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Filmkritik: Der deutsche Spielfilm „Babystar“ von Joscha Bongard ist ein konsequenter Blick auf die aktuelle Gesellschaft, den Umgang mit den Sozialen Medien und wohin sich das womöglich in den nachfolgenden Generationen entwickeln kann.
Die 16-jährige Luca (Maja Bons) steht seit ihrer Geburt zusammen mit ihren Eltern Stella (Bea Brocks) und Chris (Liliom Lewald) im Rampenlicht. Diese haben ein Family-Social-Media-Business auf YouTube gegründet und bringen alles in die Öffentlichkeit. Auch als Luca mit der neuen Schwangerschaft hadert, wird das als Thema online angesprochen. Darauf beschließt die Teenagerin, aus ihrem goldenen Käfig auszubrechen und ein eigenes Leben und eine eigene Karriere zu starten. Doch sich von ihren Eltern, dem Geld und den gesamten Strukturen zu lösen, ist schwieriger als sie dachte.
Der erste Lang-Spielfilm von Joscha Bongard, der bereits mit seinen Kurzfilmen und der Dokumentation „Pornfluencer“ (2022) auf sich aufmerksam gemacht hat, erzählt nach einem gemeinsamen Drehbuch mit Nicole Rüthers von einem zeitaktuellen Thema. Obwohl das Drehbuch schon vor einigen Jahren geschrieben wurde, wirkt der Stoff wie unmittelbar aus der Gegenwart. Wie reagieren Kinder, die heranwachsen, darauf, dass sie Teil einer sozialen Welt sind, bei der sie nie die Möglichkeit hatten, sich aktiv dafür oder dagegen zu entscheiden? Bongard fängt diese ganz auf schöne Bilder produzierende Familienidylle treffsicher ein. Er schafft es, mit nur wenigen Szenen zu vermitteln, wie das Leben dieser Familie in den letzten Jahren aussah, und welche Veränderungen das in den Abläufen und Strukturen mit sich brachte. Natürlich birgt das auch viele Annehmlichkeiten, doch genauso verhindert es eine natürliche, weniger perfekt wirkende Entwicklung von Kindern und familiären Bindungen. Die ganze Zeit schwingt die Frage mit, was tun wir unseren Kindern an, wenn wir sie aktiv zum Inhalt von Social Media machen? Ab wann beginnt ein aktiver Missbrauch ihrer Rechte und man zerstört nachhaltig eine natürliche Entwicklung?
Umgesetzt ist das alles in einem gelungenen Spielfilm, der auch auf unterhaltsame Weise diese wichtigen, zeitaktuellen Themen näherbringt und mit vorausschauenden Übertreibungen und Zuspitzung serviert wird. Die meiste Zeit spielt der Film in dem elterlichen Vorstadthaus, das mit seinen überstilisierten Räumen wie aus dem Katalog wirkt. Auch die anderen Schauplätze des Films vermitteln das Gefühl des Eingesperrtseins. Als Luca ausbricht und in ein Hotel flieht, scheint sie kein neues Leben zu beginnen, sondern in bekannte Welten und Umstände zu flüchten. Die Rollen sind alle großartig verkörpert – allen voran von der Jungdarstellerin Maja Bons als Luca, die die Rolle der verwöhnten, aber eingesperrten Influencer-Tochter perfekt auszufüllen mag. Sie verkörpert wunderbar den Spagat zwischen Puppenhaftigkeit, echten Gefühlen und dem Erwachsenwerden unter diesem Druck. Die Kamera fängt alles ganz ohne Social-Media-Ästhetik ein und bleibt dabei nah an Luca. Auf sprachlicher Ebene bedient sich der Film eines weiteren Kniffs. Jegliche Marken- und Produktnamen werden ausgepiepst, dabei geht es nicht darum, diese geheim zu halten, sondern das Publikum darauf aufmerksam zu machen, wie weit diese Markennennung bereits im Alltag verflochten ist und gar nicht mehr als Werbung auffällt. Hinzu kommt die Musik von Jonas Vogler, mit dem Bongard schon bei den letzten drei Projekten zusammengearbeitet hat, die sehr mysteriös und bedrückend die Szenen untermalt.
Fazit: „Babystar“ ist der erste Spielfilm von Joscha Bongard, der sich auf gelungene Weise mit den Sozialen Medien als Berufsweg und wie die eigenen Kinder dabei ebenfalls zum Produkt werden, beschäftigt. Cineastisch inszeniert, hervorragend besetzt und mit beunruhigender Musik untermalt, spielt Bongard einen Fall durch, bei dem die Teenager-Tochter versucht, sich aus diesem Hamsterrad zu befreien und stellt damit die richtigen Fragen.
Bewertung: 4/5
Trailer zum Film „Babystar“:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- Doreen Kaltenecker, Neun Fragen an Joscha Bongard‘, testkammer.com, 2026
- Eintrag des Films „Babystar“ beim Filmfestival Max Ophüls Preis
- Eintrag des Films „Babystar“ auf der Website des Regisseurs Joscha Bongard
- Eintrag des Films „Babystar“ bei der Produktionsfirma Liselottefilms
- Wikipedia-Artikel über den Film „Babystar“
- Laserhotline, ‚BABYSTAR – Im Gespräch mit Joscha Bongard‘, youtube.com, 2025
- Studentenfilm „Babystar“ läuft beim Filmfestival Toronto – Über Kidfluencer auf Social Media, in: Podcast ‚SWR Kultur – Aktuelle Kulturbeiträge‘, 15.09.2025.


