Acht Fragen an Kris Carr

Doreen Kaltenecker

Interview: Im Gespräch mit dem britischen Regisseur Kris Carr konnten wir mehr über seinen Kurzfilm „Grandma is thirsty“ erfahren, der im ‚Shock Block‘-Programm des 26. Landshuter Kurzfilmfestivals 2026 zu sehen war, wie die Idee einer gemeinsamen Stimme den Ausschlag gab, wie die 600-jährige Oma geschaffen wurde und ob der Kurzfilm ein Proof-of-Concept für einen Langfilm ist. 

The original english language interview is also available.

Harris Kiiza, Harrison Little und Jessie Johnson

Wie ist die Idee zu Deinem Horror Short entstanden? Hattest Du selbst unheimliche Freunde als Kind?

Die Idee entstand aus den Stimmen heraus. Ich dachte, es wäre gruselig, wenn zwei Kinder mit derselben Stimme sprechen würden – dann habe ich die Geschichte sozusagen rückwärts entwickelt, um herauszufinden, warum sie diese gruseligen Stimmen hatten. Wir hätten uns wahrscheinlich auch weniger seltsame Gründe ausdenken können, aber nun sind wir hier.

Ich weiß nicht, ob ich meine Freunde aus Kindertagen als gruselig bezeichnen würde – aber viele von ihnen waren ziemlich seltsam.

Wie hast Du die Stimmen der beiden Zwillinge verändert?

Die Stimme der Zwillinge stammt von Billy Herring. Billy hatte Stimmbandknötchen und wurde, soweit ich weiß, dreimal operiert, um diese entfernen zu lassen. Das Ergebnis ist, dass seine Stimme etwas hohl und leer klingt. Ich wollte, dass unklar bleibt, ob die Stimme von einem Mann oder einer Frau stammt – und ob sie von einem Erwachsenen oder einem Kind kommt –, und Billys Darstellung trägt wirklich zum unheimlichen Ton des Films bei.

Der Stil des Films ist fantastisch. Was lag euch visuell am Herzen?

Harris Kiiza, Harrison Little und Jessie Johnson

Wir wollten, dass der Film ein wenig zeitlos wirkt – so wie Oma selbst. Wir dachten uns, da Oma (und möglicherweise ihre ganze Familie) schon so lange leben würde, würden sie sich nicht sonderlich darum kümmern, mit den aktuellen Einrichtungstrends Schritt zu halten. Daher ist ihr Haus in der Vergangenheit stehen geblieben. Ihr Wohnzimmer stammt aus den 70er-/80er-Jahren, ihre Küche aus den 50er-/60er-Jahren. 

Aus filmtechnischer Sicht hielten wir komponierte, feststehende Einstellungen für den besten Weg, um das unheimliche Gefühl zu erzeugen, das wir anstrebten – indem wir die unangenehmen Momente zwischen den Figuren festhielten.

 Kannst Du mir zu den FX und dem Charakterdesign der Großmutter erzählen?

Harris Kiiza

Die Rolle der Großmutter spielt Matt Swift, der früher tatsächlich mit dem Produzenten des Films, Adam, zusammenlebte. Wir waren auf der Suche nach einem Darsteller für diese Rolle, und Adam meinte, dass Matt (mit nur ein bisschen Make-Up) einen hervorragenden 600-Jährigen abgeben würde, und er hatte recht.

Die Prothesen wurden von Ashle Powell modelliert und von Will Harvey und seiner Assistentin Lucy Loannou von Monster FX aufgebracht. Sie verwendeten eine Technik, die es so aussehen lässt, als wäre Omas Haut so alt, dass sie mumifiziert wirkt. Sie fertigten eine 3D-gedruckte Büste von Matts Kopf an und modellierten die Prothese darauf. Es war sehr cool, ihn so gealtert zu sehen. Auch die Kinder fanden es toll, das zu beobachten.

Auch lebt der Kurzfilm von der großartigen Besetzung – allen voran den Kinderdarstellern. Kannst Du mir über Deinem Cast und über den Casting-Prozess berichten?

Ich glaube, wir haben für diesen Film so ziemlich jede Casting-Website in Großbritannien durchforstet. Es war eine knifflige Aufgabe, Kinder zu finden, die für die ungewöhnliche Rolle der Zwillinge geeignet waren. Harrison und Jessie, die wir schließlich gecastet haben, sind eigentlich keine Zwillinge (könnten es aber definitiv sein!). Bei einer Leseprobe haben wir herausgefunden, dass sie sich schon einmal begegnet waren und für die TV-Show „Task Master“ als Zwillinge vorgesprochen hatten – irgendwie cool. Dann mussten wir eine ältere Version unserer Hauptfigur finden, die von Harris gespielt wird. Wir haben jede Casting-Website durchforstet und festgestellt, dass es in Großbritannien zwei Personen gab, die überzeugend als ältere Version von Harris durchgehen konnten. Wir hatten also großes Glück, dass Nigel zugestimmt hat, bei dem Film mitzumachen!

Könntest Du Dir vorstellen, die Geschichte in einem Langfilm weiter auszubauen?

Harris Kiiza, Harrison Little und Jessie Johnson

Ja, auf jeden Fall. Ich arbeite gerade daran, daraus einen Spielfilm zu machen. Ich bin sehr zufrieden mit dem Konzept. Ich finde, Oma und ihre Familie sind lustige und ungewöhnliche Horror-Bösewichte – ich würde gerne mehr von den Figuren sehen und die Geschichte sowie die Welt in einem Spielfilm weiter ausbauen.

Kannst Du mir noch ein bisschen mehr zu Dir erzählen und wie Du zum Film gekommen bist?

Mit 12 habe ich angefangen, Filme zu drehen – zusammen mit zwei Freunden, einer billigen Videokamera und vielen Eimern Kunstblut. Bei unseren „Dreharbeiten“ waren wir immer so voll davon, dass meine Mutter uns erst mit dem Schlauch abspritzen musste, bevor wir wieder ins Haus durften. Und ich habe einfach nie wirklich damit aufgehört.

Sind bereits neue Projekte geplant?

Wie ich schon sagte, arbeite ich gerade an der Entwicklung von „Grandma“ als Spielfilm. Ich habe noch ein paar andere Spielfilmkonzepte, an denen ich ebenfalls arbeite. Alle sind Horrorfilme mit einem Hauch von Komik.

Die Fragen stellte Doreen Kaltenecker
Übersetzung von Michael Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Grandma is thirsty


Interview: In our conversation with British director Kris Carr, we learned more about his short film “Grandma is thirsty”, which was screened in the “Shock Block” program of the 26th Landshut Short Film Festival 2026, how the idea of a shared voice was the deciding factor, how the 600-year-old grandmother was created, and whether the short film serves as a proof of concept for a feature film. 

How did the idea for your horror short come about? Did you have any spooky friends yourself as a child?

The idea started with the voices. I thought it would be creepy if two kids spoke with the exact same voice – then I sort of reverse engineered the story around why they had the creepy voices. Probably less weird reasons we could have gone with.. but here we are.

I don’t know if I’d call any of my childhood friends spooky – but a lot of them were pretty weird…

How did you alter the voices of the twins?

The voice of the twins is Billy Herring. Billy had vocal nodes, and I believe has had three surgeries to have them removed. The result is his voice sounding a bit hollow and empty. I wanted it to sound ambiguous whether the voice was male or female – and coming from an adult or child – Billy’s performance really helps with the film’s uncanny tone.

The film’s style is fantastic. What was important to you visually?

We wanted the film to feel a bit timeless – kind of like Grandma herself. We thought that as Grandma (and potentially her whole family) have all lived for so long, they wouldn’t be too bothered about keeping up with all the current interior design trends… so their house is stuck in the past. Their living rooms are from the 70s/80s, their kitchen is from the 50s/60s. 

From a cinematography standpoint, we thought the best way to create the uncanny feeling we were going for was composed, lock-off shots – holding on to the uncomfortable moments between characters.

Can you tell me about the FX and the character design of the grandmother?

Grandma is played by Matt Swift – who actually used to live with the film’s producer Adam. We were looking for an actor to play the role, and Adam thought that (with just a little bit of make-up) Matt could make an excellent 600 year old… turns out he was right.

The prosthetics were sculpted by Ashle Powell and applied by Will Harvey and his assistant Lucy Loannou from Monster FX. They used a technique that makes it look as if Grandma’s skin is so old it looks mummified. They made a 3D printed bust of Matt’s head and created the sculpture on top of it. It was very cool to see him all aged up. The kids loved watching it too.

The short film also thrives on its great cast, especially the child actors. Can you tell me about your cast and the casting process? 

I think we exhausted pretty much every UK casting site for this film. We had a tricky task finding kids that would fit the unusual twins role. Harrison and Jessie, who we ended up casting, aren’t really twins  (But definitely could be!) –  We found out during a table read that they had met before and auditioned to be twins for the TV show Task Master – kind of cool. Then we had to find an older version of our lead played by Harris. We went through every casting site and discovered that there were two people in the UK who could convincingly pass as an older version of Harris. So we’re very lucky Nigel agreed to be a part of the film!

Could you imagine expanding the story into a feature film?

Yes, definitely. I’m developing it into a feature at the moment. I’m really happy with the concept. I think Grandma and her family make for some fun and unusual horror villains – I’d love to see more of the characters and expand the story and world into a feature.

Can you tell me a little more about yourself and how you got into filmmaking?

I started making films when I was 12 with two mates, a cheap camcorder, and many buckets of fake blood. We’d get so covered in it during our “shoots” that my mum would have to hose us off before we were allowed back in the house. And I just never really stopped… 

Are there any new projects in the works?

Like I said, I’m currently developing Grandma in a feature. I’ve got a couple of other feature concepts I’m developing too. All are horror’s with a streak of comedy to them.

Questions asked by Doreen Kaltenecker

Read on the german review of the short film „Grandma is thirsty

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