Villa Sonnenschein“ (Comödie Dresden)

Musicalcomedy von Thomas Matschoß (Text), Heiko Wohlgemuth (Songtexte) und Martin Lingnau (Musik) / Termine bis einschließlich 03.05.2026, sowie vom 10.11.2026 – 22.11.2026 und vom 29.12.2026 – 10.01.2027 (jeweils außer Montags, sowie am 01.01.2027) / Eintritt ab 25€

Chris Gon

Theaterkritik: Das Duo Martin Lingau und Heiko Wohlgemuth dürfte vielen Liebhabern des komischen Musicals ein Begriff sein. Gehört doch vor allem ihr Stück „Heiße Ecke“, um den berühmt-berüchtigten Reeperbahntreff in Hamburg, zu den langlebigsten und erfolgreichsten Stücken seines Genres. Deutschlandweit war es schon unterwegs, doch im Hamburger Schmidts Tivoli-Theater läuft es nun schon seit 2003 nahezu ununterbrochen und steht’s vor vollem Haus. In Dresden noch bekannter dürfte aber ihre Geschichte um die Königs sein. In einer an Elbflorenz angepassten Version eroberte die schräge Sippschaft die Bühne der Comödie Dresden im Sturm. Und mit „Villa Sonnenschein“ bekommt Dresden nun, unter der Regie von Bart De Clercq, ein weiteres Stück des Duos zu Gesicht. Und es ist wieder ein Hit!

Robert Jentzsch

Cornelia Drese, Louis Dietrich, Roland Florstedt und Astrid Schulz

Das Stück, welches in Hamburg bereits 2005 das Licht der Welt erblickte und nun in einer überarbeiteten Produktion bei uns zu sehen ist, handelt von der Altersresidenz „Villa Sonnenschein“ und dem Zivi Felix, der mit vollem Tatendrang seinen Job beginnen möchte. Dabei hat er jedoch weder mit den leicht schrulligen Mitbewohnern des Hauses gerechnet, noch mit der hinterhältigen Heimleiterin Mechthild, welche mit dem durchtriebenen und arg selbstverliebten Arzt Dr. Mathieu einige dubiose Pläne verfolgt, um aus der Villa eine Goldgrube zu machen. Wäre da nicht noch Melanie, in die sich Felix Hals über Kopf verliebt. Eine aufregende Zeit steht Felix jedenfalls bevor. Und so auch dem Publikum, dass mit diesem Werk einmal etwas auf der Bühne zu sehen bekommt, was es nicht alle Tage sieht.

Robert Jentzsch

Lorena Dehmelt und Louis Dietrich

Denn während die Heimbewohner von Schauspielern verkörpert werden, sind alle anderen Charaktere Handpuppen, die von ihren Spielern zu Leben erweckt werden. Eine Hand wird dabei vom jeweiligen Darsteller zum agieren genutzt, während die andere Hand im Mund der Puppe steckt, was das Sprechen ermöglicht. Die Puppe ist dabei lediglich bis zur Hüfte abgebildet, während alles andere dann vom jeweiligen Puppenspieler verkörpert wird, was in nicht wenigen Szenen dann zu einer gelungenen Mischung aus menschlicher Darstellung und Puppenspiel verfließt. Und dies funktioniert einfach prächtig.

Dazu ein wunderbares Bühnenbild, in welches ebenfalls noch einige Puppendarstellungen eingebunden wurden. So fangen hier schnell auch einmal ein Wildschweinkopf, Blumen, eine Deckenlampe oder ein vorlauter Stoffhund an zu sprechen. Und als Geschichtenerzählerin fungiert sogar die Villa selbst, perfekt eingesprochen von Carolin Masur, was ebenfalls für einen wunderbar komischen Effekt sorgt. Kurzum, der Fantasie sind in diesem Bühnenbild keine Grenzen gesetzt.

Robert Jentzsch

Benjamin Sommerfeld und Charlotte Heinke

Und natürlich dürfen auch die Songs nicht unerwähnt bleiben. Wie es sich für ein Musical gehört, wird auch hier wieder gesungen und getanzt. Ob es dabei nun schmissige Songs sind die das Publikum zum Klatschen und Johlen bewegt oder auch mal das ein oder andere ruhigere und bedächtigere Lied. Für Ohrwurmgarantie ist jedenfalls gesorgt.

Doch in erster Linie ist es wirklich die Geschichte, welche das Stück so sehenswert macht. Denn neben all dem Spaß, der mit manch bissigem Spruch daherkommt und mit den Klischees des Altwerdens und dem Altersheim spielt, so steckt auch ganz viel Herz in der Handlung. Ob die Figuren nun aus Stoff sind oder aus Fleisch und Blut, sie wachsen einem ganz schnell ans Herz. Ob Felix der Zivi, der es immer allen richtig machen will oder der altersschwache Hubert, der seiner Verflossenen einen Liebesbrief nach dem anderen schickt, nur um einmal zwei Beispiele zu nennen. Man möchte sie doch irgendwann alle einfach nur ganz fest umarmen.

Robert Jentzsch

Astrid Schulz, Roland Florstedt, Charlotte Heinke und Cornelia Drese

Das dem so ist, dafür ist die Darstellerriege zuständig, welche eine Mischung aus bekannten Mimen der Comödie, sowie auch einigen Neulingen besteht. Charlotte Heinke und Benjamin Sommerfeld sind bereits ein eingespieltes Team, die in der Comödie z. B. schon einmal für „Alpenglühen“ gesorgt haben, hier nun aber als Puppendarsteller so gekonnt über die Bühne fegen, als würden Sie dies schon ihr Leben lang tun. Vor allem Heinke ist ein gern gesehener Gast auf der Comödienbühne und die Rolle der eiskalten Heimleiterin performt sie mit schierer Wucht. Dazu Musicaldarstellerin Cornelia Drese, schon bei „Alter Schwede“ der Liebling jeder Veranstaltung, ist diesesmal als alternde Schlagerdiva Carlotta zu sehen. Und auch Melanie-Darstellerin Lorena Dehmelt kennt der eine oder andere schon aus „Natürlich Blond“. Als Comödien-Neulinge runden Louis Dietrich als Zivi Felix, sowie Astrid Schulz als schrullige Gustel und Roland Florstedt als Hubert das perfekte Ensemble ab.

Robert Jentzsch

Astrid Schulz, Louis Dietrich, Cornelia Drese, Charlotte Heinke, Roland Florstedt, Lorena Dehmelt, Benjamin Smmerfeld

Unterm Strich kann man nur sagen, dass mit „Villa Sonnenschein“ ein weiteres Glanzstück in das Repertoir der Comödie Dresden aufgenommen wurde, welches man sich als Freund herrlich komischer Musicalkomödien nicht entgehen lassen darf. Eine zu Herzen gehende Geschichte, die mit ihrem bissigen Humor überzeugt dabei aber nie allzu böse wird. Und die die Probleme das Alterns zwar anspricht und durchaus auch karikiert, diese aber letztlich nie kleinredet oder gar verharmlost. Dazu schmissige Songs und schon geht man mit einem wohligen Gefühlen im Herzen aus der Veranstaltung und man hat 2 1/2 Stunden wunderbare Unterhaltung erlebt, die einen noch lange mitnimmt. Einfach wunderbar!

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