47. Filmfestival Max Ophüls Preis 2026

Doreen Kaltenecker
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19. – 25. Januar 2026 / Cinestar, Filmhaus, Kino achteinhalb, Camera Zwo

Festivalbericht: Die 47. Ausgabe des Filmfestival Max Ophüls Preis 2026 fand Ende Januar in einer mehr gestrafften Form als in den letzten Jahren an sieben Tagen in vier Kinos in Saarbrücken statt. Svenja Böttger, die künstlerische Leiterin des Festivals, die in diesem Jahr ihr 10. Jubiläum feierte, präsentierte ein Programm mit insgesamt 146 Lang- und Kurzfilme aus den Ländern Deutschland, Österreich, Schweiz, Luxemburg und Frankreich. Eröffnet wurde das Festival mit dem Schweizer Spielfilm von Nicolas Steiner – „Sie glauben an Engel, Herr Drowak?“ – der bereits im Februar in den Kinos startet. 

Wettbewerb Spielfilm

Unter den elf Wettbewerbsfilmen aus Deutschland, Österreich und Schweiz wurden acht Preise vergeben. Gleich zwei Berlin-Filme konnten drei der begehrten Preise mit nach Hause nehmen. Als Bester Spielfilm wurde der Spielfilm „Gropiusstadt Supernova“ von Ben Voit ausgezeichnet. Er erzählt von zwei Brüdern und einer turbulenten Silvesternacht, in der sich alles verändern könnte. Auch in einer Nacht spielt der Film „Noah“, in dem eine Gewalttat drei Geschichten miteinander verknüpft. Er wurde mit dem Fritz-Raff-Drehbuchpreis und dem Preis für den Gesellschaftlich Relevanten Film ausgezeichnet. Auch der Schweizer Film „Solo Show“ wählt verschiedene Geschichten, um sein großes Thema der Selbstdarstellung zu beleuchten und schafft damit ein unterhaltsames, wie auch vielfältiges Portrait der Gesellschaft. Ebenfalls zwei Preise (Preis der Filmkritik – Bester Spielfilm und Preis der Jugendjury) erhielt der Schweizer Film „Wolves“ von Jonas Ulrich, der eindrücklich zeigt, wie man in die rechte Szene abgleiten kann und wie Co-Abhängigkeit funktioniert. Als Beste Regisseurin wurde Magdalena Chmielewska für ihr autobiographisches Familiendrama „Teresas Körper“ ausgezeichnet. Ebenso dezidiert weibliche Perspektiven nehmen drei weitere Wettbewerbsfilme ein. „Wovon sollen wir träumen“ der beiden Regisseurinnen Milena Aboyan und Constantin Hatz, der mit dem Publikumspreis Spielfilm und dem Preis Der Ökumenischen Jury ausgezeichnet wurde, erzählt von drei Frauen, die sich kurz im Leben begegnen und alle für ihr Leben kämpfen müssen. Die Dystopie „Hygge“ von Lena Fakler und Zarah Schrade wählt einen unterhaltsamen Science-Fiction-Ansatz, um auf aktuelle gesellschaftliche Probleme aufmerksam zu machen. „Run me Wild“ von Catharina Lott ist eine schöne, queere Coming-of-Age-Geschichte, die nicht nur mit einer grandiosen Hauptdarstellerin aufwartet, sondern ein differenziertes Charakter-Portrait einer jungen Frau, die unter einem Trauma leidet, schuf. 

Wettbewerb Dokumentarfilm

Mit zehn Dokumentarfilmen aus Deutschland, Österreich, Schweiz, Luxemburg und Frankreich war auch diese filmische Gattung stark vertreten. Als Bester Dokumentarfilm wurde die berührende Dokumentation „Die noch unbekannten Tage“ von Jola Wieczorek ausgezeichnet. Die Regisseurin erzählt dabei von ihren Eltern, die damals nach Österreich ausgewandert sind. Während sie selbst Mutter wird, verliert ihre Mutter langsam alle Erinnerungen und so begibt sie sich noch einmal auf Spurensuche. Auch der luxemburgische Film „Terre Rouge – Topographie du Poète“ von Fränz Hausemer, der den Preis Der Filmkritik – Bester Dokumentarfilm erhielt, spürt einem Leben nach. Der Film dokumentiert den luxemburgischen, sehr lokal arbeitenden Regisseur Gaston kurz vor seinem Tod. Auf ähnliche Weise spürt auch Frederik Arens Grandin in „Lisa“ dem Leben seiner Mutter nach. Nach einem Selbstmordversuch beschließt er seine Mutter filmisch zu portraitieren und taucht in seine Familiengeschichte ein. Weitere Dokumentarfilme beschäftigen sich nicht nur mit den Menschen, sondern auch mit den Landschaften, in denen sie leben („Archipele des Herzens“, „Die Jägerinnen“). Ein ganz besonderer Dokumentarfilm war der deutsche Beitrag „Im Licht der Sandbank“ von Killian Helmbrecht, der für sieben Monate auf die Insel Scharhörn als Vogelwärter zieht und dort allein mit sich und der Natur ist.

weitere Preise: Publikumspreis

Eine Krankheit wie ein Gedicht“ (Deutschland, 2026, Regie: Jelena Ilić)

Wettbewerb Mittellanger Film

Eine Besonderheit des Filmfestival Max Ophüls ist, dass der mittellange Film zwischen 25 und 45 Minuten hier einen Platz bekommt. Als Bester Mittellanger Film wurde „Harika“ von Beran Ergün ausgezeichnet, der mit seinem 29-minütigen Film seine Heimatstadt und die Menschen vor Ort liebenswert portraitiert. Der Publikumspreis ging zu Recht an den starken Film „Mein Name Akim“ von Aleksandr Kim, der beinahe dokumentarisch erzählt, wie es sich anfühlt, als Geflüchtete:r in Deutschland anzukommen und welche Hürden sich dabei auftun. Gleich zwei Darsteller:innen wurden mit dem Besten Schauspielnachwuchs-Preis ausgezeichnet. Emilia Warenski für „Bleistiftstriche“ und Tommes Diallo für „Champions und wir“. Beide Filme sind queere Coming-of-Age-Geschichten und werfen einen frischen Blick auf die Themen rund ums Erwachsenwerden. Neben den Preisträgerfilmen taten sich noch drei weitere Filme hervor: Der neueste Film von Leni Gruber und Alexander Reinberg – „Preiswerte Lösungen für ein besseres Leben“ – erzählen mit überraschenden Wendungen von einer Frau, die womöglich gern ein anderes Leben möchte. Auch das Paar in „Arme Hunde“ (Regie: Moritz Licht) aus Österreich würde auch gerne nicht auf der Flucht leben, sondern ein wohlbehütetes Leben im Wohlstand, wie beim lebensmüden Mann, in dessen Haus sie einbrechen. Ebenfalls sehenswert ist der Schweizer Film „S’Tunschi van Juf“ (Regie: Jon Grandpierre), der Abschiednehmen, familiäre Entfremdung mit einer lokalen Sage und einer unheimlichen Puppe in seiner Geschichte kombiniert.

Wettbewerb Kurzfilm

Im Wettbewerb Kurzfilm liefen 25 Kurzfilme aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Als Bester Kurzfilm wurde „Die Gemeinen Kleinigkeiten“ von Florian Moses Bayer ausgezeichnet, der auch den Publikumspreis gewann. Er erzählt auf leichtfüßige Weise, wie sich ein Leben als Übergewichtiger anfühlt. Der Kurzfilm „Dreieck“ von Saladin Dellers, der auch als Schauspieler in „Solo Show“ zu sehen ist, und Kim Culetto, erzählt amüsant von einer Dreiecksbeziehung durch die Begegnung der beiden Männer in der Konstellation. Auch in „Liebesbesuch“ und „Joy“ geht es um zwischenmenschliche Beziehungen. Im letztgenannten Kurzfilm besucht die von Lena Urzendowsky gespielte Joy die Geburtstagsfeier eines Freundes und beschließt, an dem Abend die Wahrheit zu sagen. In „Liebesbesuch“ von Ada Philine Stappenbeck bereitet sich Natalie (gespielt von Lea van Acken) auf einen Besuch im Gefängnis vor und muss vorher sich noch der einen oder anderen Hürde stellen.

Watchlist

In der Watchlist kann man einige der bemerkenswertesten deutschsprachigen Filme von jungen Regisseur:innen des letzten Jahres sehen. Hier hatten wir die Möglichkeit den neuesten Film von Elsa Kremser und Levin Peter zu sehen: „White Snail“ erzählt von der Zuneigung zwischen einem Maler und einem Model und startete kurz danach in den Kinos. Auch drei andere bemerkenswerte Filme, die man hier sehen konnte, bekommen einen deutschen Kinostart. In dem deutschen Film „Sechswochenamt“ von Jacqueline Jansen nimmt eine Tochter Abschied von ihrer Mutter und muss danach nicht nur mit ihrer Trauer fertig werden, sondern auch mit einem Berg von Aufgaben und Anforderungen. Der Spielfilm „Als wäre es leicht“ erzählt eine Liebesgeschichte zwischen einer gehörlosen Frau und einem blinden Mann und ist dabei romantisch und dramatisch im richtigen Maße. Der Regisseur Joscha Bongard war auch mit seinem neuesten Spielfilm – „Babystar“ – vor Ort und  ?

Weitere Reihen & Sonderprogramme

Eine Vielzahl von Reihen und Sonderprogrammen rundeten auch in diesem Jahr das Festivalprogramm ab. Viele Zuschauer:innen erfreuten sich am Gastprogramm „Special Olympics“, wo die deutsche Komödie „Ganz halber Bruder“ gezeigt wurde. Weitere Gastprogramme stammten vom Fantasy Filmfestival („Fructus Fliegus“), Filmfestival Cottbus („2001“, „Summer School“), Bundesfestival Junger Film („Nebenan“) und die Kurzfilmtour – Der Deutsche Kurzfilmpreis („Rückblickend betrachtet“). Ein besonderes Augenmerk verdient der Tribut an den kürzlich verstorbenen Marcel Ophüls. Dessen 278-minütiges Mammutwerk „The Memory of Justice“ gezeigt wurde. Zusätzlich gab es auch die Sonderreihe Diskurse (mit dem gelungenen Kurzfilm „Schwanensee“ und „Occhio“) sowie die Kinder- und Jugendfilmreihe u.a. mit dem Spielfilm „Das geheime Stockwerk“, der im März auch in die Kinos kommt.

geschrieben von Doreen Kaltenecker

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