Fünf Fragen an Drew MacDonald und Savannah McDaniel

Regisseur Drew MacDonald

Interview: Im Gespräch mit dem australischen Regisseur Drew MacDonald konnten wir mehr über die Entstehung seines Kurzfilms „Here there be monsters“ erfahren, wie das Monster zum Leben erweckt wurde und welche Interpretationshilfe er den Zuschauern für das Ende mit auf den Weg gibt. Zudem hatten wir das Glück der 13-jährigen Schauspielerin und Hauptdarstellerin des Films Savannah McDaniel ebenfalls ein paar Fragen stellen zu dürfen.

The original english language interview is also available.

Erzähl mir zu den Ursprüngen deines Kurzfilms „Here there be monsters“.

Poster des Kurzfilms „Here there be monsters“

Die Geschichte zu „Here there be monsters“ wurde im wesentlichen von einer lebenslangen Liebe zu Monsterfilmen inspiriert, kombiniert mit einem Nachrichtenartikel, den ich über ein junges Mädchen las, das auf der Busfahrt nach Hause eingeschlafen ist und für ein paar Stunden festsaß. Diese beiden Ideen sind einfach zusammengeprallt und fühlten sich an, als wären sie ein guter Ausgangspunkt für eine klassische Kurzhorrorgeschichte. Aber wie jeder gute Horrorfilm wollten wir, dass der Film ein tieferes Motiv erforscht, so dass er sich zu einer Erkundung und Aufarbeitung des Traumas des Mobbing entwickelt hat, hoffentlich in einen Film verpackt, der immer noch ein eindringlicher und aufregender Monsterfilm ist. Wir hatten auch unglaublich viel Glück, dass unsere lokale Förderorganisation in Australien, Screen Queensland, aufstrebende Filmemacher unglaublich unterstützt und sie haben eine Kurzfilminitiative, die uns die Unterstützung und Ressourcen gab, um den Film zum Leben zu erwecken.  

Ich hatte eine Vorführung mit ein paar Freunden. Und sie mochten den Film auch sehr, waren aber über das Ende verwirrt. Vielleicht kannst du ein paar Worte sagen, um es zu erklären?

Ich persönlich fühle mich von Geschichten angezogen, die es dem Publikum ermöglichen, seine eigenen Schlüsse zu ziehen, was das Ziel mit unserem Ende war, also zögere ich, eine abschließende Antwort zu geben. War das Monster echt oder war das Monster die ganze Zeit ein Teil von Elki? Das ist eine Frage, die wir dem Publikum stellen wollten, deshalb durchbrechen wir am Ende die vierte Wand und lassen Elki in der letzten Aufnahme direkt auf das Publikum schauen. Für mich ist das die Frage für das Publikum. Bist du ein Monster oder ein Opfer in deinem eigenen Leben? Warst du der Tyrann, das Opfer oder vielleicht beides?

Warum habt ihr euch dafür entschieden ohne Dialoge zu arbeiten?

Savannah McDaniel & Toby Barron

Ohne Dialog zu arbeiten war zu Beginn des Projekts eigentlich kein Ziel, aber als ich die Geschichte schrieb, schien es einfach der richtige Weg zu sein. Die Geschichte fühlte sich an, als könnte sie wie ein Stummfilm spielen, und die Tatsache, dass wir eine so emotionale Reise durch Visuals, Sound und Musik erzählen konnten, wurde zu einer Herausforderung, die wir alle annahmen. Wir hatten auch schon frühere Filme auf Festivals auf der ganzen Welt gezeigt und wussten, dass das Fehlen einer Sprachbarriere dem Film eine größere Chance geben würde, ein breites Publikum zu erreichen, was mit dem Film erreicht wurde, der auf der ganzen Welt – natürlich einschließlich Deutschland – gespielt wurde, worüber wir nicht begeisterter sein könnten.

Hast Du Vorbilder im Kopf gehabt bei der Umsetzung und der Geschichte selbst?

Eines der Dinge, weswegen ich mich als Kind in das Filmemachen verliebte, war die Kunst und das Handwerk, das hinter der Kamera geschah. Ich liebte es, Filmmagazine zu lesen oder DVD-Kommentare zu hören, um zu erfahren, welche Tricks Filmemacher benutzten, um ein Publikum dazu zu bringen, ihr Misstrauen zu überwinden, so dass sie in eine Geschichte eintauchen konnten, egal wie fantasievoll sie war. Filme, welche praktische Effekte verwenden, wie „American Werewolf in London“, „The Fly“, „The Thing“ und in jüngster Zeit die „Lord Of The Rings“-Trilogie sowie Guillermo del Toros‘ Arbeit, hatten einen großen Einfluss auf mich als Zuschauer und auch als Filmemacher.

Das Setting ist absolut großartig und unheimlich. Kannst Du mir davon und Dreharbeiten erzählen?

Savannah McDaniel

Wir drehten den Film über drei lange Nächte in einem lokalen Transportdepot, das wir hier in Queensland fanden. Die Crew und die Besetzung arbeiteten wirklich lange Stunden tief in die Dunkelheit der Nacht, um den Film zu realisieren. Unser Production-Designer Joe Tiernan und Kameramann Josh Zaini und ihre jeweiligen Teams verdienen eine große Anerkennung dafür, dass sie den Film zum Leben erweckt haben. Vor allem die letzte Gassensequenz war nur ein Stück Gras mit einem Zaun, den Joe in unser kleines Schrottplatzlabyrinth verwandelte, das man gegen Ende des Films gesehen haben. Es war also eine gemeinsame Anstrengung vieler Leute, für die wir unglaublich dankbar sind.  

Ich liebe das Monster. Erzähl mir mehr über seine Entstehung.

Die Anerkennung für unser Monster geht an Steve Boyle und Toby Barron, die es entworfen und gebaut haben (Toby spielte auch das Monster). Steve und Toby sind zwei der besten SFX-Designer in Australien und ich bin seit langem ein großer Fan ihrer Arbeit. Als sich die Gelegenheit ergab, einen Monsterfilm zu machen, hätte ich nicht erfreuter sein können, mit ihnen zusammenzuarbeiten. Die Idee war, ein wirklich klassisches Monster zu erschaffen, das aus der Phantasie eines Kindes entstand, aber auch den inneren Kampf darstellt, den Elki im Laufe des Films erfährt. Es gibt also viele wirklich interessante Details, die Steve und Toby in sein Design aufgenommen haben, die auf eine breitere Mythologie hinweisen, die ihn selbst zu einem Zwerg oder Opfer macht. Er hat sich die Finger gebrochen und hässliche Wucherungen, die vor räudigem Haar und Haut platzen, und all das nährt hoffentlich die Verbindung zwischen Elki und dem Monster im Laufe der Geschichte – sie sind beide Produkte ihrer Umgebung. Wir arbeiteten dann mit einem erstaunlichen Beatboxer [Anm. d. Red. Musiker, der rhythmische Geräusche mit Mund, Nase und Rachen imitiert] namens Tom Thum zusammen, der eine ganze Sammlung von seltsamen und wunderbaren Sounds kreierte, die unsere Sound-Designer Erin McKimm und Pete Christie überlagert und gemischt und tagelang postproduziert haben, um die schreckliche endgültige Fusion zu schaffen, die man im Film sieht und hört.

Erzähl mir mehr über Savannah McDaniel. Wie hast Du sie gefunden und wie war es mit ihr zu arbeiten?

Savannah McDaniel

Savannah ist ein totales Bündel von Energie und Freude und hat die gesamte Crew während der Dreharbeiten zu ihren größten Fan gemacht. Der Film hätte ohne sie einfach nicht funktioniert, also hatten wir unglaublich viel Glück, sie zu finden. Wir hatten offene Castings in Brisbane und hatten etwa 100 Kinder, die herein kamen, aber Savannah hat uns einfach umgehauen. Sie konnte auf eine wirklich authentische Verwundbarkeit zugreifen, die für die erste Hälfte des Films bei der Schaffung von Empathie für die Figur entscheidend war, aber dann konnte sie auch den Übergang schaffen, der die zweite Hälfte des Films antreibt und Elkis Widerstandsfähigkeit und Entschlossenheit zeigt, die alle zu dem herzzerreißenden tragischen Schluss führten – den sie meiner Meinung nach hervorragend hinbekommen hat. Mit nur 13 Jahren einen Film ohne Dialog so nuanciert allein durch den Ausdruck tragen zu können, spricht wirklich für ihr Talent und ihre harte Arbeit, so dass wir es kaum erwarten können, was sie als nächstes macht!

Kannst Du zum Schluss noch ein paar Worte über Dich erzählen und wie es bei Dir weitergehen wird?

Ich arbeite daran, in den nächsten zwölf Monaten den Schritt in meinen ersten Spielfilm zu wagen und habe ein paar Dinge in Bewegung, die wir leider noch nicht bekanntgeben können, aber hoffentlich werden wir bald große Neuigkeiten verkünden können.

Regisseur Drew MacDonald & Hauptdarstellerin Savannnah McDaniel

Wir hatten auch die Möglichkeit der Jungdarstellerin Savannah McDaniel Fragen zu stellen.

Savannah, wie war es für Dich, in diese Rolle zu schlüpfen?

Es war eigentlich sehr schwierig. Sich ständig darauf vorbereiten zu müssen, die Szenen mit hohen Emotionen zu bewältigen, war sehr anstrengend.

Deine Angst ist so spürbar – wie hast Du Dich so gut in sie hineinversetzen können?

Da ich vor Ort war und das Monster sah, war es leicht, mir diese Situation im wirklichen Leben vorzustellen. Schauspielern ist wie das Reisen in die Vorstellungskraft und das Blockieren aller Aktivitäten, die um einen herum ablaufen. Drew hat mich als Regisseur toll unterstützt und ist mit mir ständig die angsterfüllten Situationen in meinem Kopf durchgegangen.  

Hattest Du vorher schon Erfahrungen mit Horrorfilmen?

Savannah McDaniel

Nein, dies war mein erster, aber ich hoffe, mehr zu drehen, ich habe die Herausforderung wirklich genossen.

Wie würdest Du persönlich das Ende des Kurzfilms erklären?

Ich denke, das Monster repräsentiert den Mobber in meinem Unterbewusstsein und ich hatte gerade genug von allem.

Mobbing kann schädliche Auswirkungen auf Menschen haben, nicht dass das meine Handlungen entschuldigt, aber ich stelle mir vor, dass sie am Ende nicht stirbt.

Hast Du schon neue Projekte, an denen Du arbeitest?

Ich bin derzeit in LA und mache ein paar Vorsprechen in der Endrunde für Spielfilme, so dass es vielleicht bald ein großes Projekt geben wird. Ansonsten fliege ich diese Woche nach Hause, um Teil eines weiteren kurzen Horrorfilms in Vorbereitung auf das Blood Fest, ein Musikvideo und eine kleine Rolle im Spielfilm zu sein.

Die Fragen stellte Doreen Matthei
Übersetzung Michael Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Here there be monsters


Interview: In our conversation with the Australian director Drew MacDonald we were able to learn more about the making of his short film „Here there be monsters„, how the monster was brought to life and what help he can give the audience for interpreting the ending. Furthermore, we were also happily able to ask the 13-year-old leading actress of the movie Savannah McDaniel a few questions as well.

Tell me about the origins of your short film „There be monsters“.

The story for „Here there be monsters“ was essentially inspired by a life long love of monster movies combined with a news article I read about a young girl who fell asleep on the bus ride home and ended up trapped for a few hours. Those two ideas just smashed together and felt like they’d be a great starting point for a classic short horror story. But, like all good horror we wanted the film to explore a deeper theme so it developed into exploring and highlighting the trauma of bullying, hopefully all wrapped up in a film that is still a visceral and thrilling monster movie. We were also incredibly lucky that our local funding body in Australia, Screen Queensland, is incredibly supportive of emerging filmmakers and they were running a short film initiative which gave us the support and resources to bring the film to life.

When talking with others about your film some were confused by the ending. Maybe you could help them understand it?

I’m personally attracted to stories that allow audiences to draw their own conclusions which tat was the goal with our ending so I’m reluctant to give my definitive answer.  Was the monster real or was the monster part of Elki all along? This is a question we wanted the film to ask the audience, which is why we break the fourth wall at the end and have Elki look directly to the audience in the final shot. To me, this is a question for them.  Are you a monster or a victim in your own life? Have you been the bully – the victim – or possibly both?

Why did you decide to work without dialogues?

Working without dialogue wasn’t actually a goal when we began the project, but as I wrote the story it just seemed the right way to go.  The story felt like it could play like a silent movie and the fact that we could tell such an emotional journey through visuals, sound, and music became a challenge we all embraced. We’d also had previous films play at festivals around the world and knew that not having a language barrier would give the film a greater ability to reach a wide audience which has been achieved with the film playing all over the world – obviously including Germany – which we couldn’t be more excited about.

Did you have role models in mind for the realization and the story itself?

One of the things that made me fall in love with filmmaking as a kid was the art and craft that happened behind the camera. I loved reading film magazines or listening to DVD commentaries to learn which tricks filmmakers used to make an audience suspend their disbelief enough to fall into a story no matter how fantastical. So films that embraced practical SFX like American Werewolf in London, The Fly, The Thing, and more recently the Lord Of The Rings trilogy and Guillermo Del Toros’s work have had a huge impact on me as an audience member and also as a filmmaker.

The setting is absolutely great and scary. Can you tell me about it and the shooting?

We shot the film over three long nights at a local transport depot that we found here in Queensland.  The crew and cast all worked really long hours deep into the dark of night to bring the film together. Our Production Designer, Joe Tiernan, and DOP, Josh Zaini, and their respective teams deserve a huge amount of credit for bringing the film to life. The final alleyway sequence in particular was just a piece of grass with a fence which Joe transformed into our little junkyard labyrinth that you saw towards the end of the film.  So it was a combined effort from a lot of people that we’re incredibly grateful for.

I really love the monster. Tell me more about its creation.

The credit for our Monster rests with Steve Boyle and Toby Barron who designed and built him (Toby also played the monster).  Steve and Toby are two of the top SFX designers in Australia and I’ve been a huge fan of their work for a long time so when the opportunity came up to do a monster movie I couldn’t have been more excited to work with them.  The idea was to create a really classic monster that would stem from a child’s imagination, but also one that represented the inner struggle that Elki undergoes through the film. So there are a lot of really interesting details that Steve and Toby incorporated into his design that hint at a wider mythology making him something of a runt or victim himself. He has broken fingers and hideous growths bursting forth with mangy hair and skin and all of this hopefully feeds into the connection between Elki and the monster over the course of the story – they’re both products of their environment.  We then worked with an amazing beat boxer named Tom Thum who created a whole library of strange and wonderful sounds which our sound designers, Erin McKimm and Pete Christie, layered and mixed and post produced for days and days to create the horrifying final amalgamation that you see and hear in the film.

Tell me about Savannah McDaniel. How did you find her and how was it to work with her?

Savannah is a total bundle of energy and joy and made the whole crew her biggest fan through the course of the shoot. The film simply wouldn’t have worked without her so we were incredibly luck to find her.  We held open auditions in Brisbane and had about 100 kids come in, but Savannah simply blew us away. She was able to access a really authentic vulnerability which was key to the first half of the film in creating empathy for the character, but then she also was able to deliver the transition that drives the second half of the film showcasing Elki’s resilience and determination all leading to the heartbreakingly tragic conclusion – which she again nailed in my opinion.  Being able to carry a film through expression alone without any dialogue in such a nuanced way at only 13 years old really speaks to her talent and hard work so we can’t wait to see what she does next!

Can you say a few words about yourself at the end and what will happen next?

I’m working towards taking the step into my first feature film in the next twelve months and have a few pieces in motion which we unfortunately can’t share just yet, but hopefully we’ll be able to announce some big news soon.

We had the opportunity to ask actress Savannah McDaniel questions:

Savannah, how was it for you to slip into that role?

It was very difficult actually, constantly having to prepare myself to work the scenes with high emotions was very draining.

Your fear is so palpable – how did you put yourself in her shoes so well?

Being in the location and seeing the monster it was easy to imagine myself in that situation in real life. Acting is like transporting into your imagination and blocking out all the action going on around. I also had amazing Direction from Drew who constantly talked me through the fearful situations in my mind.  

Have you had previous experiences with horror movies?

No, this was my first, but i hope to do more, i really enjoyed the challenge.

How would you personally explain the end of the short film?

I think the monster represents the bully in my subconscious and i just had enough.

Bullying can have harmful effects on people, not that that excuses my actions, but i also like to think she doesn’t die.

Do you have any nice new projects you are working on?

I am currently in LA doing a couple of final round auditions for feature films, so crossing fingers there may be a big project coming soon. Other than that i fly home this week to be part of another Short Horror in preparation for Blood Fest, a music video and a small role in feature film.

Questions asked by Doreen Matthei

Read on the german review of the shortfilm „Here there be monsters

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