein erstes Festival? Wie war es die Reaktionen der Zuschauer hautnah zu erfahren?

DOK Leipzig war das erste Festival, das „Curiosity and Control“ zeigte, wir haben es sehr genossen und wir waren froh, ein so großes Publikum gehabt zu haben.

Wie wird es bei Dir weitergehen?

Neben der Arbeit als Fotograf schreiben wir an einer erweiterten Version von „Curiosity and Control“. Ich habe auch einen anderen Film angefangen, „Chronos“, der sich mit Zeit, Ritualen und Erinnerung beschäftigt.

Die Fragen stellte Doreen Matthei
Übersetzung Michael Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Films „Curiosity and Control


Interview: In our conversation with filmmaker and photographer Albin Biblom he tells us how a former photo project became the documentary film „Curiosity and Control“ and what meaning zoos and dioramas have in our time.

Despite some changes in the past, the relationship between humans and animals is still dysfunctional. Your film contributes well to the discourse on this subject. Why did you decide to deal with this topic on film?

It started out in 1993 as I visited the American Museum of Natural History in New York, I was spellbound by Carl Akeley’s dioramas

which led to the idea to make a photo book about artificial landscapes why I started to travel to different zoological gardens. I read a lot about the history of zoos and natural history museums and in the end the whole topic grew to complex so I put my idea in a drawer. Instead, I spent some years doing an art project about our relation to nature and later on some years photographing dancing bears in Bulgaria. Around ten years ago I had an idea to make a short film on the subject but encouraged by my producer Adam Marko-Nord the film grew into an hour long.

What is your personal opinion and above all your relationship to animals?

Mostly my work have revolved around animals in the context of a museum or a zoo, from a European perspective; how we reconstruct nature and how animals are presented. Sometimes as Èric Baratay points out in the film, as in a shop window. Nowadays immersion exhibits are becoming more common, the public enters a biosphere or a a simulated place in the world. I find our simulations exciting, but however natural we try to do it, it’s still man-made.

How was it to change from photography to directing?

I’ve always made collages of my photographs, so to think in sequences didn’t feel to far away. The first film I made, „Mechkar-the story of a Bulgarian Bear Owner“, came out from a slight frustration of telling things only through photographs. I think of „Curiosity and Control“ as a sort of collage with voices.

How did you approach the project? Did you first find your interview partners or portray the places? How did you hear about the Chester Zoo?

Some of the participants in „Curiosity and Control“ has written books I read many years ago, like Éric Baratay and David Hancocks, if you’re into the history of zoos you’ve probably read them. Many of the places in „Curiosity and Control“ I’ve visited before as I traveled around photographing.

When I got stuck during the editing I tried to go back to my initial feelings of conflict many years ago when coming to a zoo for the first time; everything is planned for me as a visitor, how I should perceive the presentation, but I thought more of what the presentation in itself said about us. The film has a European perspective because what we have to deal with is partly a colonial heritage that has been left for us, institutions nowadays are more self reflective of their role, such as many natural history museums and ethnographical museums, but of course there are blind spots. I read about the extension of Chester Zoo in the paper and both the architect Kieran Stanley and Chester Zoo where very open and interested in new ways of presentations within zoos and the challenge how to engage the visitors.

Unfortunately your film is only an hour long. I could imagine that you had more material. Will there be a longer version of your film?

The topic is big and could be a whole series which my producer have talked about, we’ve now started to write on an additional two hour version.

Do you think the interest in dioramas will have vanished completely at some point?

I think their initial aim may be outdated, but as a document of their time and as a document over how one attempted to represent the natural world-they will last.

Do you think there is ever an ideal zoo? Because the need of humans to connect with animals and nature will probably never go away.

Many of these institutions were built in a time when the European worldview was different and the institutions have (hopefully) adjusted along the way, either because of pressure from the public, political changes or economical demands. Perhaps I’m not the right person to ask as I think the idea of a zoo in itself is not an ideal place to experience nature, it’s a place to look at animals. However hard you try it will always be a compromise between the administration, the demands of the visitors and the needs of the animals. It’s not an easy task for directors and architects to please all these aspects.

Was the DOK Leipzig your first festival? What was it like to experience the reactions of the audience up close?

DOK Leipzig was the first festival that screened „Curiosity and Control“ , we enjoyed it very much and we where happy to have such a big crowd.

What will happen next for you? Are you turning your back on filmmaking or are there other exciting topics you would like to dedicate yourself to?

Apart from working as camera man, we’re writing on an extended version of „Curiosity and Control“.  I’ve also started another film, Chronos, dealing with time, rituals and memory.

Questions asked by Doreen Matthei

Read on the german review of „Curiosity and Control

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