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Filmkritik: „TAXI MOTO“ ist ein Sommerfilm über eine Sommerliebe. Die Hitze ist allgegenwärtig, Anziehung und Verlangen ebenso. Die Dialoge des Films scheinen etwas anderes zu erzählen: Der Dreh im Heimatland Ruanda des Regisseurs Gaël Kamilindi wurde abgesagt. Zwei verliebte Männer dürfen nicht gezeigt werden. Jetzt sucht er in Frankreich nach einer alternativen Herangehensweise.
Das erste Gespräch mit dem geplanten Darsteller (Erwan Kepoa Falé) wirkt wie ein erstes Date. Nahaufnahmen zeigen Blicke und kleine Gesten. Der Regisseur will die Hauptrolle spielen. Die beiden sollen im Film ein Paar sein. Oder erleben wir hier, wie sie bei ihren Gesprächen zum Paar werden? Gleichzeitig erlaubt diese Herangehensweise immer wieder den Wechsel auf die Metaebene. Darsteller und Regisseur können über die Einstellungen und Geschichte der Charaktere des Films sprechen. Dazu sehen wir immer wieder Aufnahmen aus dem Heimatland und der Regisseur erinnert sich daran und berichtet im Voiceover von der eigentlich geplanten Herangehensweise.
Dabei geht es auch um die Kraft der Darstellung von Homosexualität im afrikanischen Film und welchen Einfluss das auf Darsteller wie Erwan Kepoa Falé hatte. Im Kurzfilm, der im ‘Berlinale Shorts’-Programm der 76. Berlinale lief, werden zur Bebilderung sogar mehrere Ausschnitte des Films „Dakan“ (Regisseur Mohamed Camara, 1997) gezeigt. Der Schauspieler will den Regisseur davon überzeugen, dass es sich lohnt, mehr Risiken einzugehen.
Das alles ist jedoch nicht dokumentarisch inszeniert, auch wenn alle Elemente dafür vorhanden sind. Eher schon bewegen wir uns immer im Gespräch aus dem warmen Café über einem abgesperrten Zaun in einem Park, der als Urwald inszeniert wird. Die Szenen fließen ineinander, wie im Traum. Regisseur und Darsteller sind plötzlich unter einem Mückennetz, es ist spät nachts, trotzdem unterhalten sie sich angeregt und sehen sich gegenseitig tief in die Augen. Der Film hat uns in seine Welt gezogen und ganz plötzlich an einen anderen und doch sehr spezifischen Ort transportiert. Metaebene und die Geschichte des geplanten Filmprojekts verschwimmen miteinander.
Gerade so schafft es der Film, durch Metaebene und Inszenierung viel zu transportieren. Es wäre eine Herausforderung die komplexe Perspektive auf das Heimatland, in dem der Regisseur aber nicht aufgewachsen ist und seine Einstellungen dazu und Erinnerungen daran in einem Kurzfilm ohne diese Metaebene zu vermitteln. Gleichzeitig funktioniert der Film durch seine Inszenierung als Sommerfilm über erste Dates mit anregenden, tiefen Gesprächen und aufgeregter Anziehung. Durch diese erfolgreiche Verbindung von zwei Elementen, bei denen gar nicht so offensichtlich erscheint, dass beides zusammenpasst, hat der Film seine Auszeichnung mit dem Teddy Award bei der 76. Berlinale mehr als verdient.
Trailer zum Kurzfilm „TAXI MOTO“:
geschrieben von Michael Kaltenecker
Quellen:
- Michael Kaltenecker, ‚Sechs Fragen an Gaël Kamilindi‘, testkammer.com, 2026
- Eintrag des Kurzfilms „TAXI MOTO“ bei der Berlinale
- Eintrag des Kurzfilms „TAXI MOTO“ beim Filmverleih Adok Films
- Wikipedia-Artikel über den Kurzfilms „TAXI MOTO“
- Eintrag des Kurzfilms „TAXI MOTO“ beim Distributor Swiss Films
- Paul Seidel, „Short about Shorts #2: Taxi Moto“, riecks-filmkritiken.de, 2026
- Liam Heitmann-Ryce-Lemercier, ‚Interview with Gaël Kamilindi, „TAXI MOTO“‘, youtube.com, 2026
- Berlinale Shorts, ‚„TAXI MOTO“ / Interviews, press etc.‘, berlinale.de, 2026

