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Filmkritik: Der dritte Kurzfilm des aus Belarus stammenden und in Deutschland lebenden Filmemachers Pavel Mozhar, der seine Weltpremiere auf der 76. Berlinale 2026 im ‚Berlinale Shorts‘-Programm feierte und ebenfalls im Programm des 38. Filmfest Dresden 2026 zu sehen war, ist ein experimenteller Dokumentarfilm, der sich mit dem ländlichen Raum im Osten Deutschlands beschäftigt.
In einer verlassenen DDR-Produktionsstätte in der Uckermark sind noch alle Dokumente im Verwaltungsgebäude vorhanden und erzählen die Geschichte des Betriebs, welcher im Jahr 1991 geschlossen wurde. Auch finden sich dort über 400 Bewerbungen aus den Jahren 2004 bis 2008, als eine Wiederinbetriebnahme geplant war. Was erzählen sie von der Zeit nach der Wende und von dem Leben auf dem Land im Osten?
Pavel Mozhar, der in Belarus geboren und selbst im ländlichen Südosten Brandenburgs aufgewachsen ist und die Folgen der Wende als junger Mensch mitbekommen hat. In diesem Film beschäftigt er sich mit der Arbeitsmarkt-Situation in der Uckermark (Landstrich in Brandenburg) und zeigt, wie schwierig es sein kann, wenn man seine Heimat nicht verlassen will, um eine neue Stelle zu finden. Doch statt dies selbst dokumentarisch zu berichten, arbeitet er visuell und auditiv mit zwei Erzählebenen. Zu hören sind Auszüge aus den 400 Bewerbungen, die sie in dem ehemaligen Betrieb gefunden haben. Die Einzelgeschichten ergeben ein größeres Bild und machen die Lage und die damit einhergehenden Gefühle dahinter und die Stimmung auf dem Land greifbar.
Auf der visuellen Ebene fängt Mozhar zum einen den ehemaligen Betrieb ein und zum anderen portraitiert er Menschen aus der Umgebung. Mozhar entschied sich, die Bilder schwarz-weiß aufzunehmen und die Aufnahmen der Produktionsstätte gar auf den Kopf zu stellen. Die langsamen Kamerafahrten durch das Gebäude ohne sichtbaren Boden vermitteln eine gewisse Orientierungslosigkeit, was sich auch in der Geschichte der Bewerbungen widerspiegelt. Die Portraits arbeiten dagegen ausschließlich mit Nahaufnahmen der Gesichter und Hände. Instinktiv begreift man, dass die Hände für die Arbeit und das Leben stehen und der Blick in die Zukunft nicht unbedingt gewiss ist. Untermalt werden die Bilder von einer atmosphärisch dichten Musik.
Fazit: „Mit einem freundlichen Gruß“ ist der neueste Kurzfilm von Pavel Mozhar, der ohne eigenen Off-Kommentar nur mit den gefundenen Dokumenten und Aufnahmen einer ehemaligen Fabrik sowie Portraits von Menschen der Umgebung einen Kurzfilm über den ländlichen Osten und die dort stattfindende Regression schuf.
Bewertung: 4/5
Trailer zum Kurzfilm „Mit einem freundlichen Gruß“:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- Doreen Kaltenecker, ‚Sechs Fragen an Pavel Mozhar‘, testkammer.com, 2026
- Eintrag des Kurzfilms „Mit einem freundlichen Gruss“ bei der Berlinale
- Berlinale Shorts, ‚„Mit einem freundlichen Gruss“ (With a Kind Regard) / Interviews, press etc.‘ shortsblog.berlinale.de, 2026
- Curation Hour, ‚Berlinale 2026 – 76th Anniversary‘, curationhour.com, 2026