„Corps en Chute“ (2025)

Doreen Kaltenecker
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Filmkritik: Der Kurzfilm „Corps en Chute“ von Nicolas Schönberger, der auf den 59. Hofer Filmtagen 2025 seine Weltpremiere feierte, erzählt vom Kunstschaffen, Selbstregulierung und Disziplin, aber auch Übergriffigkeit und der Notwendigkeit, sich auch mal fallen zu lassen.

Am Centre national de la Danse in Paris arbeitet Héron (Cindy Emelie) zusammen mit Tänzer:innen an der Choreographie ihres Lehrers Sylvain (Mathias Minne) und trainiert dafür sehr hart. Eines Tages wird eine bereits etablierte Tänzerin durch Celeste (Rebecca Tetens) ersetzt. Diese arbeitet weniger diszipliniert an der Choreographie, sodass sie gleich mit ihrer Art bei Héron aneckt, aber Sylvain ist begeistert und erwartet, dass sich die anderen auch auf diese Art der Flexibilität und Improvisation einstellen.

Cindy Emelie und Rebecca Tetens

Der Regisseur Nicolas Schönberger hat zusammen mit seinem Drehbuchautor Gabriel Kowak eine Geschichte über das Kunstschaffen ersonnen. Worum geht es bei der Kunst, wie weit sind Freiheit und auch ein gewisses Loslassen gerade in streng komponierten Bereichen wie Musik und Tanz ein wichtiges Element? Auch spüren sie zusammen mit ihrer Hauptfigur Héron der Frage nach, für wen man die Kunst macht. Dabei bleiben für die Zuschauer:innen lange Zeit ihre Gedanken und Gefühle verschlossen. Ist sie eifersüchtig, fühlt sie, dass das Projekt ins Wanken gerät, oder muss sie durch die neue Tänzerin ihre Arbeit neu betrachten? Einzig den angedeuteten Aspekt der missbräuchlichen Übergriffigkeit hätte der Film nicht gebraucht. Am Ende des Films, dessen Titel so viel bedeutet wie ‚Fallende Körper‘, geht es um eine Art Befreiung und lässt da auch den Raum zur Interpretation offen.

Rebecca Tetens und Cindy Emelie

Die Inszenierung der Geschichte arbeitet gekonnt mit dem Bauwerk – dem Centre national de la Danse in Paris, an dem die Geschichte spielt und wo sie auch drehen durften. Das Bauwerk zeichnet sich durch seine brutalistische Architektur aus. Diese betonlastige, harte und kühle Umgebung spiegelt auch ein Stück weit den Charakter Hérons wider, die sich in der strengen Choreographie, ihrer Selbstoptimierung und der Beherrschung eingerichtet hat. Das Fallen und der Tanz an sich sind aber ein Gegensatz zu der Architektur, sie sprechen von Verletzlichkeit und Lebendigkeit. Die Choreographin Jeanne Fohr hat sich dafür einen stimmigen Tanz ausgedacht, welcher in seinen Bewegungen die Konflikte selbst aufzugreifen scheint. Dabei schaffen es die Darsteller:innen auch in diesen Szenen ihr Talent zu beweisen, so dass ihr Schauspiel und Tanz wunderbar ineinander greifen. 

Cindy Emelie

Fazit: „Corps en Chute“ ist ein Kurzfilm von Nicolas Schönberger, der an der La Fémis in Paris gedreht wurde und vom Kunstschaffen, dem Miteinander von Künstler:innen, dem Tanz und einem manchmal notwendigen Loslassen erzählt. Die Inszenierung ist dabei pointiert, gibt den Schauspieler:innen viel Raum und arbeitet gelungen mit der Architektur des Drehortes.

Bewertung: 7,5/10

Trailer zum Kurzfilm „Corps en Chute“:

geschrieben von Doreen Kaltenecker

Quellen:

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