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Filmkritik: Der österreichische Kurzfilm „Im Kreis“ von Zoe Schmidt, der seine Deutschlandpremiere auf den 59. Hofer Filmtagen 2025 feierte, erzählt eine Geschichte von schädlichen Freundschaften, Gruppendynamiken und Mobbing aus der Sicht von Kindern.
Die beiden 10-jährigen Freundinnen Mia (Rada Rae) und Karo (Pauline Mathes) sind beste Freundinnen und lieben es gemeinsam auf der Spielplatz-Drehscheibe zu sitzen und über ihre Klassenkamerad:innen zu lästern. Dabei gehen sie nicht gerade zimperlich vor und spielen auch gerne der von vielen ausgeschlossenen Miriam (Amelia Lechner) böse Streiche. Aber eines Tages geht der Streich zu weit, so dass Mia es verhindert und daraufhin von Karo ausgeschlossen wird.
In nur 12 Minuten schafft es Zoe Schmidt, die auch das Drehbuch dafür schrieb, einzufangen wie Machtdynamiken vor allem in einem kleineren Kosmos funktionieren. Dabei konzentriert sie sich auf Kinder, denen man nicht gleich ein Streben nach Macht oder Schonungslosigkeit unterstellen möchte. Trotzdem ist die Schule bereits ein Ort, an dem alle von uns solche Dynamiken kennengelernt haben. Es beginnt bei Freundschaftsbünden geht über harmloses sich untereinander über jemanden lustig machen bis hin zu Mobbing. Wunderbar zeigt der Film, dass es eine Abwärtsspirale gibt. Auch wie mit dem Druckmittel der Ausgrenzung Menschen gezwungen werden können, einen bestimmten Kurs einzuschlagen. Auch im Erwachsenenalter greifen vor allem auf Arbeitsebene solche Mechanismen. Doch bei Kindern ist der Kontrast aufgrund der innewohnenden Unschuldigkeit und Naivität noch deutlicher. Auch macht der Film klar, wie schnell sich das Täter-Opfer-Verhältnis umkehren kann und wie leicht es ist, eine Grenze zu überschreiten. Auch zeigt der Film deutlich, dass solche Strukturen an Schule und unter den Kindern abseits der Blicke von Erziehungsberechtigten passieren. Schmidt schafft es, all das in der Kürze der Zeit perfekt einzufangen. Sie arbeitet dabei mit talentierten Kinderdarsteller:innen zusammen, die mit ihrem Spiel die Bandbreite der Emotionen wunderbar einfangen. Es weckt sofort Erinnerungen an die eigene Kindheit und daran, wie anstrengend und schwer es manchmal war, gemocht zu werden. Auf visueller Ebene baut sie das narrative Kreismotiv mehrfach ein und achtete dabei auch auf einen realitätsnahen Look.
Fazit: „Im Kreis“ ist ein Kurzfilm von Zoe Schmidt, der im realistischen Gewand eine Geschichte für und über Kinder erzählt. Anhand dieser jungen Menschen zeigt sie, was toxische Freundschaften sind, wie Mobbing und Druckausübung zur Ausgrenzung führt und schafft es auch ein Gefühl für die Täter:innen zu vermitteln.
Bewertung: 4/5
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- 59. Internationale Hofer Filmtage 2025
- Doreen Kaltenecker, ‚Sieben Fragen an Zoe Schmidt‘, testkammer.com, 2026
- Eintrag des Kurzfilms „Im Kreis“ beim Distributor Refreshing Films
- Eintrag des Kurzfilms „Im Kreis“ bei der Filmakademie Wien
- Eintrag des Kurzfilms „Im Kreis“ beim Produzenten Damla Ilhan

