„Unidentifizierte Unflugobjekte (UUO)“ (2026)

Michael Kaltenecker
Letzte Artikel von Michael Kaltenecker (Alle anzeigen)

Filmkritik: Eine Stimme berichtet kenntnisreich und voller Ernst von ihrer Arbeit in der Behörde für Unidentifizierte Unflugobjekte – vor allem davon, was Objekte alles nicht sein dürfen. Die Beispiele sind dabei oft abstrus, die Beschreibungen der Regeln und Verwaltung der Objekte klar und zugleich umständlich. Der Zweck der Behörde bleibt unklar.

Wir hören die Stimme von Sasha Svirsky, der 2022 nach der russischen Invasion der Ukraine Russland zusammen mit seiner Partnerin Nadja Swirskaja (Produzentin bei „UUO“) verlassen hat und mit Unterstützung von Freund:innen nach Berlin ziehen konnte. „Unidentifizierte Unflugobjekte (UUO)“ ist sein Animationsfilm, der von seinen Erlebnissen mit deutscher Bürokratie berichtet, die er noch einmal anders und deutlicher wahrgenommen hat, als die ebenfalls allgegenwärtige, aber für ihn selbstverständlich gewordene Bürokratie seines Geburtslandes. Dabei erzeugt der Film durch die Sprache eine Simulation der Bürokratie, an der sich die Gehirne der Zusehenden abarbeiten und trotzdem nur scheitern können.

Standbild aus dem Kurzfilm „Unidentifizierte Unflugobjekte (UUO)“

Dieses Thema des Films wird nicht direkt angesprochen und ist auch nicht offensichtlich. Es ergibt sich aber aus Wörtern wie Behörde oder Verwaltung und insgesamt den komplizierten und umständlichen Formulierungen. Es ist Svirskys erster Film, der nicht russischsprachig ist und komplett auf Deutsch eingesprochen wurde. Das Sprachregister ist so in seinem Ernst und seiner Nüchternheit durchaus deutlich als deutsche Behördensprache erkennbar. Die Erklärung ist präzise in ihrer Unverständlichkeit. Dabei entsteht das Gefühl, dass man eine so klar formulierte Erklärung doch verstehen muss. Immer wieder gibt es Sätze an die man sich klammern kann, zum Beispiel wenn die Stimme uns sagt, dass Unidentifizierte Unflugobjekte keine Igel sind. Doch die Regeln bleiben diffus, der Zweck ist nicht erkennbar.

Standbild aus dem Kurzfilm „Unidentifizierte Unflugobjekte (UUO)“

Wir sehen zum gesprochenen Wort mal abstrakte Formen, mal kindlich wirkende Bleistiftzeichnungen, mal Ausschnitte von Fotos, die alle zu Sprache und Musik animiert sind. Kästchen, Markierungen mit Farbe, Pfeile und Text tauchen immer wieder auf. Das Thema der Kategorisierung wird so immer wieder aufgegriffen, wobei diese gezeigten Eingrenzungen immer fließend und nicht richtig zu greifen sind. So findet der Text seine visuelle Entsprechung. Musik und Ton sind dagegen schwungvoll und beizeiten albern. Sie bilden so einen Kontrast zur Nüchternheit des gesprochenen Wortes und verstärken die Absurdität der vorgetragenen Beschreibung.

Beim Ansehen entsteht so ein Gefühl der Ahnungslosigkeit, während man gleichzeitig denkt, dass man die Dinge doch eigentlich verstehen müsste, schließlich werden sie doch ganz nüchtern erklärt. Eigentlich müsste doch ein klarer roter Faden erkennbar sein. Jedes einzelne Wort ist bekannt. Die Wörter sind oberflächlich betrachtet auch sinnvoll miteinander verknüpft.

Somit setzt der Animationsfilm „Unidentifizierte Unflugobjekte (UUO)“ von Sasha Svirsky abstruse Undurchdringlichkeit in der Auseinandersetzung mit Bürokratie erfolgreich um, welche in Deutschland oft nicht so sehr an Menschen und ihren unzureichenden Erklärungen oder ihrer Willkür liegt, sondern eher daran, dass die Regeln selbst undurchdringlich und unerklärbar sind.

Trailer zum Kurzfilm „Unidentifizierte Unflugobjekte (UUO)“:

geschrieben von Michael Kaltenecker

Quellen:

Kommentar verfassen