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22.-27. Oktober 2024 / Scala, Central Kino, Regina
Festivalbericht: Die Internationalen Hofer Filmtage ist eines der großen Festivals in Deutschland für deutschsprachige Produktionen und weltweite Independent-Produktionen, und fand in diesem Jahr bereits zum 58. Mal statt. Dabei wurden unter der Leitung von Thorsten Schaumann 290 Produktionen aus 13 Ländern gezeigt. Am Ende wurden zwölf Trophäen an neun Filmschaffende vergeben.
Langfilme
Gleich drei Preise – den Förderpreis Neues Deutsches Kino, den Hofer Kritiker Preis für die beste Regie und den Bild-Kunst Förderpreis für das beste Szenenbild – erhielt der Kurzfilm „Jupiter“ von Benjamin Pfohl. Das Spielfilmdebüt erzählt die Coming-of-Age-Geschichte einer jungen Frau, deren Eltern einer Sekte beigetreten sind. Bereits 2019 hat Pfohl darüber einen Kurzfilm realisiert und wurde dafür mit Preisen ausgezeichnet. Der Pharos Shiver Screen Award 2024, der jedes Jahr einen Kurzfilm oder einen ersten oder zweiten Langfilm eines Filmschaffenden auszeichnet, ging an den französischen Spielfilm „Waiting for the Night“ von Céline Rouzet. Auch dieser Film ist eine Coming-of-Age-Geschichte, von einem Heranwachsenden, der wegen seines Blutdursts immer außen vor bleibt. Aber als er die Nachbarstochter kennenlernt, wünscht er sich, aus dem Schatten zu treten und weitere Begehrlichkeiten werden geweckt. „Vereinzelt Sonne“ (Regisseur: Lucas Dülligen), der den Friedrich-Baur-Goldpreis für die beste Regie gewann, erzählt ein Jugenddrama, bei dem ein junger Drogensüchtiger einfach nicht wieder in die Spur findet. Auch der Spielfilm „Mels Block“ von Mark Sternkiker erzählt von dem Erwachsenwerden und der Macht der Selbstbehauptung. Sein Ausgangsidee, dass eine Selfmade-Millionärin ihren ehemaligen Plattenbau kauft, ist Stoff für eine Komödie, aber der Film entpuppt sich schnell als einfühlsames Jugendportrait von einem Leben in den Plattenbauten des Rostocker Stadtviertels ‚Groß Klein‘.
Der Film erhielt den Bild-Kunst Förderpreis für das beste Kostümbild. Auch „Die feige Schönheit“ vom Filmemacher und Musiker Moritz Krämer („Die höchste Eisenbahn“) ist ein Coming-of-Age-Drama und zudem ein Portrait der Generation Z, welche bereits in ausgewählten Kinos gestartet ist. Der Hofer Kritiker Preis für die Beste Produktion 2024 ging zurecht an Christoph Schwarz für „Sparschwein“. Darin berichtet er, wie schon in seinem früheren Film in hybrider Form von seinem Jahr, in dem er sich dem Geld verweigert hat. Dieser Film wirft viele Fragen auf, betrachtet den Klimaaktivismus von einer anderen Seite und ist äußerst leichtfüßig, humorvoll und unterhaltsam. Auch sehr persönlich ist der Gewinner des Granit Hofer Dokumentarfilmpreises: Die Regisseurin Ella Hochleitner besucht in ihrem Film „Trog“ mit ihrer Tanten und Onkeln das Haus deren Kindheit, wo sie sich an die frühere Zeit, die Familie und insbesondere die Mutter erinnern. Zudem wurde der Filmpreis der Stadt Hof 2024 an Peter Goedel („Talentprobe“, der auch im ‚Classic‘-Programm des Festivals lief) und der Hans-Vogt-Filmpreis an die Musikerin und Komponistin Annette Focks („Poll“, „Wunderschön“) vergeben.
Kurzfilme
Auch 63 Kurzfilme waren auf dem Festival im Programm. Der Jury-Kurzfilmpreis ging an „Shut up and Suffer“ der Schauspielerin und Regisseurin Emma Bading, die auch noch mit dem Kurzfilm „Domesticated“ und als Schauspielerin in „The Man from Rome“ auf dem Festival vertreten war. In ihrem ausgezeichneten Kurzfilm macht sie die Absurdität eines Schwangerschaftsabbruchs in Deutschland klar, indem sie zwei Außerirdische in diese Situation schickt. Auch andere Kurzfilme nutzen das Genre, um von realen Ängsten zu erzählen, wie der Horrorfilm „Nebenan“ und der Angst vor dem erstarkenden Rechtsradikalismus. Aber auch Filme wie „Heartware“ und „Immaculata“ zeigen geschickt ihr Händchen für Genre und lassen die menschliche Botschaft dahinter hervorblitzen. Auf ganz andere Weise steht das Zwischenmenschliche im Mittelpunkt der Mockumentary „Sechshundert Warm“. Aber auch anderen Themen wie Naturschutz- und verbundenheit stehen im Zentrum diverser Film: So erzählen z.B. auf sehr unterschiedliche Weise der Animationsfilm „Freak of Nature“ und das Drama „Elegy for a Glacier“ davon. Auch bei den Kurzfilmen gab es einige Coming-of-Age-Geschichten: „Reiss Dich zusammen“ erzählt vom Sich-Trauen, „Merci La Familie“ vom Loslösen von der Familie und „Fish and Cheese“ von einer zarten Jugendfreundschaft in Essayform. Der auch für Kinder gut funktionierende „Schwarzmoll“ bringt rüber, wie es sich für Kinder anfühlt, wenn die Großeltern an Demenz oder ähnliche Krankheiten erkranken.
Unter den Kurzfilmen waren auch Dokumentarfilme mit verschiedenen Ansätzen vertreten. So konnte man u.a. den Film „Lost in Helsinki“ von und mit Sara Fazilat sehen, die darin berichtet, wie ihr verboten wurde, in die USA einzureisen. Ihr Doku-Stil bleibt nah an ihr dran und sie erzählt von ihren Erfahrungen, teils unterstützt von Animationen. Auch der Film „Die Kurve“ von Alina Cyranek bleibt nah an seinen Protagonist:innen dran und zeigt drei Gruppen von Fans bei ihren Lieblings-Fußballvereinen in Leipzig. Dabei muss sie nie das Spiel zeigen, um das Miterleben perfekt einzufangen. Der Kurzfilm „Seagulls“ von Susanne Komorek und Robert Schulzmann erzählt als Performance-Doku von den Kriegserlebnissen eines ukrainischen Künstlers. Abgerundet wurde das Kurzfilmprogramm mit einer Sonderfilmreihe der Regie-Duos Harriet und Peter Meining, die u.a. Filme wie „Der Kopf der Katze“ und „Eden 3030“ realisiert haben.
Fazit: Auch die 58. Ausgabe der Hofer Filmtage bot wieder eine gelungene Mischung aus Kurz- und Langfilmen und Spiel- und Dokumentarfilmen. Dabei ist die Bandbreite wie gewohnt groß. Von ernst bis humorvoll, von persönlich bis global und über verschiedene Genres war alles dabei. Besonders freut man sich darüber, die Debüts oder neue Filme von bereits liebgewonnenen Regisseur:innen entdecken zu können.
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- Website der Internationalen Hofer Filmtage
- Wikipedia-Artikel über die Internationalen Hofer Filmtage