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Interview: Im Gespräch mit dem ruandisch-französischer Regisseur Gaël Kamilindi konnten wir mehr über seinen Kurzfilm „Taxi Moto“ erfahren, der auf der 76. Berlinale 2026 im Rahmen des ‚Berlinale Shorts‘-Programms seine Weltpremiere feierte und mit dem ‚Teddy Award Bester Kurzfilm‘ ausgezeichnet wurde. Er erzählt, wie weit die Handlung des Films der Realität selbst entspricht, warum er sich dafür entschied, auf Film zu drehen und warum er selbst die Hauptrolle übernommen hat.
The original english language interview is also available.
Ein gescheitertes Filmprojekt war der Motor, diesen Film zu machen, so wie Du es in diesem Film erzählst. Kannst Du mir mehr zur Entstehung des Films erzählen?
Ja, der Film entspringt tatsächlich diesem Scheitern. Ich hatte einen Kurzfilm vorbereitet (eine Liebesgeschichte zwischen zwei Männern) und alles war bereit, doch das Projekt wurde zwei Wochen vor Drehbeginn ziemlich abrupt gestoppt. Und das hinterließ in mir etwas Ungelöstes. „Taxi Moto“ entstand aus dieser Frage: Was passiert mit einem Film, der nicht gedreht werden kann, und was bleibt davon übrig? Der Film ist keine Rekonstruktion dieses ursprünglichen Projekts. Er ist eher eine Spur oder ein Überbleibsel. Einige Elemente stammen direkt aus meiner eigenen Erfahrung: die Gespräche, die Zweifel, das Bedürfnis, weiterzumachen. Aber sie sind verschoben oder transformiert.
War Dir von Anfang klar, dass Du selbst die Hauptrolle übernimmst und wie war es, selbst vor und hinter der Kamera zu stehen?
Der Film war so eng mit meinen eigenen Erfahrungen verbunden, dass es sich künstlich anfühlen würde, mich völlig davon zu distanzieren. Es war ziemlich intensiv, sowohl vor als auch hinter der Kamera zu stehen. Das führt zu einem ständigen Wechsel: Man ist mitten in der Szene und beobachtet sie gleichzeitig. Aber in gewisser Weise spiegelt das den Film selbst wider, in dem es darum geht, dass jemand versucht, seine eigene Geschichte aus der Distanz zu betrachten.
Dein Spielpartner – der Schauspieler Erwan Kepoa Falé – ist sehr gut ausgewählt – wie kam er zu dem Film dazu?
Für mich war es nicht nur wichtig, jemanden zu „besetzen“, sondern mit jemandem zusammenzuarbeiten, mit dem ich mich gedanklich austauschen konnte. Der Film stützt sich stark auf Dialoge, auf unsere Sichtweise, auf Begierde, Identität und Intimität, und Erwan war bereit, mir dabei zu helfen, dies durch diesen Film zum Ausdruck zu bringen.
Die Bilder sind voller sommerlicher Hitze und Schönheit. Was lag Dir visuell am Herzen? Du hast auf Film gedreht, oder?
Wir haben auf Film gedreht, ja. Das war mir sehr wichtig. Nachdem der erste Film abgesagt worden war, musste ich bei der Crew wieder neue Begeisterung wecken. Und das Drehen auf Film ist spannend, weil es etwas hat, das eine gewisse Zerbrechlichkeit in sich trägt: die Körnung, das Licht oder die Möglichkeit von Missgeschicken (wir hatten einige, die man gegen Ende des Films an dem verbrannten Film sehen kann). Und auch für dieses Projekt machte es Sinn, weil es im Film selbst um etwas geht, das fast nicht existiert hätte. Das Drehen auf Film schafft etwas Besonderes: Jedes Bild fühlt sich ein bisschen kostbarer und ein bisschen gefährdeter an.
Kannst Du mir von Dir erzählen und wie Du zum Film gekommen bist?
Normalerweise arbeite ich am Theater. Zum Kino kam ich erst später durch einen Dokumentarfilm [„Didy“ (2024)] den ich gemeinsam mit François-Xavier Destors gedreht habe (Kinostart in Frankreich war am 22. April) und der für mich ein wichtiger Schritt war. Der Film entstand aus dem Verlust meiner Mutter und der Erfahrung des Exils sowie der Auseinandersetzung mit fragmentierten Erinnerungen und den Spuren, die die Geschichte hinterlassen hat. Die Erfahrung dieses ersten Werks als Regisseur, auch wenn es sich um einen Dokumentarfilm handelt, ermöglichte es mir, persönliche Geschichte und Erinnerung auf sehr direkte Weise zu erforschen und meine eigene Stimme als Filmemacher zu entwickeln.
Sind bereits neue Projekte geplant?
Ja, ich arbeite gerade an meinem ersten Spielfilm. Ich möchte generationenübergreifende Traumata erforschen und all das, was ausgelöscht, verdrängt oder unausgesprochen geblieben ist. Durch die Hauptfigur – jemanden, der versucht zu verstehen, wer er ist und woher er kommt – folgt der Film einer Suche: Was können wir mit uns tragen und was können wir weitergeben? Es ist ein Versuch, Geschichten ans Licht zu bringen, die unsichtbar gemacht wurden, diese schattigen Räume zu bewohnen und zu verstehen, was trotz allem weiter besteht und weitergegeben wird.
Die Fragen stellte Michael Kaltenecker
Übersetzung von Michael Kaltenecker
Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Taxi Moto“
Interview: In our conversation with Rwandan-French director Gaël Kamilindi, we learned more about his short film “Taxi Moto”, which celebrated its world premiere at the 76th Berlinale in 2026 as part of the ‚Berlinale Shorts‘ program and won the “Teddy Award for Best Short Film.” He explains how closely the film’s plot mirrors reality, why he chose to shoot on film, and why he took on the lead role himself.
A failed film project was the driving force behind making this movie – as is also shown in the film. Can you tell me more about how the film came about? To what extent is your own real filmmaking process documented or re-enacted in the film?
Yes, the film really comes from that failure. I was preparing a short (a love story between two men) and everything was in place, but the project was stopped quite abruptly two weeks before the shooting. And it left something unresolved in me. „Taxi Moto“ started from that question: what happens to a film that cannot be made, and what’s left. The film is not a reconstruction of that initial project. It’s more like a trace, or a residue. Some elements come directly from my own experience, the conversations, the doubts, the need to keep going, but they are always displaced or transformed.
Was it clear to you from the start that you would take on the lead role yourself, and what was it like to be both in front of and behind the camera?
Yes, the film was so closely tied to my own experience that it would feel artificial to distance myself completely from it. Being both in front of and behind the camera was quite intense. It creates a constant shift: you are inside the scene, and at the same time observing it. But in a way, it mirrors the film itself, which is about someone trying to look at his own story from a distance.
Your co-star – the actor Erwan Kepoa Falé – is a great choice. How did he come to be in the film?
What was important for me was not just to “cast” someone, but to work with someone I could think with. The film relies a lot on dialogue, on our perspective on desire, identity, and intimacy, and Erwan agreed to help me to try to respond to that through this film.
The images are full of summer heat and beauty. What was important to you visually? You shot on film, right?
We shot on film, yes. That was very important to me. After the first film being cancelled I needed to create a new desire for the crew. And shooting in film is exciting because there is something that holds fragility: the grain, the light or the possibility of accidents (we had some that you can see around the end of the movie with the burned film). And also for this project, it made sense because the film itself is about something that almost didn’t exist. Shooting on film creates something special: every image feels a bit more precious and a bit more at risk.
Can you tell me about yourself and how you got into filmmaking?
I usually work in theater. Cinema came later with a documentary that I co-directed with François-Xavier Destors (released in France this 22nd of April) which was an important step for me. The film was born out of the loss of my mother and the experience of exile and exploring fragmented memory and traces left by history. The experience of this first work as a director, even if it’s a documentary, allowed me to explore personal history and memory in a very direct way, and to start developing my own voice as a filmmaker.
Are there any new projects in the works?
Yes, I’m currently developing my first fiction feature. I want to explore intergenerational trauma, and everything that has been erased, displaced, or left unsaid. Through the main character: , someone trying to understand who he is and where he comes from, the film follows a search: what can we carry and what can we pass on. It’s an attempt to bring forward stories that have been made invisible, to inhabit those shadowed spaces and to understand what, despite everything, continues to persist and be transmitted.
Questions asked by Michael Kaltenecker
Read on the german review of the short film „Taxi Moto“



