Berlinale Shorts 2026

Doreen Kaltenecker
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12. bis 22. Februar 2026 / Colosseum, Cubix, Filmtheater am Friedrichshain, Silent Green, Urania, Zoo Palast

Festivalbericht: In diesem Jahr feierte die 2006 eingerichtete Sektion ‚Berlinale Shorts‘ als Teil der 76. Berlinale 2026 ihr 20. Jubiläum. Seit 2019 kuratiert und leitet Anna Henckel-Donnersmarck das Kurzfilmprogramm. In diesem Jahr bestand das Programm aus 21 Kurzfilmen aus 20 Ländern, von denen vier mit Preisen ausgezeichnet wurden. 

Jedes Jahr präsentiert das Programm eine ausgewogene und spannende Mischung aus Spielfilmen und dokumentarischen Formen, die gerne auch einmal ineinander fließen. In diesem Jahr wurde der Spielfilm „Someday a Child“ (OT: „Yawman ma walad“) von Marie-Rose Osta mit dem Goldenen Bären für den Besten Kurzfilm ausgezeichnet. Sie bringt dabei das aufgeweckte Spiel ihrer Kinderdarsteller mit den eigenen Kindheitserinnerungen an einem abgeschiedenen Ort im Libanon zusammen.

Angelika Spangel, Regisseurin von „Ein Unfall“

Auch ein Blick zurück in die eigene Jugend und das Dorf, in dem die Regisseurin Angelika Spangel aufgewachsen ist, bietet der österreichische Spielfilm „Ein Unfall“. In drei Geschichten und mit dem eigenen Vater in einer Rolle erzählt sie von Schuld und Scham. Beide Filme zeigen dabei starke Bilder, die stets nah an der Wirklichkeit sind, aber mit einem cineastischen Blick dem Alltag entrückt werden. Auch in den beiden Filmen „Chuura“ von Evgenia Arbugaeva, der sich mit dem Auftauen des Permafrostbodens in Sibirien beschäftigt, und „Kleptomania“ (OT: „Di san xian“) von Jingkai Qu, der mit dem mit 20.000 € dotierten CUPRA Filmmaker Award ausgezeichnet wurde, verbinden Realismus und Schönheit in ihrer visueller Ausgestaltung miteinander. 

Christian Avilés, Regisseur von „Stallion and a Crystal Ball“

In diesem Jahr feierten die Teddy Awards ihr 40. Jubiläum und präsentieren in einer Sonderreihen Filme aus den letzten Jahrzehnten. Wunderbar ist, dass die Berlinale Shorts immer auch queere Stoffe im Programm hat. So gewinnen oft Kurzfilme aus dem ‚Shorts‘-Programm den Teddy Award Bester Kurzfilm. So auch in diesem Jahr: Er ging an den Schweizer Kurzfilm „TAXI MOTO“ von Gaël Kamilindi, der eine Geschichte über das Lieben, das Filmemachen und ein erstes Treffen erzählt. Der bereits bei der Berlinale Shorts bekannte Filmemacher Christian Avilés erzählt mit „Stallion and a Crystal Ball“ (OT: „Stallion y la bola de cristal“) von einer Figur aus seiner Kindheit, die jetzt nicht mehr Schrecken verbreitet, sondern jetzt überraschend queer gelesen werden kann. Der argentinische „Time to Go“ (OT: „La hora de irse“) von Renzo Cozza entwickelt sich überraschend von einem Gay-Romanze zu einem Genre-Film und spielt gekonnt mit Stereotypen. 

Fanny Texier, Regisseurin von „A Woman’s Place Is Everywhere“

Unter den Kurzfilmen waren wieder viele dokumentarische Stoffe dabei, die oft auch sehr persönliche Geschichten erzählten. Den Silbernen Bär Preis der Jury (Kurzfilm) erhielt die Dokumentation „A Woman’s Place Is Everywhere“ von Fanny Texier. Das Portrait zweier Zwillingsschwestern erzählt von Zusammenhalt und Abschiednehmen. Auch eine Art Abschiednehmen, aber als eine essayistische Aufarbeitung, ist der Kurzfilm „Miriam“, in dem die Filmemacherin Karla Condado ihrer Tante, welche wie viele Frauen in Mexiko verschwunden ist, nachspürt.

Marthe Peters, Regisseurin von „Henry Is a Girl Who Likes to Sleep“

Mit dem eigenen Körper setzten sich die zwei Filme „Henry is a Girl Who Likes to Sleep“ und „Graft Versus Host“ auseinander. Im ersten erkundet die Filmemacherin Marthe Peters in einem künstlerischen Essayfilm ihre krankheitsbedingte Müdigkeit und im zweiten Film setzt sich der Regisseur Giorgi Gago Gagoshidze mit der eigenen Krebserkrankung mit unterschiedlichen Erzähl- und Gestaltungsweisen auseinander. Der Regisseur Pavel Mozhar erkundet mit seinem neuesten Film „Mit einem freundlichen Gruß“ eine ehemalige Fabrik und setzt sich anhand eines Einzelbeispiels mit strukturschwachen Gebieten und dem Leben und Arbeiten vor Ort auseinander. Die beiden Regisseure Radu Jude und Adrian Cioflâncă rekonstruieren in „Shot Reverse Shot“ (OT: „Plan Contraplan“) anhand von Archiv-Fotoaufnahmen und Berichten die Reise des amerikanischen Fotografen Edward Serotta, der zwischen 1985 und 1987 nach Bulgarien reiste. Einmal zeigen sie dies aus seiner Sicht mit seinen Worten und stellen dem Ganzen im zweiten Teil Bilder der staatlichen Überwachung seinen Aktivitäten gegenüber. 

Zuza Banasińska, Regisseurin von „Kontrewers“

Neben den Spiel- und Dokumentarfilmen gab es in diesem Jahr eine kleine Auswahl an Experimental- und Animationsfilmen. Der österreichische „Flim Flam“ von Siegfried A. Fruhauf war eine Herausforderung für manche Sehgewohnheiten und der polnische Kurzfilm „Kontrewers“ brachte einen mythologisch aufgeladenen Stein mit der eigenen Großmutter und einem eindringlichen Sounddesign zusammen. Der vor Jahren aus Russland nach Deutschland gezogene Filmemacher Sasha Svirsky präsentierte mit „Unidentifizierte Unflugobjekte“ seinen ersten in Deutsch realisierten Animationsfilm und steht mit seiner nicht narrativen Struktur dem experimentellen Erzählen nahe.

Leo Černic, Regisseur von „Cosmonauts“

Als Berlin Short Film Candidate for the European Film Awards wurde der slowenisch Kurzfilm „Cosmonauts“ von Leo Černic ausgewählt. In dieser farbenfrohen Animationsfilm-Komödie begibt sich eine bunte Truppe auf einen Trip zu den Sternen und hofft, dabei Liebe, Sex oder einfach Gleichgesinnte zu finden. So war auch in diesem Jahr das ‚Berlinale Shorts‘-Programm eine spannende Mischung verschiedenen Erzählweisen, Stoffen und Schwerpunkten und begeisterte mit seinen künstlerischen wie poetischen Herangehensweisen.

geschrieben von Doreen Kaltenecker
Fotografien von Michael Kaltenecker

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