Sieben Fragen an Daniel Pineros

Doreen Kaltenecker
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Interview: Im Gespräch mit dem US-amerikanischen Regisseur Daniel Pineros konnten wir mehr über seinen Kurzfilm „Bisected“ erfahren, der im ‚Shock Block‘-Programm des 25. Landshuter Kurzfilmfestival 2025 lief, erfahren, wie die Idee dazu entstand, warum er sich für die Wüste als Motivgeber entschied und ob aus dem Kurzfilm auch ein Langfilm werden könnte.

The original english language interview is also available.

Wie ist die Idee zu Deinem Kurzfilm entstanden?

Die Idee, das Paranormale durch die Wissenschaft zu erklären, hat mich schon immer fasziniert. Als ich jünger war, habe ich an Geister geglaubt, aber ich habe auch versucht, ihnen einen Sinn zu geben – was wäre, wenn Geister keine Geister wären, sondern Menschen, die im selben Raum wie wir existieren, nur in einer anderen Dimension? Diese Idee blieb bei mir hängen.

Jahre später stand ich unter der Dusche und dachte an die Serie „Leftovers“. Ich hatte diesen Gedanken: Was wäre, wenn meine Frau plötzlich direkt vor meinen Augen verschwinden würde? Ich kombinierte diese Frage mit der alten Theorie der Geisterdimensionen, und so kam die Idee zustande.

Wie habt ihr es visuell umgesetzt?

Ursprünglich hatte ich das Drehbuch so geschrieben, dass es nachts spielt, in der Hoffnung, dass die Dunkelheit die Angst und die Spannung verstärken würde. Aber nach einem Kameratest wurde mir klar, dass die Nachteinstellung zu einschränkend war – dadurch wirkte alles kleiner und war schwieriger, filmisch einzufangen: Zu viele dunkle Räume mit zu wenig Details im Bild. Dann begann ich, mir Referenzen von Filmen anzusehen, die tagsüber in der Wüste spielen, und ich hatte das Gefühl, dass dies eine epische Wirkung hat und meiner Meinung nach einen höheren Produktionswert besitzt. Ich musste mich entscheiden, ob ich dieses Gefühl der Angst beibehalten oder mich auf einen visuell epischeren Look einlassen wollte. Am Ende entschied ich mich für das Ausmaß und die Atmosphäre, wobei ich „Sicario“ als Hauptbezugspunkt für den Ton verwendete.

Am Tag der Dreharbeiten spielte das Wetter verrückt – wir hatten Regen, schwere Wolken und strahlenden Sonnenschein, alles an einem Tag. Zum Glück hat unsere Koloristin Olha Korzhynska wahre Wunder vollbracht, um das Material zu vereinheitlichen und den Ton durchgängig konsistent zu halten.

Wo habt ihr gedreht?

Wir drehten in einer Stadt namens Lancaster, etwa eineinhalb Stunden nördlich von Los Angeles. Wir mieteten ein Stück Land in der Wüste, das uns als Basislager diente. Dazu gehörte auch ein Wohnmobil – hauptsächlich für den Zugang zu den Toiletten und zum Aufladen der Batterien. Wir hatten das Glück, einen Platz am Ende einer Straße zu finden, was die Sache logistisch sehr erleichterte. Da nicht viel Verkehr herrschte, konnten wir drehen, ohne zusätzliche Genehmigungen zu benötigen oder die Straße sperren zu müssen, was uns eine Menge Zeit und Stress ersparte.

Kannst Du mir etwas zur Wahl der Darsteller:innen erzählen?

Als ich mit dem Casting begann, habe ich mich gefragt: Wenn ich ein unbegrenztes Budget hätte, wen würde ich besetzen? Für die Rolle des Ben stellte ich mir jemanden wie Jake Gyllenhaal vor und für Mia kam mir Jessica Chastain in den Sinn. Auf dieser Grundlage habe ich dann die Art von Energie geformt, die ich für jede Figur suchte.

Schon früh stieß ich auf Natalies und Robins Self-Tapes – beide waren unter den ersten fünf Einsendungen, die ich sah. Natalies Leistung stach hervor, weil ihre Angst so geerdet und subtil war. Als sich der Spiegel von selbst bewegte, war der Schrecken in ihren Augen absolut glaubwürdig. Robin brachte die gleiche Authentizität mit – nichts wirkte gespielt oder erzwungen.

Als wir den Rückruf machten, verstanden sie sofort den Ton des Stücks. Sogar während der Leseprobe machten sie Vorschläge wie: „Ich glaube nicht, dass diese Figur das so sagen würde. Wie wäre es stattdessen damit?“ Diese Art von Engagement hat wirklich dazu beigetragen, das Material aufzuwerten. Letztendlich funktioniert der Film meiner Meinung nach, weil die Darsteller so geerdet und realistisch sind. Sie bringen die Geschichte auf den Punkt – und lassen sie ehrlich wirken.

In der Idee steckt viel Potential, was man zu einem Langfilm ausbauen könnte. Hast Du darüber nachgedacht?

Ja, absolut. Dieser Kurzfilm war immer als Proof of Concept für einen Spielfilm gedacht. Ich habe bereits das komplette Drehbuch geschrieben und bin gerade dabei, es zu vermarkten. Als ich den Kurzfilm drehte, wurde mir klar, dass einfach nicht genug Zeit war, um die Dynamik zwischen den Figuren voll auszuloten – wer sind sie? Woher kommen ihre Emotionen? Wie wird sich dieses Ereignis auf ihre Beziehung in der Zukunft auswirken?

Genau da setzt der Spielfilm an. Er taucht tiefer in die Beziehung der beiden ein und nutzt die Dimensionsspaltung als Metapher für die wachsende Distanz zwischen ihnen. Der Kurzfilm fungiert im Wesentlichen als Initialzündung. Der Spielfilm zeigt, was in den nächsten 48 Stunden nach dem Ende des Kurzfilms passiert, und erweitert die emotionalen und Sci-Fi-Elemente auf eine vielschichtige Weise.

Es war definitiv eine kreative Herausforderung, die Welt und ihre Regeln in einem längeren Format zu definieren, aber ich bin wirklich zufrieden mit dem Drehbuch. Es gibt bereits echtes Interesse von Produzenten, und ich bin zuversichtlich, dass wir den Film in den nächsten ein bis zwei Jahren realisieren können.

Kannst Du mir noch kurz erzählen, wie Du selbst zum Film gekommen bist?

Lego

Als ich zehn Jahre alt war, bekam ich ein „Spielberg LEGO Filmset“ geschenkt – es enthielt eine Stop-Motion-Kamera und Miniatursets, mit denen man seine eigenen Filme drehen konnte. Dieses Spielzeug hat mein Leben komplett verändert. Von diesem Moment an wusste ich, dass ich mit Hilfe des Films Geschichten erzählen wollte. Es fühlte sich weniger wie Arbeit und mehr wie ein Spiel an – und das tut es immer noch.

Ich studierte dann Regie in Florida und zog dann nach Los Angeles, um den nächsten Schritt zu machen. Ich hatte die Möglichkeit, neun Jahre lang als persönlicher Assistent eines Regisseurs zu arbeiten, wo ich die Besonderheiten der Branche kennenlernte – von der Erstellung von Budgets über das Schreiben von Treatments bis hin zum Anbieten von Projekten. Nebenbei habe ich angefangen, bei Musikvideos Regie zu führen, und bin schließlich dazu übergegangen, Drehbücher für Spielfilme zu schreiben und Kurzfilme zu drehen.

Im Moment konzentriere ich mich voll und ganz darauf, meinen ersten Spielfilm zu realisieren. Das ist mein Ziel, und ich werde nicht aufhören, bis es soweit ist.

Sind weiter Projekte geplant?

Im Moment liegt mein Hauptaugenmerk darauf, die Spielfilmversion von „Bisected“ zu realisieren – all meine Energie fließt in die Umsetzung. Gleichzeitig habe ich gerade die Postproduktion meines neuesten Kurzfilms „Don’t Watch This“ abgeschlossen, den ich jetzt bei Festivals einreiche. Es ist eine ganz andere Art von Geschichte, die aber immer noch Science-Fiction- und Horrorelemente enthält, also Themen, die mich von Natur aus ansprechen.

Außerdem befinde ich mich in der Vorproduktion für meinen nächsten Kurzfilm, den ich im Mai drehen möchte. Darin werde ich mit Animationselementen experimentieren – etwas Neues für mich und eine kreative Herausforderung, auf die ich mich sehr freue.

Die Fragen stellte Doreen Kaltenecker
Übersetzung von Michael Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Bisected


Interview: In our conversation with US director Daniel Pineros, we found out more about his short film „Bisected„, which was shown in the ‚Shock Block‘ program of the 25th Landshut Short Film Festival 2025, how the idea for it came about, why he chose the desert as a motif and whether the short film could also become a feature-length film.

How did the idea for your short film come about?

I’ve always been fascinated by the idea of explaining the paranormal through science. When I was younger I believed in ghosts, but I also tried to make sense of them — what if ghosts weren’t spirits, but people existing in the same space as us, just in another dimension? That idea stuck with me.

Years later, I was in the shower and I was thinking of the show „Leftovers“. I had this thought: what if my wife suddenly vanished right in front of me? I combined that question with the old ghost-dimension theory, and that’s how the idea came together.

How did you realize it visually?

I originally wrote the script to take place at night, hoping that darkness would heighten the fear and tension. But after doing a camera test, I realized the night setting was too limiting — it made everything feel smaller and harder to capture cinematically.  Too many dark spaces with not enough details in the image. Then I started looking at references of movies that happen in the desert during the day and I felt it brought an epicness to it, in my opinion it had a higher production valua. I had to choose between preserving that sense of fear or leaning into a more visually epic look. In the end, I chose scale and atmosphere, using Sicario as my main reference in tone.

The day of the shoot, the weather was all over the place — we had rain, heavy clouds, and bright sunshine all in one day. Thankfully, our colorist Olha Korzhynska worked some serious magic to unify the footage and keep the tone consistent throughout.

Where did you film it?

We filmed in a town called Lancaster, about an hour and a half north of Los Angeles. We rented a piece of land in the desert to use as our basecamp, which included a motorhome — mainly for bathroom access and charging batteries. We were lucky to find a spot at the end of a road, which made things much easier logistically. There wasn’t much traffic, so we were able to shoot without needing extra permits or having to close the street, which saved us a lot of time and stress.

Can you tell me about the choice of actors?

When I started the casting process, I asked myself: If I had an unlimited budget, who would I cast? For the role of Ben, I imagined someone like Jake Gyllenhaal and for Mia, Jessica Chastain came to mind. So I used that as a base to shape the kind of energy I was looking for in each character.

Early on, I came across Natalie and Robin’s self-tapes — both were among the first five submissions I saw. Natalie’s performance stood out because of how grounded and subtle her fear felt. When the mirror moved on its own, the terror in her eyes was completely believable. Robin brought the same authenticity — nothing felt performed or forced.

When we did the callback, they immediately understood the tone of the piece. Even during the table read, they contributed thoughtful suggestions like, “I don’t think this character would say it like that. What about this?” That kind of engagement really helped elevate the material.

In the end, I think the film works because of how grounded and real their performances are. They sell the story — and make it feel honest.

There is a lot of potential in the idea that could be developed in my feature-length film. Have you thought about it?

Yes, absolutely. This short film was always intended as a proof of concept for a feature. I’ve already written the full script and I’m currently shopping it around. While making the short, I realized there just wasn’t enough time to fully explore the dynamics between the characters — Who are they? Where are they coming from emotionally? How will this event affect their relationship moving forward?

That’s where the feature comes in. It dives deeper into their connection and uses the dimensional split as a metaphor for the growing distance between them. The short film essentially acts as the inciting incident. The feature will show what happens in the next 48 hours after the short film ends, it expands the emotional and sci-fi elements in a much more layered way.

It was definitely a creative challenge to define the world and its rules in a longer format, but I’m really happy with the script. There’s already been some genuine interest from producers, and I’m hopeful we’ll be able to get it made within the next year or two.

Can you briefly tell me how you came to filmmaking?

When I was 10, I got a “Spielberg LEGO movie set” as a gift — it came with a stop-motion camera and miniature sets where you could make your own movies. That toy completely changed my life. From that moment on, I knew I wanted to tell stories through film. It felt less like work and more like play — and it still does.

I went on to study filmmaking in Florida, then moved to Los Angeles to take the next step. I had the chance to work as a director’s personal assistant for 9 years, where I learned the ins and outs of the industry — from building budgets and writing treatments to pitching projects. Along the way, I started directing music videos on the side, and eventually transitioned into writing feature scripts and shooting short films.

Right now, my focus is fully on getting my first feature made. That’s the goal, and I’m not stopping until it happens.

Are there already more planned?

Right now, my main focus is getting the feature version of „Bisected“ made — all my energy is going into making that a reality. At the same time, I just wrapped post-production on my latest short film, Don’t Watch This, which I’ve started submitting to festivals. It’s a very different kind of story but still explores sci-fi and horror elements, which are themes I’m naturally drawn to.

I’m also in pre-production for my next short, which I’m aiming to shoot in May. This one will experiment with animation elements — something new for me, and a creative challenge I’m really excited about.

Questions asked by Doreen Kaltenecker

Read on the german review of the short film „Bisected

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