59. Internationale Hofer Filmtage 2025

Doreen Kaltenecker
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21. bis 26. Oktober 2025 / Central Kino, Bürgergesellschaft Hof, Arts Avenue

Festivalbericht: In der dritten Oktoberwoche fanden im bayerischen Hof nun zum mittlerweile 59. Mal die Internationalen Hofer Filmtagen statt. Kuratiert von Thorsten Schaumann und unter dem Motto ‚Place to Grow‘ wurden an fünf Spielstätten sechs Tage lang 84 Lang- und 69 Kurzfilmen aus über 30 Ländern gezeigt. Dabei hatte man auch in diesem Jahr die Wahl zwischen zahlreichen (Independent-)Spielfilmen und Dokumentationen. Auch gab es eine Sonderreihe zur Filmemacherin Julia von Heinz („Treasure“) und das Klassikerprogramm mit u.a. „Eraserhead“ (1977) von David Lynch

Der große Gewinner in diesem Jahr war der Spielfilm „Luisa“ des Kollektivs werkgruppe2 unter der Regie von Julia Roesler. Er konnte insgesamt zwei Preise gewinnen: den Förderpreis Neues Deutsches Kino und den Bild-Kunst-Förderpreis für das beste Szenenbild. Er erzählt von Luisa, die in einer Wohngruppe lebt und durch zwei Übergriffe von schutzbeauftragten Männern in eine missliche Lage gebracht wird. Auch in Bedrängnis gerät der junge Held in „Free“, der vom Förderpreis Neues Deutsches Kino lobend erwähnt wurde. Darin wird die Geschichte von Sebastian erzählt, der durch einen neuen, beinahe gleichaltrigen Bruder mit neuen Gefühlen konfrontiert wird. Eine lobende Erwähnung des Bild-Kunst-Förderpreis ging an Polina Shpazhnikova für das Kostümbild im Film „Damaged Lemons“ von Ada Naëmi. Die Regisseurin Ina Balon erhielt den Hofer Kritiker Preis für die Beste Regie sowie den Friedrich-Baur-Goldpreis für  „Plan F“, eine Schwester-Tramödie zwischen Land und Stadt sowie Depression und Anecken. Ebenso mit dem Friedrich-Baur-Goldpreis für die beste Regieleistung für einen ersten Langspielfilm wurde Alexander Conrads für „Zusammen ist man weniger getrennt“ ausgezeichnet. Aus dem Leben gegriffen, trotzdem cineastisch und leichtfüßig erzählt der Film die Geschichte eines ehemaligen Paares, die in seinen 30ern versuchen, einen Platz im Leben zu finden, und sich der Frage stellen muss, ob gemeinsam oder getrennt.

Der Jury-Kurzfilmpreis der Stadt Hof erhielt der polnisch-deusche Film „The Good Woman“ von Masha Mollenhauer, die darin von einer jungen Mutter erzählt, die sich trotz viel Gegenwind gegen ein zweites Kind entscheidet. Auch die Protagonist:innen in „Afterlike“ von Emma Bading und „Corps en Chute“ von Nicolas Schönberger wehren sich gegen die ihnen vorgedachte Rolle oder Schicksal. Die beiden Filme „Pack Rat“ aus Neuseeland (Regie: Lucy Suess) und „Satyr“ (Regie: Tim Klinger) erzählen von Menschen, die ihren Platz noch finden müssen. Der PHAROS Shiver Screen Award zeichnet jedes Jahr den besten Genre-Film aus. In diesem Jahr gewann „Birth of a Fire“ von Archibald Martin, der von einem mysteriösen Killer im Pfälzer Wald erzählt. Neben wenigen Animationsfilmen, wie „Fantasies of a Rescue Dummy“, wurde von den Kurzfilmen eine breite Palette an Themen  angesprochen, u.a. Klimaschutz („Du hast mal kein Feuer“), Krieg („Les Fleur de Malva“) und Rassismus („Blonde Haare, Blaues Auge“).

Das Festival wurde mit dem Film „Über Unterbiberger“ eröffnet, einer Dokumentation von Matthias Ditscherlein, der die Volksmusiktruppe ‚Unterbiberger Hofmusik‘ begleitet, die seit Jahren ihre musikalische Palette mit vielen Klängen und Instrumenten aus anderen Ländern ergänzen und damit erfolgreich um die Welt touren. Der Granit – Hofer Dokumentarfilmpreis ging an die Zeitzeugen-Dokumentation „Das Ungesagte“ von Patricia Hector und Lothar Herzog. Sie nutzen die Chance, sich mit Menschen zu unterhalten, welche die NS-Zeit als Kinder und Jugendliche erlebt haben und bisher über die Zeit noch nicht gesprochen haben. Auch unter den Kurzfilmen konnte man gelungene Dokumentationen finden. Der belgisch-ukrainische „Gamlet“ begleitete den gleichnamigen ukrainischen Künstler durch das vom Krieg zerrüttete Land. In der Kurz-Doku „Die Unverzichtbaren“ lernen wir Menschen im Mindestenslohnsektor kennen und wie sie als ungesehenes Rädchen der Gesellschaft ihren Beitrag leisten. In „Die fliegenden Tiere“ erleben wir Kinder mit schweren Krankheiten und wie sie ihren Alltag stemmen. So bietet auch das dokumentarische Programm der Hofer Filmtage eine breite Palette an Themen und Einblicke und rundet das Programm ab, sodass man auf dem Festival ganz nach Vorliebe sich dem dokumentarischen wie auch dem fiktionalen Film widmen kann. Damit bleibt sich das Festival in seiner Struktur und Auswahl treu, konnte in diesem Jahr eine stabile Besucherzahl trotz weniger Spielstätten verzeichnen und so kann man sich schon jetzt auf die Jubiläumsausgabe im nächsten Jahr freuen. 

weitere Preise

  • Hofer Kritiker-Preis für die Beste Produktion
    Don’t let the Sun“ von Jacqueline Zünd
  • Granit Preis Lobende Erwähnung
    Where the Waves took Her“ von Jana Stallein
  • Jury-Kurzfilmpreis Lobende Erwähnungen
    Ademi“ von Zhamilya Sakhari
    Turtle & Albion“ von Fitore Muzaqi
  • Hans-Vogt-Filmpreis der Stadt Rehau geht ans Robert Gwisdek
  • Filmpreis der Stadt Hof geht an Connie Walther

geschrieben von Doreen Kaltenecker

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