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- Sechs Fragen an Frederic Siegel - 12. Mai 2026
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Festivalbericht: Mitte April 2026 fand an sechs Tagen an vielen Spielstätten in Dresden auch Open Air das 38. Internationale Kurzfilmfestival Dresden 2026, kurz Filmfest Dresden, statt. Unter der Leitung von Anna Gaschütz und Sylke Gottlebe konnte man in drei Wettbewerben, im Kinder- und Jugendprogramm sowie in vielen Sonderprogrammen 380 Kurzfilme aus 60 Ländern sehen. Unter diesen wurden 17 Preise im Wert von 72.500 € vergeben.
Internationaler Wettbewerb
Im Internationalen Wettbewerb tummelten sich unter den 34 Kurzfilmen 15 Animationsfilme in den unterschiedlichsten Stilen. Den Goldenen Reiter Animationsfilm erhielt der kanadische „Paradaïz“, der eine Geschichte von der Rückkehr der Filmemacherin in die Heimat Sarajevo erzählt. Der Schweizer „Qui Part À La Chasse“ erhielt den Goldenen Reiter der Jugendjury und beschäftigt sich in Stop-Motion-Bildern mit sexueller Belästigung, was man als Zuschauer:in, bis es passiert, aber nicht ahnt. Der Kurzfilm „Glasshouse“ beschäftigt sich auch mit weiblicher Selbstbehauptung, wählt dafür einen Retrostil und dann im Laufe eine etwas rätselhafte Erzählung. Auf amüsantere Weise setzt sich die spanische
Regisseurin Julia Mellen in „Abortion Party“ mit dem freien Umgang mit dem eigenen Körper auseinander, indem sie in störrischen mit dem Programm Sketchup erzeugten 3D-Bildern von ihrer damaligen Abtreibung erzählt, und damit den „voll politisch“ – Kurzfilmpreis für demokratische Kultur gewinnen konnte. Auch in „S the Wolf“ von Sameh Alaa, der den Goldenen Reiter des Publikums gewann, überwiegt Humor. Der Regisseur erzählt darin vom Haare-Besitzen und -Verlieren und beschäftigt sich so auf leichtfüßige Art und Weise mit Männlichkeitsbildern. Der südkoreanische Film „Boundaries“ (ausgezeichnet mit dem Dresdner Kurzfilmpreis des Verbandes der deutschen Filmkritik) verwendet ebenfalls 2D-Zeichnungen, um seine Geschichte zu erzählen. Das Zurückstellen einer Lehne im Bus löst eine Kette von Gebietsverschiebungen und Anspruchsdenken aus und so schafft es der Film, in eine gesellschaftliche Misere zu blicken. Das Deprimierende und auch manchmal Grausame an menschlichen Beziehungen fängt Marta Reis Andrade in ihrem Film „Dog Alone“ ein. Auch Umweltthemen wurden auf vielfältige Weise angesprochen: In dem überdrehten „Tuna Tartare“ geht es um eine Welt ohne Menschen, in der Dinge und Müll die Herrschaft übernommen haben. In „Acid City“, ausgezeichnet mit dem ARTE Kurzfilmpreis, werden reale Stimmen aus New York mit einer fiktiven Dystopie-Stadt zusammengebracht. Auch der leicht surreale „Trees and other Birds“ beschäftigt sich mit dem menschlichen, ambivalenten Verhältnis zur Natur.
Als Bester Spielfilm – Goldener Reiter Kurzfilm – wurde der philippinische „Water Sports“, der bereits auch auf dem 41. Interfilm Berlin 2025 ausgezeichnet wurde, prämiert. Der Goldene Reiter für Filmton ging an den kubanischen Kurzfilm „primera Enseñanza“, der von einem Chror-Mädchen erzählt, das nicht mehr sprechen und singen darf. Der LUCA Filmpreis für Geschlechtergerechtigkeit ging an den spanischen „El Regalo“ von Lara Izagirre Garizurieta, der das Publikum aufgrund der unbegründeten Diskriminerung fassungslos zurücklässt. Eine gewisse Melancholie zog sich durch die Spielfilm-Auswahl des internationalen Wettbewerbs. Der chinesische Kurzfilm „No One Knows I Disappeared“ erzählt von Menschen, für die sich keiner mehr interessiert, und „Sand Dog“ von einem Mann, der in einem schwierigen Moment auf den Nachbarsjungen aufpassen soll. Auch in den Coming-of-Age-Geschichten „Ruse“ und „The Red Kiss“, die vom Erblühen junger Liebe erzählen, schwingt etwas Schwermütiges mit. Die Frustration, die mit dem Alter und dem gelebten Leben daher kommt, fängt „How Brief“ von Kelly McCormack wunderbar ein. Ein kunstvoller Film, der mit dem Spiel von Inszenierten und Dokumentarischen arbeitet, war der marokkanische „L’Mina“, der Einsichten in die Arbeit in einer offiziell eingestellten Kohlemine gibt.
Nationaler Wettbewerb
Im Nationalen Wettbewerb gab es in vier Veranstaltungen 24 Kurzfilme zu sehen, von denen sechs Filme ausgezeichnet wurden. Den mit 20.000 € dotierten Sächsischen Filmpreis gewann der Animationsfilm „Gaïa“ von Gwenola Heck. Zwei weitere Animationsfilme wurden ebenfalls ausgezeichnet: Zum einen erhielt das Plädoyer gegen Überarbeitung – „Procrastination Yoga“ – den Goldenen Reiter für den Besten Animationsfilm im Nationalen Wettbewerb und „City in the Fox“ von Mikael Lindskov Jacobsen gewann den DEFA-Förderpreis Animation. Der Animationsfilm war im Nationalen Wettbewerb sehr stark vertreten u.a. mit dem neuesten Film von Robert Löbel und Max Mörtl: In „Time“ erzählen sie in gelungenen Animationen davon, wie die Zeit verfliegt, obwohl es so viel zu tun gibt. Der bereits beim 26. Landshuter Kurzfilmfestival 2026 ausgezeichnete „Sensual“ findet in schön gezeichneten Bildern tierische Metaphern für körperliche Zuneigung.
Das queere, überdrehte Roadmovie „Bleifrei 95“ gewann den Goldener Reiter Kurzfilm und der inklusive Kurzfilm „Bad Luck“ wurde von der Jugendjury mit einem Goldenen Reiter bedacht. Die Herzen des Publikums eroberte der Spielfilm „Bob und der Wolf“ von Georg Kästle und Valentin Bolte, der seine Figuren in surreale Kostüme steckte und von einer Liebe und vielen Hürden erzählt. Auch gab es in diesem Jahr dokumentarische Stoffe im Nationalen Wettbewerb zu entdecken, u.a. „Slet 1988“ von Marta Popivoda, die von den Ereignissen in Belgrad kurz vor dem Zerfall des ehemaligen Staates Jugoslawien erzählt. Besonders aufwühlend war der autobiographische Film „Ich hätte lieber einen anderen Film gemacht“ von Suse Itzel, in der sie von ihrem eigenen Missbrauchserfahrungen und dem einhergehenden Traumata erzählt.
Eng verwandt mit dem Nationalen Wettbewerb, ist der Mitteldeutsche Wettbewerb, der Filme aus Mitteldeutschland in einer separaten Veranstaltung zeigt. Alina Cyraneks Kurzfilm „Unbemerkt verstorben“, der den Hauptpreis – Goldener Reiter im Mitteldeutschen Wettbewerb – gewann, zeigt, wie die Wohnung eines Verstorbenen ohne Angehörige ausgeräumt wird. Auch der Publikumsgewinner – „Cold Call“ von Stefanie Schroeder – ist eine dokumentarische Arbeit und ist eine Selbstreflexion aus Corona-Zeiten kombiniert mit einer Betrachtung der Scam-Industrie von Betrugsanrufen.
Kinder– & Jugendprogramm
Das Kinder- und Jugendprogramm bietet in jedem Jahr ein spannendes Programm aus Kurzfilmen für fünf verschiedene Altersgruppen. In diesem Jahr wurden zum ersten Mal die Goldenen Ponys – ein Ausmalbild als Trophäe – an fünf Filme vergeben. Auch in diesem Film war der Animationsfilm mit den tierischen Helden bei den Kleinen besonders häufig vertreten und sehr beliebt. Die beiden 3D-Filme „First Flight“ von Adrián Jaffé und „Cyclus“ der beiden Animationskünstler:innen Monika Luisa Schmitt und Maximilian Käppler eroberten mit ihren entzückenden Geschichten über das erste Fliegen und den Wert von Gemeinschaft die Herzen der Kinder. Der gezeichnete „Skin Colour“ von Gilad Pfeffer und Liya Daniel Elbashan bringt den Kindern bei, über den eigenen Tellerrand zu sehen und bestehende Muster und Angewohnheiten zu hinterfragen. Besonders entzückend war auch die neueste Kinderbuchverfilmung „Vor meiner Tür auf einer Matte“ von Antje Heyn. Hier adaptiert sie originalgetreu ein Buch von Nadia Budde. Der Stop-Motion-Film „Le Petit et le Géant“ ist detailliert und liebevoll gestaltet und erzählt von einer dystopischen Welt, in der es so gut wie keine Pflanzen mehr gibt. Für großen Spaß sorgte der niederländische „Cell Buddies“ vom Studio Brute Beesten und „Poong“ von Laurent Hiroyuki Rohrbasser, Robin Szymczak und Vinh Nguyen, in dem ein Tischtennisball große Abenteuer erlebt. Auch klassische Spielfilme wie „Im Kreis“ von Zoe Schmidt und auch Dokumentarfilme („Dubbel Vakantie“) waren im Kinderprogramm vertreten.
Auch das Jugendprogramm achtet auf eine ausgewählte Mischung aus verschiedenen Erzählformen. Eins haben die Kurzfilme aber gemein: Sie sind alle sehr ernsthaft und behandeln oft große Themen. So befanden sich im Programm Filme über Trauer („Drachenfangen“), Rassismus („Somewhere to Be“), einer Wehrpflicht und einem möglicher Kriegseinsatz („Educación Física Obligatoria“) und über unkontrollierbare Wut und der Sehnsucht nach einer familiären Sicherheit („Furia“). Der drei Animationsfilme des Programms stachen besonders hervor: In „isoliert“ erzählt die Animationskünstlerin Katja Angelina Friedrich vom Grünen Streifen der ehemaligen innerdeutschen Grenze. „Wacky Horses!“ der Schweizer Filmemacherinnen Touka Fatemi, Anna Müller, Ysabel Steiner, Marija Simović und Iara de Jong Gonçalves erzählt von der Begegnung mit dem eigenen Kind und findet dafür fantasiereiche Zeichnungen. Der französische Kurzfilm „Sulaimani“ von Vinnie Ann Bose erzählt in Stop-Motion wie mit 2D-Zeichnungen von zwei Frauen und wie diese von Indien nach Paris kamen und wie sie nun von der Ferne aus zu ihrer Heimat stehen.
Schwerpunkt ‚Work in Progress‘ und Sonderprogramme
In diesem Jahr war das Motto des Festivals ‚Work in Progress‘, was auch wunderbar im schwungvollen Trailer des Filmfests von Popo Fan dargestellt wurde. Im Besonderen setzte sich der Schwerpunkt mit dem Thema Arbeit auseinander und der Kurator Sven Pötting stellte vier Programme in verschiedenen Kooperationen zusammen. Besonders stark war das Programm ‚Schwerpunkt 1: … What a Way to Make a Living!‘ welches von der Kuratorin und Archivarin Rachel Pronger zusammengetragen wurde und einen speziellen Blick auf Frauenarbeit mit Filmen wie „Fannie’s Film“ (1981), „And What Does Your Mother Do?“ (1980) und „Every Sunday“ (2021) setzte. Aber auch in der anderen Schwerpunkten fanden sich starke Beiträge u.a. die Collage-Arbeit („Overwork“), der packende Genre-Film „Aasvoëls“ und die Dokumentation „Their Eyes“ von Nicolas Gourault.
Der Europa-Schwerpunkt widmete sich in diesem Jahr Lettland. Dort waren dokumentarische, fiktive sowie animierte Kurzfilme zu sehen. Besonders stark waren „81 Metrs“, der sich mit dem Kinosterben beschäftigt, der nach einem Gedicht entworfene Animationsfilm „Tīrība“ und der Abgesang auf die Büroarbeit: „Kur Saulīte Nakti Guļ?“. In diesem Programm steckt viel Humor, wie auch in der Sonderreihe ‚Europa ist kein Witz – oder doch?‘, in der Filme aus verschiedenen Genres ihren eigenwilligen und oft bissigen bis hin zu melancholischen Humor präsentieren. Von dem großartigen Stop-Motion-Musical „Something to Remember“ von Niki Lindroth von Bahr über den griechischen Beitrag „Postcards from the End of the World“, der uns einen anderen Blick aufs Ende der Welt liefert, bis hin zu „Play Schengen“, das zeigt, wie ein gut gemeintes Computerspiel beim Bürokratie-Abbau helfen soll. Bei „Magnus är sexist“ von Emil Brulin und Hampus Hallberg bleibt einem das Lachen im Halse stecken.
Der Animationskurzfilmblock bot in diesem Jahr 90 Jahre afrikanische Animationen von einem Frühwerk von 1940 bis hin zu modernen Erzählungen wie „Black Barbie“ und gar Kooperationen mit Disney. Auch das ‚Panorama International‘-Programm bot zwei Animationsfilme, die im Gedächtnis bleiben. Der sri-lankische „Ananasi“ erklärt uns, dass man eine Ananas nur mit Tanz schneiden kann und „There is a Wolf“ von Saerom Seo ist ein Musikvideo-Wimmelbild mit vielen Katzen. Auch die Mitternachtsreihe hatte ein reines Animationsfilmprogramm im Angebot. Die beiden Filmemacher:innen Mackenzie Fincham und Petra Stipetić stellten eine Reihe Kurzfilme zusammen, die sich mit unterschiedlichen Boss-Typen beschäftigten sei es nun eine Krankheit, die einen in Beschlag nimmt in „Under the Rib Cage“, die anderen Menschen („Enough“) die eigentliche Männlichkeit, die ausbrechen möchte („Manoman“) und der Teufel selbst („Skin Flick“).
In diesem Jahr feierte der Fokus Quebec sein 20-jähriges Jubiläum mit einem von dem Quebecer Filmemacher Harley Chamandy zusammengestellten Programm u.a. mit einem eigenen Werk – „The Final Act of Joey Jumbler“ – sowie dem temporeichen „Jazz Fernal“, dem schrägen aber herzensguten „Chef de Meute“, der Wrestling-Doku „La Lutte“ aus dem Jahr 1961 und dem amerikanischen Roadmovie „Juste moi et toi“, in dem man die Perspektive des Kindes nie verlässt und so von der eigentlichen Geschichte genauso überrascht wird. Der von Sven Pötting kuratierte Experimente-Block zeigte in diesem Jahr ein beinah narratives Programm mit einer Bandbreite an Themen, so beschäftigt sich „Pidkwe“ mit der traditionellen Kleidung der indigenen Bevölkerung Kanadas und damit auch mit dem Thema der Kolonisierung. Ein filmischer Essay über das Tortenwerfen ist der Film „Everyone Deserves a Slice of the Pie“ und „Di Notte“ ist ein Musikvideo, das eine schaurig-schöne Stimmung verbreitet. Die böse Parabel auf die Fußballindustrie – „Winner“ rundet das Programm ab. Auch das Open Air fand in diesem Jahr direkt wieder vor der Hofkirche statt und lud mit seinem kostenfreien Programm mit wunderbaren Filmen wie „Porque hoje é Sábado“ die Leute zum Verweilen an. Außerdem konnte man Lose kaufen und überraschend coole Preise gewinnen. Das gute Wetter und auch die bei Sonnenlicht gut erkennbare Leinwand (LED-Monitor) haben dazu beigetragen.
Bereits auf anderen Festivals gesehen & Empfehlungen fürs FilmfestInternationaler Wettbewerb
- „God is shy“ von Jocelyn Charles
Nationaler Wettbewerb
- „Mit einem freundlichen Gruß“ von Pavel Mozhar
- „Fructus Fliegus“ von Emilia Zieser
- „Floating“ von Jelena Milunović
- „Gaïa“ von Gwenola Heck
- „Rückblickend betrachtet“ von Mila Zhluktenko und Daniel Asadi Faezi
- „Ploo“ von Jon Frickey
Kinder und Jugendprogramm
- „Cell Buddies“ von Studio Brute Beesten
- „Im Kreis“ von Zoe Schmidt
Schwerpunkt
- „Their Eyes“ von Nicolas Gourault
Panorama
Europa
Cinema Digestif
- „Under the Rib Cage“ von Bruno Tondeur
- „Hideous“ von Oliver Sim
Open Air
- „Stone of Destiny“ von Julie Cerna
- „Zwermen“ von Janneke Swinkels und Tim Frijsinger
- „Citizen-Inmate“ von Hesam Eslami
Kurzfilmbingo
Trailer des 38. Filmfest Dresden 2026:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
-
- Website des Filmfest Dresden
- Wikipedia-Artikel über das Filmfest Dresden
- Filmfest Dresden, ‚Preisträgerfilme‘, filmfest-dresden.de, 2026








