„Nouvelle Vague“ (2025)

Doreen Kaltenecker
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Filmkritik: Im März starten gleich zwei Spielfilme des amerikanischen Regisseurs Richard Linklater in den deutschen Kinos. In beiden Filmen widmet er sich realen Biographien. Während er in „Blue Moon“ von dem Musicalschreiber Lorenz Hart berichtet, beschäftigt er sich in „Nouvelle Vague“ mit dem Regisseur Jean-Luc Godard und dem Dreh von „Außer Atem“ (1960). 

Nachdem bereits sein Freund und Mitstreiter bei der Cahiers du Cinéma – François Truffaut (Adrien Rouyard) – seinen ersten Film mit Erfolg herausgebracht hat, ist es nun an Jean-Luc Godard (Guillaume Marbeck) seinen ersten Spielfilm zu drehen. Dabei liegt ihm eine andere, freiere Art des Filmemachens am Herzen. Zusammen mit Truffaut wird ein Drehbuch geschrieben, was für die entsprechenden Geldgeber sorgt. Für die Hauptrollen werden der noch unbekannte Jean-Paul Belmondo (Aubry Dullin) und die Amerikanerin Jean Seberg (Zoey Deutch) engagiert. Drehen wollen sie vor allem auf den Straßen von Paris, der Ton soll später dazu kommen und um Continuity kümmert sich Godard auch nicht. Immer wieder kommt das Projekt ins Stocken. Kann so ein Meisterwerk entstehen?

Guillaume Marbeck und Aubry Dullin

Cineasten und Kenner der Nouvelle Vague können diese Frage mit einem deutlichen „Ja“ beantworten. „Außer Atem“ (OT: „À bout de souffle“) aus dem Jahr 1960 gehört zu den großen Filmen dieser Generation von Filmschaffenden. Die Nouvelle Vague war eine einflussreiche Bewegung des französischen Kinos in den 50er und 60er Jahren mit Regisseuren wie Claude Chabrol, François Truffaut und Éric Rohmer und Jean-Luc Godard. Der Letztgenannte hat sich mit seinem Debütfilm „Außer Atem“ und späteren Filmen wie „Elf Uhr Nachts“ (1965) in das cineastische Gedächtnis eingeschrieben. Der Film war rebellisch und wurde auf kreative Weise realisiert und gefilmt. Was genau das alles ausmacht, erzählt nun der Spielfilm von Richard Linklater, der damit auch seine Liebe zum europäischen Kino dieser Zeit ausdrückt. Während in den USA womöglich die Namen und die Filme eher unbekannt sind, ist der Film hier in Deutschland bestens aufgehoben, da man als Kinoliebhaber:in Namen und Gesichter sowie Filme und Referenzen kennt und nachvollziehen kann. Linklater schuf, trotz der Vorstellung der Protagonist:innen durch die Einblendungen von Namen, aber vor allem einen Film für Freunde der Nouvelle Vague und der Kinogeschichte. Doch auch ohne Vorwissen ist der Film unterhaltsam und kann im besten Fall das Interesse an den früheren Filmen wecken. 

Guillaume Marbeck, Zoey Deutch und Aubry Dullin

Nicht nur inhaltlich zitiert Linklater, sondern auch auf formaler Ebene: Der Film wurde komplett in Schwarz-Weiß und auf 35mm gedreht, übernimmt die dynamische Kameraarbeit und verwendet das gleiche Format (1,37:1). Auch entschied sich der Regisseur dafür, vor allem mit französischen Darsteller:innen zu arbeiten und fand mit Zoey Deutch eine Amerikanerin, die Jean Seberg mit ihrem bunten Sprachmix und mit ihrer in der Stimmung schwankenden Laune perfekt zu verkörpern weiß. In der darstellenden Riege fallen zudem besonders Guillaume Maulbert als Godard und Aubry Dullin als Belmondo auf. Die Spielfreude aller passt in cineastischer Hinsicht perfekt zu der Energie der Veränderung und des Aufbruchs jener Zeit. Dabei sind die Figuren keineswegs durchweg sympathisch oder nahbar, aber das müssen sie auch nicht sein, damit das Publikum einen Zugang zu dieser Zeit und zu dieser kreativen Schaffenswelt erhält. Linklater setzt mit „Nouvelle Vague“ dieser filmischen Bewegung ein wunderbares, lebendiges Denkmal und schafft es dabei gleichermaßen unterhaltsam zu sein, wie sich akribisch seinem Vorbild zu nähern. Dafür wurde der Film auch mit einer Golden Globe Nominierung als Bester Film – Komödie oder Musical bedacht. 

Aubry Dullin und Zoey Deutch

Fazit: „Nouvelle Vague“ ist ein Spielfilm von Richard Linklater, der auf unterhaltsame Weise von der Entstehung des Klassikers „Außer Atem“ erzählt. Dabei schafft er es, mit Liebe zum Detail und der Übernahme der formalen Aspekte, die Zeit und das Leben der Gruppe junger Filmschaffenden wunderbar aufleben zu lassen und verbeugt sich so vor dieser cineastischen Kinoströmung Frankreichs der 1950er und 1960er Jahre. 

Bewertung: 4/5

Kinostart: 12.03.2026

Trailer zum Film „Nouvelle Vague“:

geschrieben von Doreen Kaltenecker

Quellen:

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