„Klassentreffen! – Mit den Hits der 90er“ (Boulevardtheater Dresden)

Musikalische Komödie von Michael Kuhn und E.B. Marol / Termine bis einschließlich 09.05.2026, sowie vom 03.06.2026 – 28.06.2026, vom 03.09.2026 – 27.09.2026, sowie vom 24.05.2027 – 20.06.2027 / Eintritt ab 23€
Theaterkritik: Hach ja, die 90er. Das Jahrzehnt der Wiedervereinigung Deutschlands, der Schulterpolster, des Tamagotchis und des Gameboys. Der Musiksender Viva startete durch und Eurodance kam in Mode. Und damit war das Jahrzehnt natürlich, genau wie jedes Jahrzehnt zuvor, mit einer gewissen Musik geprägt, die aber natürlich auch weit über Eurodance hinaus ging. Regisseur Olaf Becker und Textbuchschreiber Michael Kuhn, die schon u.a. italienischen Songs (Azzurro), DDR-Hits (Die Legende vom heißen Sommer), deutschem Liedgut (Mädelsabend) und den 80ern (Die Fete endet nie) ein Denkmal setzten und damit fast immer das Boulevardtheater bis auf den letzten Platz gefüllt haben, haben sich nun endlich auch diesem Jahrzehnt angenommen und mit „Klassentreffen“ wohl den nächsten großen Theaterhit fürs Haus geschaffen. Die 90er leben wieder.

Robert Jentzsch

Hannes Sell, Sammy Szkopiak, Katharina Eirich, Stefanie Bock, Philipp Richter, Tim Schultheiss, Norbert Conrads, Annika Bruhns und Olaf Becker

Die Story dreht sich, wie es der Titel schon andeutet, also um ein Klassentreffen, dass sich auf einem Campingpatz abspielen soll. Dort hat die Klasse im Jahr 2000 schon die Abschlussfeier vollzogen, warum also nicht auch ein Klassentreffen. Eingeladen ist dabei auch der beliebte Klassenlehrer Dr. Specht, sowie die Campingplatzbetreiberin und ihr Sohn. Einige Klassenkameraden, wie die flippige Nicki, der etwas kindische Pit, der eher nerdige Thommy, die Klassenbeste Lena, sowie die fröhliche Claudia sind schon da um alles vorzubereiten. Und am Lagerfeuer werden dann Geschichten aus der Vergangenheit hervorgekramt. Der Trip in die 90er kann beginnen.

Robert Jentzsch

Stefanie Bock, Katharina Eirich, Tim Schultheiss, Annika Bruhns, Norbert Conrads, Hannes Sell, Philipp Richter, und Sammy Szkopiak

Und damit ein Musikerlebnis, das vor allem Kindern der 90ern einen Flashback nach dem anderen bereiten dürfte. Ob „Saturday Night“ von Wigfield, „Die da“ von den Fantastischen Vier oder „Hyper Hyper“ von Scooter. An jeden großen Hit wurde gedacht, der die 90er prägte. Auch große Rock- und Pop-Baladen wie Sinéad O’Connors „Nothing Compares 2 U“ dürfen nicht fehlen, genauso wie der Stottersong „Scatman“ von Scatman John. Und wenn mit „Circle of Life“ dann auch dem Disneyfilm der 90er überhaupt „Der König der Löwen“ gehuldigt wird, ist sogar Gänsehaut garantiert.

Robert Jentzsch

Sammy Szkopiak, Philipp Richter, Stefanie Bock, Katharina Eirich und Hannes Sell

Sowieso wird auch mit vielen Details in der Inszenierung und der Geschichte an die 90ern erinnert. Z. Bsp. lesen die Figuren allesamt einen Brief an sich selbst vor, den sie seinerzeit an ihr heutiges Ich geschrieben haben. Außerdem werden natürlich auch Dinge wie Gameboy, Tamagotchi und Schnullerketten erwähnt und auch die Gefühle der damaligen Generation wird sehr gut herübergebracht. Und weil ein Klassentreffen natürlich nicht nur aus 5 Klassenkameraden sowie dem Lehrer funktionieren kann, wird am Ende auch das Publikum in das Geschehen mit einbezogen.

Robert Jentzsch

Regisseur Olaf Becker bei der Präsentation des Bühnenbilds

Das Bühnenbild ist, wie bereits erwähnt, ein Campingplatz, denn gerade in den 90ern war Camping so populär wie nie. Ein bisschen in die Moderne gezogen wird das Ganze dabei durch die Tatsache, dass aus dem Camping- ein Glampingplatz wurde, sprich hier nicht in einfachen Zelten übernachtet wird, sondern in etwas moderneren und aufgepäppelten Behausungen. Marlis Knoblauch, die dieses Bild entworfen hat, hat wirklich ganze Arbeit geleistet und einen Glampingplatz erschaffen, in das sich das Publikum sofort verliebt. Vielleicht eines der schönsten Bühnenbilder überhaupt in letzter Zeit.

Robert Jentzsch

Sammy Szkopiak, Philipp Richter, Stefanie Bock, Katharina Eirich und Hannes Sell

Und damit die 90er Partystimmung auch so richtig ins rollen kommt und die Musikauswahl in passendster Form in das Stück eingearbeitet wird, dafür sieht sich einmal mehr Andreas Goldmann verantwortlich. Der Wahl-Dresdner mit der Goldkehle und dem Musikverständnis eines professionellen Maestros, hat schon viele Stücke an verschiedenen Häusern veredelt und vor allem am Boulevardtheater werden diese jedesmal mit großer Begeisterung aufgenommen. Es ist eine Kunst die sicher nicht jeder beherrscht, doch „Goldi“, sowie er von seinen Fans und Freunden genannt wird, macht seinen Namen einfach alle Ehre.

Robert Jentzsch

Sammy Szkopiak, Katharina Eirich, Norbert Conrads und Stefanie Bock

Vorgetragen und performt wird das Ganze dabei dann von einigen der beliebtesten Darstellern des Hauses aber auch von neuen Gesichtern. Stefanie Bock, Katharina Eirich, Sammy Szkopiak und Philipp Richter gehören schon seit vielen Jahren fest zu den gefeierten Gesichtern des Hauses und beweisen hier einmal mehr, was für großartige Künstler sie sind. Vor allem wenn ein jeder seinen Solomoment hat, schließt man jeden von Ihnen wieder ins Herz. Hannes Sell und Tim Schultheiss ergänzen dazu die Riege der „Schüler“ perfekt und passen bestens ins Ensemble. Die größte Gänsehaut erzeugen jedoch Annika Bruhns und Norbert Conrads. Beide ebenfalls das erste Mal auf der Bouli-Bühne zu erleben, will man sie nie wieder loslassen. Vor allem wenn Bruhns den großen Cher-Song „Strong Enough“ und Conrads „Time to say Goodbye“ schmettert, rastet das Publikum aus vor Begeisterung. Zwei wirklich ganz große Stimmen, die Olaf Becker hier für sein Haus gewinnen konnte.

Unterm Strich ist „Klassentreffen“ jedenfalls genau das geworden, was Fans der Musikstücke aus dem Hause Boulevardtheater erwarten dürfen. Ein Stück das erneut den Saal zum Kochen bringen wird. Ein Werk voller nostalgischer Momente, großartiger Musikperformances und einem geliebten 90er-Hit nach dem anderen. Alles verbunden mit einer wunderbaren Geschichte, die einen an sich selbst erinnert wie man so in der Zeit aufgewachsen ist, vor allem dann, wenn man eben ein Kind dieser Zeit ist. Ein neuer Dauerbrenner ist jedenfalls garantiert.

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