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Kurzfilm / Frankreich / Dokumentation / 2025
Filmkritik: Der französische Künstler und Filmemacher Nicolas Gourault portraitiert in seinem Dokumentar-Kurzfilm „Their Eyes“ die Arbeit von Clickworkern und macht diese für das Publikum verständlich und erlebbar. Der Film lief in der ‚Berlinale Shorts‘-Sektion auf der 75. Berlinale 2025.
Klickgeräusche und ein sich schlängelnder gezeichneter Pfad, zunächst ist kaum zu erkennen, worum es hier geht. Die Zuschauenden hören im Voiceover wie Arbeiter:innen über ihre Arbeit sprechen. Gezeigt wird vor allem die Benutzeroberfläche, mit der sie tagtäglich interagieren, anstatt die Personen selbst. Langsam wird deutlich: Wir sehen Clickworkern bei der Arbeit zu. Wir sehen, wie sie zu den Augen der sogenannten selbstfahrenden Autos werden. Sie segmentieren – also unterteilen – und kategorisieren die Aufnahmen, die sie von der Software vorgelegt bekommen: Kabel, Straßenlaternen, Bäume, Menschen. Es geht um Auslegungsfragen (wann ist ein Mensch ein Mensch), sowie um Arbeitsbedingungen und ihre Bezahlung und darum, dass die Straßen, die sie segmentieren, so anders aussehen als diejenigen, auf denen die Arbeiter:innen selbst unterwegs sind.
Schließlich fliegt die Kamera durch einen ganzen (vom Filmemacher Gourault selbst nachsegmentierten) Häuserblock – ein vollständiges kleines unterteiltes und kategorisiertes Modell der echten Welt – zumindest der Teil davon in dem Tech-Firmen und Autokonzerne gerne ihre Autos fahren lassen wollen. Zuletzt nimmt uns der Film noch mit in die Welt der Arbeiter:innen abseits der Benutzeroberflächen und Bildschirme. Sie zeigen selbst, wie ihre eigene Umgebung aussieht und was daran schwierig zu segmentieren wäre.
Durch seine Struktur schafft es der Film, uns die Arbeit und die einzelnen Arbeitsschritte näherzubringen und für die Zuschauenden verständlich zu machen. So versteht man, was in ihr steckt und erkennt auch die Entfremdung, die mit dieser Arbeit verbunden ist. Gleichzeitig macht der Film diese unsichtbare menschliche Arbeit, die sich hinter Künstlicher Intelligenz versteckt und für Nutzende gar nicht sichtbar sein soll, sichtbar.

Nicolas Gourault bei der 75. Berlinale
Die große Leistung des Films ist es, ein Thema wie menschliche Segmentierung für besseres maschinelles Sehen, verstehbar und erlebbar zu machen und so insbesondere die Entfremdung der Arbeiter:innen darzustellen. Das passiert ohne Klischees und ohne eine nur symbolische Darstellung ihrer Arbeitsbedingungen, sondern indem wir in ihre Welt eintauchen und der Film sich auch nicht vor der Komplexität der Arbeit in der Darstellung scheut. Trotzdem schafft es Nicolas Gourault durch seine Herangehensweise, die Arbeit verständlich einzufangen, einen Einblick in diese Arbeitswelt mit allen strukturellen Problemen zu geben und schuf so einen dokumentierenden wie auch zum Nachdenken anregenden Kurzfilm.
Trailer zum Kurzfilm „Their Eyes“:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- 75. Internationale Filmfestspiele Berlin 2025 – Katalog (Programm ‚Berlinale Shorts‘)
- Michael Kaltenecker, ‚Acht Fragen an Nicolas Gourault‘, testkammer.com, 2025