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Interview: Im Gespräch mit dem deutschen Regisseur Lukas März konnten wir mehr über seinen Kurzfilm „Nebenan“ erfahren, der seine Premiere auf den 58. Internationalen Hofer Filmtagen 2024 feierte, warum er sich bei der Geschichte für einen waschechten Horrorfilm entschied und wie er Deep Fake dafür verwendet hat.
Wie ist die Idee zu Deinem Horror-Short entstanden?
Die Grundlage für den Film war beim ständigen Lesen der Nachrichten ein wachsendes Gefühl der Angst vor dem weltweiten Erstarken des Rechtsextremismus. Gleichzeitig hatte ich das Gefühl, in meinem Umfeld immer wieder Leute zu treffen, die dieses Problem klein redeten oder einfach nicht wahrhaben wollten. Irgendwann hatte ich die Idee, dass das Horror-Genre eigentlich der perfekte filmische Ausdruck für dieses Angstgefühl wäre. Und welches Horrorfilm-Monster könnte diese Angst besser repräsentieren als Adolf Hitler? So entstand die Prämisse eines Paars, das in eine neue Wohnung einzieht und von denen ein Partner nicht wahrhaben will, dass direkt nebenan Adolf Hitler wohnt.
In welchem Rahmen und über welchen Zeitraum ist Dein Film entstanden?
Der Film ist als freies Projekt entstanden. Ich arbeite seit Abschluss meines Studiums hauptsächlich als Autor, wollte aber auch wieder einmal einen kleinen Film selber umsetzen und hatte durch Preisgelder vergangener Kurzfilme ein wenig Geld zur Verfügung. Über unseren Kameramann Leander Hartung und unseren VFX-Artist Valentin Dittlmann kam außerdem eine Kooperation mit der HFF München zustande. Das Drehbuch habe ich im März 2024 geschrieben, Anfang Mai wurde dann schon an vier Drehtagen gedreht und dann bis Mitte August mit einigen Unterbrechungen, um nebenher auch noch die Miete verdienen zu können, geschnitten, gemischt und die visuellen Effekte erstellt. Im Oktober konnten wir dann Premiere bei den 58. Internationalen Hofer Filmtagen 2024 feiern. Alles in allem also ein relativ zügiges Projekt.
Die Wohnung ist perfekt für die Geschichte – wo und wie habt ihr die Location gefunden?
Tatsächlich gab es die perfekte Wohnung so, wie sie im Film erscheint, leider nicht. Wir haben an zwei verschiedenen Orten gedreht, der Hausflur wurde in einem Bürogebäude auf dem Münchner Großmarktgelände gedreht, die Wohnung des Paars und die Nachbarwohnung in einem leerstehenden Haus in Ramersdorf, das uns dankenswerterweise für den Dreh zur Verfügung gestellt wurde. Dort lagen die beiden Wohnungen in Realität allerdings gar nicht neben- sondern übereinander. Unser Szenenbildner Onno Gaissmaier hat uns deshalb einen „Durchgang“ in eines der Zimmer der oberen Wohnung eingebaut und die entsprechende Rückwand der unteren Wohnung oben noch einmal nachgebaut. Auch die Rückwand hinter den Wohnungstüren musste entsprechend dem tatsächlichen Hausflur auf dem Großmarktgelände nachgebaut werden. Mit Streichen, Ein- und Umräumen der Zimmer war tatsächlich ein Team von Ausstattung und Szenenbild mehrere Tage lang beschäftigt, um die Wohnung am Ende darzustellen.
Was lag euch visuell dabei am Herzen?
Für die Horrorfilm-Gestaltung war uns wichtig, dass viele Szenen wirklich dunkel sind. Manche nächtliche Einstellungen sind wirklich beinahe schwarz. Außerdem wollten wir immer wieder durch Einstellungen, die von weit her und aus merkwürdigen Ecken auf unsere Protagonisten herabschauen, das Gefühl erzeugen, beobachtet zu werden.
Die Darsteller:innen sind alle sehr gut ausgewählt – wie verlief das Casting?
Hauptdarsteller Nils Thalmann ist seit längerem ein guter Freund von mir und noch dazu ein fantastischer Schauspieler, an den ich bereits gedacht hatte, als ich noch im Prozess der Drehbuchentwicklung war. Sebastian Fink, der seinen Partner spielt, kam nach mehreren Gesprächen mit verschiedenen Kandidaten für die Rolle dazu, auch, weil er und Nils sich schon kennen und darum eine gute gemeinsame Dynamik zwischen den beiden bestand.
Jemanden zu finden, der den Nachbarn spielt, war eine besondere Herausforderung, da der Darsteller neben der schwierigen Aufgabe, die Rolle ohne Text und nur durch Haltung und Blicke zu spielen, auch damit einverstanden sein musste, dass sein Gesicht digital verändert würde. Ich bin sehr froh, dass Lars Krone sich letztlich auf dieses Experiment mit uns eingelassen hat – am Ende war sein Spiel als „Hitler“ am Set so unheimlich, dass wir schon darüber nachgedacht haben, ob es überhaupt eine digitale Verfremdung braucht. Mit Simone Oswald schließlich, die die Vermieterin spielt, habe ich schon bei Theaterprojekten an der Münchner Schauburg zusammengearbeitet und ich wollte schon länger mal mit ihr einen Film drehen.
Warum hast Du Dich dafür entschieden, Adolf Hitler als Deep Fake zu erschaffen?
Bei unserer Prämisse „Hitler wohnt nebenan“ hatten wir von Anfang an die Sorge, dass unsere Geschichte als Komödie oder Parodie missverstanden werden könnte. Wir wollten aber, dass dieser Film wirklich unheimlich wird. Deshalb wollten wir jeder unfreiwilligen Komik eines Schauspielers im Hitler-Kostüm vorbeugen und Hitler mittels Deep-Fake mit seinem eigenen Gesicht auftreten lassen. Mögliche „Glitches“, also Fehler in der digitalen Bearbeitung, kamen uns für das Unheimliche, das wir erzeugen wollten, dabei sogar zu Gute. Im Prozess, als wir merkten, wie einfach es heute ist, mithilfe von nur einem Foto einen Darsteller in jemand völlig anderen zu verwandeln, wurde uns dann auch die politische Ebene dieser Technik immer bewusster: Denn die Manipulation für politische Ziele ist mit Hilfe von KI-generierten Bildern heute so einfach wie nie, und es ist bekannt, dass gerade rechtsextreme Parteien im In- und Ausland diese Bilder bereits massiv für ihren Wahlkampf nutzen.
Kannst Du mir noch ein bisschen mehr von Dir erzählen und wie Du zum Film gekommen bist?
Ich wollte schon als Schüler immer gerne Geschichten schreiben und habe mich früh mit Theater aber auch mit ersten eigenen Kurzfilmen beschäftigt. Ich habe dann zunächst ein Studium der Germanistik begonnen, weil ich dachte, dass das am ehesten was mit Geschichten erzählen zu tun hat. Dort ging es dann aber logischerweise mehr ums Geschichten lesen, als darum, selber Geschichten zu schreiben. Deshalb habe ich mich an der HFF, der Filmhochschule in München für den Drehbuchstudiengang beworben. Dort habe ich dann alles Handwerkszeug fürs Filmemachen gelernt. Inzwischen habe ich mein Studium dort abgeschlossen und bin selbständig als Autor und Filmemacher tätig.
Sind bereits neue Projekte geplant?
Aktuell schreibe ich an einem Spielfilm-Drehbuch, für das ich eine Förderung vom bayerischen Film-Fernseh-Fonds bekommen habe. Auch sonst möchte ich dieses Jahr vor allem mit Stoffentwicklung verbringen, um dann tolle Drehbücher für eine Umsetzung zur Verfügung zu haben.
Die Fragen stellte Doreen Kaltenecker
Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Nebenan“