- Fünf Fragen an Sasha Svirsky - 30. Mai 2026
- „Unidentifizierte Unflugobjekte (UUO)“ (2026) - 30. Mai 2026
- „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“ (2025) - 13. März 2026
Interview: Im Gespräch mit dem Filmemacher und Animationskünstler Sasha Svirsky konnten wir mehr über seinen neuesten Kurzfilm „Unidentifizierte Unflugobjekte (UUO)“ erfahren, der seine Weltpremiere im ‚Berlinale Shorts‘-Programm der 76. Berlinale 2026 feierte, wie die deutsche Bürokratie ihn dazu inspiriert hat, wie die Bilder dazu entstanden und wie er zum ersten Mal mit einer Sounddesignerin zusammen gearbeitet hat.
The original english language interview is also available.
Was war der Ausgangspunkt des Films? Ich habe gelesen, dass er inspiriert ist von deinem Leben in Deutschland und Berlin seit 2022.
Ja, meine Partnerin Nadya Svirskaia und ich haben Russland 2022 nach dessen militärischer Aggression gegen die Ukraine verlassen. Die Proteste wurden dort unterdrückt, und es war offensichtlich, dass die Zensur und die Kontrolle der Kultur nur noch zunehmen würden. Dank der Unterstützung von Freunden aus dem Studium konnten wir in Berlin, einer sehr aufgeschlossenen und vielfältigen Stadt mit einer großartigen Künstler*innenszene, bleiben. Doch dann stießen wir auf Bürokratie. In unserem eigenen Land war sie Teil unseres Alltags geworden, sodass wir sie gar nicht mehr wahrnahmen. Hier wurde sie plötzlich sichtbar. Wir fühlten uns also wie Astronauten oder Außerirdische, die auf einem anderen Planeten gelandet waren und erst einmal verstehen müssen, was dort vor sich ging und was wir hier taten.
Du findest zielsicher kreative und gleichzeitig poetisch-witzige Wortkombinationen, die du auch selbst einsprichst. Dabei ist „Unidentifizierte Unflugobjekte (UUO)“ dein erster deutschsprachiger Film. Wie bist du vorgegangen bei der Entwicklung des Texts?
Ich halte meinen Arbeitsablauf gerne so flexibel wie möglich und verbinde das Schreiben mit der Erstellung kurzer Animationen und Zeichnungen. Der letzte Film bildete in dieser Hinsicht keine Ausnahme. Es war ein langwieriger Prozess, zumal ich einen Großteil des Textes, den ich geschrieben hatte, wieder verworfen habe. Doch sobald ich den richtigen Weg gefunden hatte, ging plötzlich alles ganz leicht. Obwohl die ursprüngliche Fassung des Textes auf Englisch verfasst war, beschlossen wir (zusammen mit Nadya Svirskaia), ihn ins Deutsche zu übersetzen, da mir der Klang des englischen Textes nicht gefiel. Ich wandte mich an unseren Freund Gerhard Funk und wir verbrachten mehrere Stunden damit, jeden einzelnen Satz zu besprechen. Ich erklärte ihm, was ich jeweils wollte, und er erklärte mir, welche Möglichkeiten ich hatte. So entstand die deutsche Fassung des Textes.
Im Film werden morphende Bleistiftzeichnungen kombiniert mit Foto-Collagen und 3D-Animationen. Was war dir wichtig bei dieser Kombination? Welche Stimmungen wolltest du damit erzeugen?
Ich experimentiere lieber mit verschiedenen Techniken, anstatt mir konkrete Ziele zu setzen und dann nach den effizientesten Wegen zu suchen, diese zu erreichen. Ich ziehe es vor, zu Beginn des Prozesses noch nicht zu wissen, was ich eigentlich will, damit es zu einer Reise wird, auf der ich mich durch Ausprobieren voran taste. Normalerweise möchte ich keine bestimmte Stimmung erzeugen oder eine Reaktion vorgeben. Ich möchte, dass die Interaktion der Zuschauer mit dem Film so spontan ist wie der Entstehungsprozess selbst.
Die Musik ist ein integraler Bestandteil des Kurzfilms und zieht einen in die Welt des Films. Was waren dir und deinem Komponist Alexey Zelensky wichtig?
Wir hatten bereits bei mehreren Projekten mit Alexey Zelensky zusammengearbeitet („Tanzonk“ (2016, „About a Woman Who Wanted to Fly Away“ (2019)). Damals produzierte er Musik und Ton sehr schnell, sodass wir fast keine Überarbeitungen vornehmen mussten. Doch seitdem gab es Lockdowns (er lebt in Budapest), sodass wir uns seit Jahren nicht mehr gesehen hatten. Für dieses Projekt haben wir zum ersten Mal auch eine Sounddesignerin eingeladen, Larissa Kischk, die in Berlin lebt. Sie ist Deutsche, es war wichtig, dass sie mit deutschen Sprachaufnahmen arbeiten konnte. Doch der erste Entwurf für Musik und Sound war so weit von dem entfernt, was alle erwartet hatten, dass wir viel reden und diskutieren mussten, um sicherzustellen, dass wir uns verstanden. Das war besonders schwierig, da alle Besprechungen online stattfanden. Aber glücklicherweise kamen wir nach sechs Monaten langsam zu einer Version, mit der wir alle zufrieden waren. Einige Ideen aus Alex’ erstem Entwurf schafften es in die endgültige Fassung. Und viele Ideen kamen auch von Larissa; zum Beispiel schuf sie einen Chorpart mit Lippen. Das ist ihre Stimme, die dort singt. Bei unserer Premiere auf der 76. Berlinale 2026 konnten wir uns zum ersten Mal alle persönlich treffen. Das war ein glücklicher Moment.
Arbeitest du bereits an einem neuen Projekt?
Ja, ich arbeite immer an irgendetwas. Aber der Prozess befindet sich noch in einem Stadium, in dem es nichts zu berichten gibt.
Die Fragen stellte Michael Kaltenecker
Übersetzung von Michael Kaltenecker
Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Unidentifizierte Unflugobjekte (UUO)“
Interview: In our conversation with filmmaker and animator Sasha Svirsky, we learned more about his latest short film, “Unidentified Unflying Objects (UUO)”, which celebrated its world premiere in the “Berlinale Shorts” program at the 76th Berlinale 2026, how German bureaucracy inspired him, how the visuals came about, and how he collaborated with a sound designer for the first time.
What was the starting point for the film? I read that it was inspired by your life in Germany and Berlin since 2022.
Yes, my partner, Nadya Svirskaia, and I left Russia in 2022 after its military aggression towards Ukraine. The protests were persecuted there, and it was obvious that the censorship and control of culture would only grow. Thanks to the support of friends in college, we could stay in Berlin, a very open-minded and diverse city, with a great artists‘ community. But then we faced bureaucracy. It had become a part of our everyday experience in our own country, so that we didn’t notice it anymore. Here it suddenly became visible. So, we felt like astronauts or aliens who landed on another planet and had to understand what was happening there and what we were doing here.
You have a way of finding creative yet poetic and witty word combinations, which you also voice yourself. At the same time, „Unidentified Unflying Objects (UUO)“ is your first German-language film. How did you go about developing the script?
I prefer to keep my workflow as flexible as possible, combining writing with making short pieces of animation and drawings. The last film was no exception in this regard. It was a long process and, given that I scraped most of the text I had written. But once the way had been found, everything suddenly became easy. Though the initial version of the text was written in English, we (with Nadya Svirskaia) decided to translate it into German because I didn’t like how it sounded in English. I reached out to our friend Gerhard Funk, and we spent several hours discussing every sentence. I explained to him what I wanted in every case, and he explained to me what options I had. So, the German version of the text was born.
The film combines morphing pencil drawings with photo collages and 3D animations. What was important to you in this combination? What moods did you want to create with it?
I love to play with different techniques rather than set particular goals and then search for the most efficient ways of meeting them. I prefer not to know what I actually want at the beginning of the process, turning it into a journey and making my way through by trial and error. I don’t usually want to create any particular mood or program any reaction. I want viewers‘ interactions with the film to be as spontaneous as the process of its creation.
The music is an integral part of the short film and draws you into the film’s world. What was important to you and your composer Alexey Zelensky?
With Alexey Zelensky, we had already worked together on a few projects („Tanzonk“ (2016), „About a Woman Who Wanted to Fly Away“ (2019)). Back then, he made music and sound very fast, with almost no corrections from our side. But since then, there had been lockdowns (he lives in Budapest), so we hadn’t met for years. On this project, for the first time, we also invited a sound designer, Larissa Kischk, who lives in Berlin. She is German, it was important that she was able to work with German voice-over. But the first draft of music and sound was so far from what everyone expected, so we had to talk and discuss a lot to make sure we understood each other. It was especially difficult because all discussions were online. But happily, after half a year, we slowly arrived at a version we were all satisfied with. Some ideas from Alex’s first draft made it into the final version. And also many ideas belong to Larissa, for example, she made a choir part with lips, it’s her voice singing. For the first time, we were all able to meet only at our premiere at 76. Berlinale 2026. It was a happy moment.
Are you already working on a new project?
Yes, I always work on something. But the process is still at a stage when there is nothing to write about.
Questions asked by Michael Kaltenecker
Read on the german review of the short film „Unidentified Unflying Objects (UUO)„


