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Interview: Im Gespräch mit der deutschen Regisseurin Zoe Schmidt konnten wir mehr über den Kurzfilm „Im Kreis“ erfahren, der auf den 59. Hofer Filmtagen 2025 seine Deutschlandpremiere feierte. Sie erzählt, wie das Kreismotiv sowohl in der Geschichte als auch auf der visuellen Ebene zu finden ist, wie sie die Besetzung zusammengestellt hat und dass sie sich freut, Reaktionen von Kindern zu bekommen.
Der Film wird auf den bald stattfindenden 47. Filmfestival Max Ophüls Preis 2026 in der Kinder- und Jugendfilmreihe zu sehen sein.
Kannst du mir etwas zum Ausgangspunkt für deine Geschichte erzählen?
Ich hatte Lust einen Film mit Kindern und aus Kinderperspektive zu machen. Besonders die Gruppendynamik in Cliquen hat mich interessiert. Ich finde man merkt oft schon sehr schnell allein durch Beobachten, wer beliebt ist, wessen Meinung gehört wird, wer sich mehr anstrengen muss, um die Aufmerksamkeit der Anderen auf sich zu ziehen und wer nur geduldet wird oder nicht wirklich Teil der Gruppe ist. Das hat mich sehr fasziniert, weil ich es bei Kindern auf eine viel direktere Art wahrnehme als bei Erwachsenen, obwohl es oft ähnliche Mechanismen sind. Ich habe mich an eine Situation aus meiner eigenen Schulzeit erinnert, die der im Film nicht ganz unähnlich ist, und die mir, obwohl sie nicht sehr gravierend war, immer sehr präsent im Gedächtnis geblieben ist. Als ich mit Freund*innen darüber geredet habe, ist mir aufgefallen, dass jede*r mindestens eine solche Geschichte hat, auch wenn sie unterschiedlich heftig waren.
Auch wenn der Film gut für Erwachsene funktioniert, kann ich mir vorstellen, dass junge Menschen ihn noch mal ganz anders wahrnehmen. Hast du Reaktionen von Kindern erlebt? Gibt es danach Gesprächsbedarf?
Bis jetzt haben ihn vor allem die Kinder, die mitgespielt haben, gesehen. Und für die ist es dann natürlich vor allem aufregend sich im Film zu entdecken und sich auf großer Leinwand zu sehen. Bis jetzt ist der Film auch nur in Erwachsenensektionen gelaufen, deswegen freue ich mich umso mehr, dass „Im Kreis“ Anfang nächsten Jahres beim Filmfestival Max Ophüls Preis in der Kinder- und Jugendfilmreihe gezeigt wird. Im Anschluss an den Film sind Gespräche mit den jungen Zuschauer*innen geplant. Ich bin sehr gespannt, wie die Kinder den Film wahrnehmen, ob und was er bei ihnen auslöst.
Wie lange hattet ihr Zeit für die Umsetzung und wo habt ihr gedreht?
Das Casting der Kinder, die Förderungsanträge, das Finden der Schule und damit auch der Schulklasse, sowie das Schreiben und Anpassen des Drehbuchs hat mehrere Monate in Anspruch genommen. Wir haben im Frühling sechs Tage in Wien gedreht in der Schule GRG7 Kandlgasse während normaler Schulbetrieb war. Danach habe ich mit der tollen Editorin Anna Eber das Schneiden begonnen und dann hat sich dadurch circa einen Monat später noch ein Nachdreh von zwei Tagen auf dem Spielplatz, wo die Drehscheibe steht, ergeben. Die Postproduktion und der weitere Schnittprozess haben ein paar Monate gedauert.
Was lag euch visuell am Herzen?
Ein immer wiederkehrendes visuelles Motiv ist der Kreis. Das hat sich durch die Drehscheibe ergeben. Für mich war es im Schreibprozess sehr wichtig ein filmisches Motiv zu finden, dass die Thematik aufgreift. Wenn die beiden Hauptfiguren wie in der ersten Szene auf der Drehscheibe sitzen und die Kamera sich ebenfalls auf der Drehscheibe befindet, verschwimmt die Welt um die beiden herum, es existiert nur dieser Kosmos. Wenn die Kamera aber außerhalb der Drehscheibe steht und nur darauf schaut, dann sieht man Leute, die sich fortwährend im Kreis und damit um sich selbst drehen. Das fand ich eine passende Visualisierung für die sich wiederholenden Dynamiken und Strukturen und die sich im Lauf des Films verändernde Freundschaft der beiden. Nachdem ich die Drehscheibe als visuelles Motiv gefunden hatte, haben wir immer weiter nach Kreisen gesucht (wie zb. bei dem Beybladeturnier oder im Sportunterricht). Außerdem gibt es noch zwei Szenen, die mir filmisch sehr Spaß gemacht haben, zum Einen ist das die „Vulkanausbruchsszene“ und die „Orakelszene“. Es war mir sehr wichtig, die in die Dramaturgie mit einzuknüpfen.
Die Kinderdarstellerinnen spielen ihre Rollen großartig und überzeugend. Wie hast Du sie gefunden?
Die Hauptfigur wird von Rada Rae gespielt. Sie ist die kleine Schwester von Adriana Mrnjavac, einer Regisseurin und guten Freundin von mir. Rada ist ein Naturtalent, die schon jetzt sehr erfolgreich ist und bald im neuen Hunger Games Film eine größere Nebenrolle hat. Sie hat eine enorme filmische Präsenz, deswegen war die große Herausforderung ein Mädchen zu finden, die mit ihr mithalten kann, und bei der man versteht, wieso die beiden befreundet sind. Stella Refle, eine gute Freundin von mir, die Casting Director bei „Im Kreis“ war, hat gemeinsam mit mir via Facebook gesucht. Wir haben Castings veranstaltet. Pauline haben wir tatsächlich dann über die Schule, in der wir gedreht haben, gefunden. Ich habe mit einer Lehrerin gesprochen, ihr die Rolle beschrieben und sie gefragt, ob sie jemanden kennt, der Lust haben und passen könnte. Und da ist dann u.a. Paulines Name gefallen. Rada und Pauline haben sich sehr gut verstanden, was extrem toll und wichtig für den Film und das Spiel war. Die, die die Außenseiterin Miriam gespielt hat, ist eine Freundin und Klassenkameradin von Rada. Thomas, der das Orakel spielt, haben wir durch die Facebook-Castings gefunden. Die Referatsjungs sind Brüder und in einer Schauspielagentur. Die anderen Kinder im Film sind alle Teil einer Schulklasse. Pauline geht in die Parallelklasse, weswegen sie alle kannte und so vertraut mit allen Kindern war.
Kannst Du mir mehr von Dir erzählen und wie Du zum Film gekommen bist?
Ich bin schon als Kind sehr gerne ins Kino gegangen. Ich bin mit meinen Schulfreund*innen und unseren Eltern immer wenn die Berlinale lief in so viele Filme wie möglich der Generationssektion gegangen. Irgendjemand hat immer ganz viele Gruppentickets besorgt und wir sind an einem Tag in mehrere Filme gegangen. Es hat mich damals schon so fasziniert, dass das Kino eigene Welten erschaffen kann, in denen man sich selbst vergisst. Unter Regie konnte ich mir lange nichts vorstellen. Damals wollte ich eher Schauspielerin werden. Irgendwann habe ich mich dann aus Interesse informiert, was Regie zu machen eigentlich bedeutet. Ab da war ich Feuer und Flamme und wollte unbedingt auf eine Filmhochschule.
Sind bereits neue Projekte geplant?
Ich arbeite gerade an zwei Kurzfilmprojekten, die beide mehr episch als dramatisch sind. In Einem kommt auch ein Kind vor. Sonst sind beide Projekte, aber sowohl inhaltlich als auch filmisch sehr anders als „Im Kreis“.
Die Fragen stellte Doreen Kaltenecker
Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Im Kreis“







