Sechs Fragen an Stéphanie Lansaque und François Leroy

Doreen Kaltenecker
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Interview: Im Gespräch mit den beiden Filmemacher:innen und Animationskünstler Stéphanie Lansaque und François Leroy konnten wir mehr über ihren Kurzfilm „Sisowath Quay“ (OT: „Quai Sisowath“) erfahren, der im ‚Shock Block‘-Programm des 26. Landshuter Kurzfilmfestivals 2026 zu sehen war. Sie erzählen, was ihnen wichtig war von dem Kambodscha zu erzählen, welchen Wert sie auf originäre Stimmen setzen und warum sie sich dieses Mal für eine Horrorgeschichte entschieden haben. 

The original english language interview is also available.

Wie ist die Idee zu eurem Kurzfilm entstanden? Warum habt ihr euch für eine Horrorgeschichte entschieden?

Schon seit langem wollten wir einen Film über Kambodscha drehen, ein Land, das wir gut kennen und dem wir sehr verbunden sind (wir leben seit etwa zwanzig Jahren abwechselnd in Frankreich und Asien). Anfang 2020 befanden wir uns in Phnom Penh, mitten in einem Streik der Müllabfuhr, als Covid-19 ausbrach. Der Müll türmte sich in den Straßen, während die Gesundheitsempfehlungen immer dringlicher wurden. „Quai Sisowath“ entstand in dieser apokalyptischen Atmosphäre. Wir kannten die Legende vom Ahp, einem Monster, das sich von Blut ernährt oder, falls das nicht möglich ist, von Müll. Wir ließen uns von den Ereignissen und dieser Figur aus der kambodschanischen Folklore inspirieren, um einen Horrorfilm zu schreiben, der Umwelt- und Gesundheitsprobleme als Hintergrund hat.

Was war euch wichtig, von dem Land zu vermitteln?

Kambodscha ist ein sehr liebenswertes Land mit einer besonders gastfreundlichen Bevölkerung und einer starken, einzigartigen Kultur. Das Land hat sich in den letzten Jahren erheblich weiterentwickelt, doch leider kommt diese Entwicklung nur einem kleinen Teil der Bevölkerung zugute. Die meisten Menschen leben nach wie vor unter schwierigen Bedingungen… 

Man sieht verfremdete Realaufnahmen und 2D-Animationen, die in 3D animiert sind. Könnt ihr mehr zu eurem Stil erzählen? 

Wir begannen mit der Entwicklung dieses Stils, der Realaufnahmen und Animation miteinander verbindet, bereits bei unserem allerersten Film „Good Bye Mr. Chu“ (2005). Wir suchten nach einer Möglichkeit, ein einzigartiges Universum zwischen Realität und Fiktion zu erschaffen. In unseren ersten beiden Filmen wurde die Animation größtenteils von Hand erstellt. Anschließend entwickelten wir digitale 2D-Animationstechniken, die die Illusion von 3D erzeugen. Unter dem Namen „Bao Plugins“ entwickeln wir Plugins, mit denen Nutzer die Grenzen von After Effects erweitern können.

Habt ihr euren Film in Kambodscha synchronisieren lassen? Wie ist es, einen Film nicht in der eigenen Muttersprache zu realisieren?

Für uns ist es sehr wichtig, unsere Filme in der Sprache des Landes zu drehen, in dem wir drehen. Sprache ist ein wichtiger Bestandteil jeder Kultur. Für jeden Film versuchen wir, einige grundlegende Sätze in der Sprache zu lernen, die wir verwenden werden. Wir synchronisieren nicht, sondern nehmen die Dialoge in der Originalsprache auf und erstellen dann die Animation. Die Stimmen beeinflussen die Animation, und Einheimische helfen uns nicht nur bei der Übersetzung der Dialoge (aus dem Französischen oder Englischen), sondern auch bei der Besetzung und Regie der Schauspieler (meist Laien). Durch ihre Stimmen und Darbietungen beeinflussen die Schauspieler die Animation und verleihen den Figuren des Films eine einzigartige Persönlichkeit.

Könnt ihr mir noch ein bisschen mehr von euch und eurer gemeinsamen Arbeit erzählen?

Wir lernten uns 1998 kennen, als wir Kunststudenten waren (Design und Textildesign). François ging anschließend an die Gobelins, um Animation zu studieren, während Stéphanie als Art Directorin im Print- und Verlagswesen arbeitete. Im Jahr 2002, nach einer Reise nach Vietnam, die unser Leben veränderte, beschlossen wir, gemeinsam an unserem ersten Film „Good Bye Mr. Chu“ zu arbeiten. Es folgten sechs weitere Filme, die in Vietnam, Hongkong und Kambodscha spielen.

Sind bereits neue Projekte geplant?

Wir arbeiten derzeit an unserem achten Kurzfilm mit dem Titel „Free Wheel“. Hier ist die Zusammenfassung: „Auf dem Weg zu seinem Wochenendziel führt Doktor K. seine letzte Telekonsultation der Woche durch. Die Sitzung nimmt eine unerwartete Wendung, als seine Patientin Nico, die unter einer zwanghaften Hörstörung leidet, ihm offenbart, dass sie kein Mensch ist…“ Dies wird unser erster Film sein, der nicht in Asien spielt. Der Film soll Anfang 2027 erscheinen.

Die Fragen stellte Doreen Kaltenecker
Übersetzung von Michael Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Sisowath Quay“


Interview: In our conversation with the two filmmakers and animation artists Stéphanie Lansaque and François Leroy, we learned more about their short film “Sisowath Quay” (original title: “Quai Sisowath”), which was screened in the “Shock Block” program of the 26th Landshut Short Film Festival 2026. They explain what was important to them in telling the story of Cambodia, the value they place on authentic voices, and why they chose a horror story this time. 

How did the idea for your short film come about? Why did you decide to write a horror story?

For a long time, we wanted to make a film about Cambodia, a country we know well and which we are very attached to (we have lived between France and Asia for about twenty years). In early 2020, we were in Phnom Penh, in the midst of a garbage collectors‘ strike, when Covid-19 emerged. Garbage piled up in the streets while health recommendations became more urgent. Quai Sisowath was born in this apocalyptic atmosphere. We knew the legend of the Ahp, a monster that feeds on blood or, failing that, on garbage. We drew inspiration from the events and this figure of Cambodian folklore to write a horror film with environmental and health issues as its backdrop.

What was important for you to convey about the country? 

Cambodia is a very endearing country with a particularly welcoming population and a strong and unique culture. The country has developed considerably in recent years, but unfortunately, this development has only benefited a small portion of the population. Most people still live in difficult conditions… 

We see altered live-action footage and 2D animations rendered in 3D. Can you tell me more about your style?  

We began developing this style, which blends live-action footage and animation, with our very first film, „Good Bye Mr. Chu“ (2005). We were looking for a way to create a unique universe between reality and fiction. In our first two films, the animation was mostly done by hand. We then developed 2D digital animation techniques that create the illusion of 3D. Under the ‚Bao Plugins‚ banner, we develop plugins that allow users to push the boundaries of After Effects.

Did you have your film dubbed in Cambodia? What is it like to make a film that isn’t in your native language?

For us, it’s very important to make our films in the language of the country where we’re filming. Language is an important part of every culture. For each film, we try to learn some basic phrases in the language we’re going to use. We don’t do dubbing, but we record the dialogues in the original language and then we do the animation. The voices influence the animation and local people help us translate the dialogues (from French or English) but also cast and direct the actors (usually non professionals). Through their voices and performances, the actors influence the animation and give a unique personality to the film’s characters.

Can you tell me a little more about yourselves and your collaborative work? 

We met in 1998 while we were art students (design and textile). François then went to Gobelins to study animation, while Stéphanie worked in print and publishing as an art director. In 2002, after a life-changing trip to Vietnam, we decided to work together on our first film, “ Good Bye Mr. Chu.“ Six more films set in Vietnam, Hong Kong, and Cambodia followed.

Are there any new projects in the works?

We are currently working on our eighth short film, entitled „Free wheel,“. Here is the synopsis: „On the road to his weekend destination, Doctor K. gives his last teleconsultation of the week. The session takes an unexpected turn when his patient, Nico, suffering from compulsive hoarding disorder, reveals to him that she is not a human being…“ This will be our first film not set in Asia. The film should be released in the beginning of 2027.

Questions asked by Doreen Kaltenecker

Read on the german review of the short film „Sisowath Quay“

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