„Der betrunkene Sachse: Nüchtern betrachtet war’s betrunken besser“ (Boulevardtheater Dresden)

Soloprogramm nach Olaf Böhme, von und mit Thomas Kaufmann / Termine: 15.06.2026 (ausverkauft), 11.10.2026, 10.01.2027, 28.03.2027 jeweils 19:30 Uhr (am 28.03.2027 auch 15:00 Uhr)

Theaterkritik: Olaf Böhme galt als einer der erfolgreichsten und beliebtesten Mundart-Komiker Sachsens. Auch heute noch bringen seine Geschichten, Gedichte und Lyrics noch Landesweit die Menschen zum Lachen. Vor allem seine Figur des betrunkenen Sachsen Paul gehört zu den Bekanntesten seiner Werke. Thomas Kaufmann, Schauspieler und Entertainer, der vor allem am Boulevardtheater Dresden seine Wirkung hat, ist seit Kindheitstagen ein großer Fan von Böhme. Schon öfters hat er auf Feierlichkeiten Gedichte und Sketche des Komikers zum besten gegeben. Vor gut 5 Jahren hat Kaufmann dann seinem Idol ein ganzes Solostück gewidmet und mit „Mein Freund der betrunkene Sachse“ Paul ganz in den Mittelpunkt gestellt. Der Erfolg war riesig, so dass nun mit „Nüchtern betrachtet war’s betrunken besser“ die konsequente Fortsetzung seine Premiere fand.

Robert Jentzsch

Thomas Kaufmann

Erneut schlüpft Kaufmann in die Rolle von Paul, der steht’s betrunken gerade vom Klo zum Stammtisch zurückkehrt, nur um festzustellen, dass seine Freunde ihm mit der Rechnung allein zurückgelassen haben. Im Publikum findet er nun jedoch eine Menge von Menschen, die ihm zuhören und so erzählt er ihnen wieder einmal von seinen Problemen. Vor allem von seinem ewigen Leid mit „Do Muddi“, die ihn nach vielen Jahren Ehe aus heiterem Himmel verlassen hat. Er berichtet vom allein sein, von seinen Kindern (der Dicken, dem Langen und der Großen) und eben von seinen Gedanken zu Gott und die Welt. Und wir hören ihm dabei nur zu gerne zu.

Robert Jentzsch

Thomas Kaufmann

Wie schon bei „Mein Freund der betrunkene Sachse“ performt Kaufmann dabei den betrunkenen Sachsen ganz im Sinne des großen Olaf Böhme. Wie es sich gehört schaut das Hemd raus, ist einer der Ärmel hochgeschlagen und die Krawatte zwar umgelegt aber nicht geknüpft. Meistens sitzt er dabei auf einem der Stühle und steht immer wieder auf und rennt auf das Publikum zu, wenn ihm irgend etwas Großes einfällt, was ihm gerade so in den Sinn gekommen ist. Für gut 120 Minuten torkelt und lallt Kaufmann dabei vor sich hin und das Publikum biegt sich vor lachen. Zumal die Sprüche ganz und gar deftiger Natur sind und bei manchem wohl gar einen Kloß im Hals hängen lassen. „Sie hat 5 Kilo abgenommen – Doch bei ihr ist das so als wenn von einem Panzer das Nummernschild abfällt“, ist dabei noch einer der harmloseren Sprüche. Man darf auf alle Fälle nicht allzu empfindlich sein, wenn man Paul zuhört. Doch am Ende ist und bleibt Paul einer der sympathischsten Stinkstiefel, den die sächsische Comedylandschaft je hatte.

Robert Jentzsch

Thomas Kaufmann

Das Bühnenbild ist dabei gewohnt schlicht gehalten worden, jedoch mehr als ausreichend. Während es im ersten Stück eine Parkbank war, auf der Paul auf seinen Freund Olaf wartete, ist es nun ein Kneipentisch, an dem er vor sich hin philosophiert. Musikalisch wird das Ganze nur von einem gelegentlichen „Aux Champs-Elysées“ unterbrochen. Warum das so ist, sieht man sich aber am besten selbst im Theater an.

Kurzum, Thomas Kaufmann ist mit seiner erneuten Verbeugung vor Olaf Böhme wieder einmal ein absoluter Knaller gelungen. 120 Minuten ununterbrochenes Lachen, das lediglich von einer 20 minütigen Pause kurz unterbrochen wird. Freunde sächsischer Mundartkomik, sowie Olaf Böhme und/oder Thomas Kaufmann, kommen an diesem Highlight nicht vorbei. Hier dürfte sich auch Böhme von seiner Wolke aus den Bauch halten vor Lachen. Denn in Kaufmann lebt sein Geist unvermittelt weiter. Danke dafür!

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