- Sechs Fragen an Gaël Kamilindi - 26. Juni 2026
- „TAXI MOTO“ (2026) - 26. Juni 2026
- Sieben Fragen an Giorgi Gago Gagoshidze - 2. Juni 2026
Rückblick: Vor ein paar Wochen haben wir bereits auf die Wettbewerbsfilme der Berlinale zurückgeblickt. Doch die Berlinale ist nicht nur der Wettbewerb. Viele ausgezeichnete Filme laufen auch in den anderen Sektionen des Festivals, auch wenn sie vielleicht nicht so ganz in die Wettbewerbs-Film-Schablone passen. Das ist überhaupt nicht tragisch und sorgt für Abwechslung.
Folgende Filme sind besonders im Gedächtnis geblieben:
Berlinale Special
„Das Licht“
ET: „The Light“, Deutschland, 2025, Regie: Tom Tykwer
Tom Tykwer kehrt mit „Das Licht“ nach Berlin zurück. Es ist der erste deutsche Film seit 1999, der das Festival eröffnet. Der Film will sehr groß sein – manchmal gelingt das auch sehr gut – doch viele kleine Momente und Dialogzeilen sind eher die Lichtblicke des Films.
Kinostart: bereits angelaufen
„Like A Complete Unknown“
OT: „A Complete Unknown“, USA, 2024, Regie: James Mangold
Die stark fokussierte Musiker-Biographie über Bob Dylan ist durchweg konventionell, hat aber gerade durch ihre Eingrenzung auf die relativ kurze frühe Schaffens- und Wirkungsphase des Musikers ihre Stärken. Dem Klischee des Genres entsprechend werden detailgetreu bestimmte Fotos, Film- und Tonaufnahmen nachgestellt, was manchmal organisch funktioniert, oft aber zu steril ist. Timothée Chalamet nuschelt sich als glaubhafter Dylan durch den Film.
Kinostart: bereits angelaufen
„Islands“
Deutschland, 2025, Regie: Jan-Ole Gerster
Sam Riley spielt hervorragend den abgehalfterten Tennislehrer auf den Kanaren. Die Touristin Anne, ihr Mann Dave und Sohn Anton reißen ihn aus seiner Monotonie heraus … und dann verwandelt sich die zweite Hälfte des Films zu einem Thriller (Vacation Noir). Ein Mix, der nicht nur deshalb, sondern auch durch filmische und schauspielerische Qualitäten überzeugen kann.
Kinostart: 8. Mai 2025
„Mickey 17“
USA/Südkorea, 2024, Regie: Bong Joon Ho
Nach „Parasite“ dreht Bong Joon-Ho eine Weltraum-Komödie. Die erinnert stilistisch eher an „Snowpiercer“ oder „Okja“ als an „Parasite“. Diese Zweiteilung zwischen Satire mit und ohne Genre-Elemente zieht sich bei Joon-ho aber durch sein ganzes Schaffen als roter Faden hindurch: Es ist großartig, dass man ihm – bestimmt auch wegen seines Oscar-Gewinns – ganz viel Geld gegeben hat, damit er einen richtig teuren Bong Joon-ho Science-Fiction-Film mach kann. Robert Pattinson spielt das etwas naive Klon-Versuchskaninchen Mickey und Mark Ruffalo gibt eine begnadet abscheuliche Trump-Imitation zum Besten.
Kinostart: bereits angelaufen
„The Thing with Feathers“
UK, 2025, Regie: Dylan Southern
Benedict Cumberbatch spielt einen überforderten Witwer und Vater, der mit seiner Trauer kämpft. Dabei funktionieren die eingesetzten Stilmittel zur Darstellung von Trauer gut, vor allem weil sie nicht monotones Color-Grading, finstere Minen und eine extrem langsame Inszenierung sind.
Kinostart: unbekannt
„Lurker“
OT: „Lurker“, USA/Italien, 2025, Regie: Alex Russell
Matthew gelingt es, Teil der Entourage des aufstrebenden Popstars Olivers zu werden. Durch die Betrachtung sich verschiebender Einfluss- und Machtverhältnisse seziert der Film die Transaktionalität aller gezeigten Beziehungen und hinterlässt dabei ein erschreckendes Gefühl der Leere.
Kinostart: demnächst
„Heldin“
OT: „Late Shift“, Schweiz/Deutschland, 2025, Regie: Petra Volpe
Für eine Schicht folgen wir der Krankenpflegerin Floria Lind (Leonie Benesch). Fast dokumentarisch werden uns einzelne Handgriffe von komplexen Abläufen gezeigt, aber auch die Interaktionen mit den Patient:innen. Dabei liegt der Fokus auf der Darstellung von Stress und Belastung, was der Film spürbar für das Publikum vermittelt.
Kinostart: bereits angelaufen
„Kein Tier. So Wild.“
ET: „No Beast. So Fierce.“, Deutschland/Polen/Frankreich, 2025, Regie: Burhan Qurbani
Burhan Qurbani verlegt das Shakespeare-Stück „Richard III.“ ins heutige Berlin. Rashida ist Richard, nicht behindert sondern eine Frau. Die Sprache bleibt nah bei der Vorlage, nur vereinzelt fließen zeitgenössische Begriffe (vor allem Slang) ein. Die Inszenierung wird mit zunehmender Laufzeit stärker und stärker stilisiert, was gut zu Rashidas Zustand passt.
Kinostart: 8. Mai 2025
Perspektives
„Little Trouble Girls“
OT: „Kaj ti je deklica“, Slowenien/Italien/Kroatien/Serbien, 2025, Regie: Urška Djukić
Lucija besucht mit ihrem Mädchenchor für ein paar Probentage ein Nonnenkloster. Dort sehen wir eine Art Erweckungserlebnis, wobei das abrupter klingt, als es eigentlich gezeigt wird. Klar, Lucija ändert sich, wächst heran, gleichzeitig ist das keine radikale Abkehr von dem, was und wie sie vorher war.
Kinostart: unbekannt
„That Summer in Paris“
OT: „Le rendez-vous de l’été“, Frankreich, 2025, Regie: Valentine Cadic
Blandine, gerade 30, besucht Paris für die Olympischen Spiele, aber auch um ihre Halbschwester zu besuchen – das aber mit merklich weniger Enthusiasmus. Der Besuch der Olympischen Spiele klappt nicht so richtig, also muss sie sich mit ihrer Schwester auseinandersetzen. Die Kraft des Films liegt im Fokus auf und der Charakterisierung von Blandine, wie sie mit Menschen interagiert und wie durch ihre freundliche Oberfläche immer wieder durchscheint, wie anstrengend das auch sein kann.
Kinostart: unbekannt
Panorama
„Deaf“
OT: „Sorda“, Spanien, 2025, Regie: Eva Liberta
Die gehörlose Ángela (Miriam Garlo) und ihr hörender Partner Héctor erwarten ein Kind. Der Film zeigt Schwangerschaft und die frühe Elternzeit der beiden, insbesondere auch die Konflikte, die durch die Erwartungen der hörenden Gesellschaft an Ángela als gehörlose Mutter entstehen. Realismus, aber auch die Darstellung von Liebe sind dabei die treibende Kraft des Films, in dem es keine Bösewichte gibt, aber die Gesellschaft es Ángela trotzdem schwerer macht, als es sein müsste. Der Film gewann den Panorama Publikums-Preis – Spielfilm.
Kinostart: 30. Oktober 2025
„Home Sweet Home“
OT: „Hjem kaere hjem“, Dänemark, 2025, Regie: Frelle Petersen
Wir begleiten Sofie (Jette Søndergaard) dabei, wie sie ihre Arbeit in der häuslichen Pflege aufnimmt. Dabei blicken wir ähnlich wie bei „Heldin“ auch fast dokumentarisch auf ihren Alltag, „Home Sweet Home“ weitet den Blick aber verglichen mit „Heldin“ und zeigt auch die Auswirkungen der Arbeit auf Sofies Beziehung zu ihrer Tochter. Der Fokus liegt insgesamt weniger auf der Darstellung von Arbeitslast – wobei das natürlich bei jeder Darstellung von Pflege unvermeidlich ist – sondern eher auf der Darstellung zwischenmenschlicher (Arbeits-) Beziehungen und wie diese beflügelnd wirken, aber auch zerstörerisch sein können.
Kinostart: unbekannt
„Magic Farm“
OT: „Magic Farm“, USA/Argentinien, 2025, Regie: Amalia Ulman
Angelehnt an die Sitcom- und Comedy-TV-Ästhetik und -Sensibilitäten der 2000er erzählt der Film perfekt dazu passend die absurde Geschichte einer aus der Zeit gefallenen Truppe von Fernsehschaffenden, gestrandet in Argentinien auf der Suche nach einer Geschichte die irgendwie auf einen viralen Trend aufspringen möchte – notfalls eben indem sie sich einfach irgendwas ausdenken und die lokale Bevölkerung darin einspannen. Dabei übersehen sie alle tatsächlichen Geschichten, die berichtenswert wären.
Kinostart: unbekannt
„Lesbian Space Princess“
OT: „Lesbian Space Princess“, Australien , 2025, Regie: Emma Hough Hobbs, Leela Varghese
Der persönliche Animationsfilm erzählt eine fantasievolle Sci-Fi-Geschichte, die sich ganz um die queere Liebe und alle damit verbundenen Verlegenheiten, Gefühlen und Peinlichkeiten dreht. Dabei findet das Regie-Gespann einen sehr ansprechenden Look und mit viel Humor, Identifikationspotential und Sympathie ist man als Zuschauer:insofort eingespannt in die Geshichte. So überrascht es nicht, dass der Film einer der Festivallieblinge war und als Bester Spielfilm beim Teddy-Award ausgezeichet wurde.
Kinostart: unbekannt
„Peter Hujar’s Day“
OT: „Peter Hujar’s Day“, USA/Deutschland, 2025, Regie: Ira Sachs
Überraschenderweise wird im Film kein Tag nachgezeichnet, sondern der Film zeigt das Interview über den besagten Tag am Folgetag zwischen Fotograf Peter Hujar und Schriftstellerin Linda Rosenkrantz. Das Kammerspiel in Rosenkrantz Wohnung durchblickt man nur in seiner Gänze, wenn man die New Yorker Kunstszene der 70er- und 80er-Jahre wie seine Westentasche kennt. Doch auch ohne diesen Kontext ist der Film ansprechend und lässt das Publikum sehr detailliert in einen einzelnen Tag eines Menschen eintauchen.
Kinostart: unbekannt
Alle Gewinner
-
- Panorama Publikums-Preis – Spielfilm
„Deaf“ (OT: „Sorda“, Spanien, 2025, Regie: Eva Liberta) - Panorama Publikums-Preis 2024 – Dokumentarfilm & Amnesty International Filmpreis
„Die Möllner Briefe“ (Deutschland, 2025, Regie: Martina Priessner) - TEDDY-Award Bester Spielfilm
„Lesbian Space Princess“ (Australien, 2025, Regie: Emma Hough Hobbs und Leela Varghese) - TEDDY-Award Bester Dokumentar-/Essayfilm
„Satanische Sau“ (ET: „Satanic Sow“, Deutschland, 2025, Regie: Rosa von Praunheim) - Preis der Ökumenischen Jury
„The Heart Is a Muscle“ (Südafrika/Saudi-Arabien, 2025, Regie: Imran Hamdulay) - Preis der FIPRESCI-Jury
„Under the Flags, the Sun“ (OT: „Bajo las banderas, el sol“, Paraguay/Argentinien/USA/Frankreich/Deutschland, 2025, Regie: Juanjo Pereira - CICAE Art Cinema Award
„Deaf“ (OT: „Sorda“, Spanien, 2025, Regie: Eva Libertad) - Friedensfilmpreis
„Khartoum“ (Sudan/Vereinigtes Königreich/Deutschland/Katar, 2025, Regie: Anas Saeed, Rawia Alhag, Ibrahim Snoopy, Timeea M Ahmed, Phil Cox) - Label Europa Cinemas
„Hysteria“ (Deutschland, 2025, Regie: Mehmet Akif Büyükatalay)
- Panorama Publikums-Preis – Spielfilm
Generation
Dänemark/Spanien, 2025, Regie: Robin Petré
Der Film ist eine Beobachtung von Mensch und Natur in Galicien, Nordwestspanien. Es geht um Menschen und Pferde, aber auch die Feuer, welche die Gegend regelmäßig heimsuchen. Dabei kommen die Zuschauenden durch die statistische Kamera, die sich von der Gefahr der Flammen nicht beeindrucken lässt, den Flammen sehr nah.
Kinostart: unbekannt
OT: „Maya, donne-moi un titre“, Frankreich, 2025, Regie: Michel Gondry
Tochter Maya nennt einen Titel und Papa, Michel Gondry, dreht einen kurzen handgemachten Animationsfilm und nutzt dafür ganz viele verschiedene Animationstechniken. Die Filme sind allesamt ziemlich albern – so wie man das von im familiären Kontext erstellten kleinen Filmchen erwarten würde – und eine richtige Struktur (jenseits des Titel-Film-Dialogs) gibt es auch nicht. Trotzdem ist das Ganze ein kurzweiliger Spaß, der auch den anwesenden Kindern gut gefiel.
Kinostart: unbekannt
Alle Gewinner
Kinderjury von Generation Kplus
- Gläserner Bär für den Besten Film
„Maya, Give Me A Title“ (OT: „Maya, donne-moi un titre“, Frankreich, 2025, Regie: Michel Gondry) - Gläserner Bär für den Besten Kurzfilm
„Little Rebels Cinema Club“ (Regie: Khozy Rizal)
Jugendjury Generation 14plus
- Gläserner Bär für den Besten Film
„Sunshine“ (Regie: Antoinette Jadaone) - Gläserner Bär für den Besten Kurzfilm
„Wish You Were Ear“ (Regie: Mirjana Balogh)
Internationale Jury von Generation 2025
- Großer Preis der Internationalen Jury für den Besten Film in Generation Kplus
„The Botanist“ OT: „Zhi Wu Xue Jia“, Regie: Jing Yi) - Spezialpreis der Internationalen Jury für den Besten Kurzfilm in Generation Kplus
„Autokar“ (Regie: Sylwia Szkiłądź)
Internationale Jury im Wettbewerb Generation 14plus
- Großer Preis der Internationalen Jury für den Besten Film
„Christy“ (Regie: Brendan Canty) - Spezialpreis der Internationalen Jury für den Besten Kurzfilm
„Don’t Wake the Sleeping Child“ (OT: „Ne réveillez pas l’enfant qui dort“, Regie: Kevin Aubert)
geschrieben von Michael Kaltenecker
Quellen:
- Programm der „Berlinale“
- Website der Berlinale
- Wikipedia-Artikel über die Internationalen Filmfestspiele Berlin


