- „Winkie“ (2025) - 28. April 2026
- Sechs Fragen an Pavel Mozhar - 27. April 2026
- „Mit einem freundlichen Gruß“ (2026) - 27. April 2026
Filmkritik: Der kanadische Kurzfilm „Winkie“ von Daniel Duranleau, der im Genre-Programm des 26. Landshuter Kurzfilmfestivals 2026 zu sehen war und dort seine Europapremiere feierte, ist ein Monsterfilm und gleichzeitig ein Film über das Vater-Sein.
Nachdem ein Wanderer verunglückt ist, bleibt seine kleine Tochter (Arlette Dubreuil) zurück. Ein Monster (Martin Dubreuil), das dies beobachtet, nimmt sie bei sich auf und wird zu ihrem Vater. Als junge Frau (Éléonore Loiselle) brennt sie darauf, die Welt und vor allem andere Menschen kennenzulernen, aber ihr Dad beteuert immer wieder, wie gefährlich das sei und dass sie lieber in der Höhle bleiben solle.
Trotz klarer Genre-Bezüge und mit einem Monster in der Hauptrolle, ist der Film in seinem Kern eine Coming-of-Age-Geschichte einer jungen Frau, welche aus dem heimischen Nest ausbrechen will. Dabei übt das Monster enormen Druck auf die junge Frau aus. Dies ist vor allem dem Beschützerinstinkt geschuldet, zeigt aber auch eine gewisse Übergriffigkeit, die sich im Verhalten auch auf die Tochter überträgt. Aufgrund des bisher geführten ‚Monster‘-Lebens gibt es hier noch weitere Probleme, welche ein Aus-dem-Heim-Ausbrechen verkomplizieren. Die menschliche Sprache sowie menschliche Gepflogenheit sind ihr nicht vertraut und das merkt man dann auch in der ersten Begegnung mit einer älteren Frau. Hier bedient sich der Regisseur und Drehbuchautor Daniel Duranleau, der die Geschichte seinem Vater gewidmet hat, eines Kniffes. Die menschliche Sprache ist für sie und auch für das Publikum ein Kauderwelsch. Das fängt gut ein, wie es sich anfühlt, nicht kommunizieren zu können und viele Verhalten als Bedrohung wahrzunehmen.
Dass dies so gut funktioniert, liegt auch an dem hervorragenden Spiel aller Darstellenden. Mit Éléonore Loiselle fand er eine talentierte Hauptdarstellerin, der man gerne auf ihrem steinigen Weg zur Eigenständigkeit folgt. Die Locations – es wurde in der Umgebung von Montreal gedreht – sind hervorragend ausgewählt und sehr passend zu dem wilden Monsterdesign und dessen Rohheit. Auch das Kostümdesign und die analogen Effekte schmiegen sich gut an. So kann man jetzt schon auf den dritten Film von Duranleau gespannt sein, der damit seine Monster-Trilogie nach „Mizbrük“ (2015) und „Winkie“ beenden wird.
Fazit: „Winkie“ ist ein Kurzfilm von Daniel Duranleau und der zweite Teil seiner Monster-Trilogie. Er schafft es hier gelungenen die Rohheit der Natur, das Fantastische des Monsterfilm-Genres mit einer Coming-of-Age-Geschichte zu vereinen und fand dafür nicht nur die stimmigen Drehorte, sondern auch hervorragende Darsteller:innen.
Bewertung: 4/5
Trailer zum Kurzfilm „Winkie“:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- Doreen Kaltenecker, ‚Sieben Fragen an Daniel Duranleau‘, testkammer.com, 2026
- Eintrag des Kurzfilms „Winkie“ beim Landshuter Kurzfilmfestival
- Eintrag des Kurzfilms „Winkie“ beim Distributor La Distributrice
- Paolo Kagaoan, ‚CFF 2026: Our Review of Homegrown Shorts 1‘, intheseats.ca, 2026
