„Trance“ (2026)

Doreen Kaltenecker
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Filmkritik: Der deutsche Kurzfilm „Trance“ von Jona Schloßer, der auf dem 26. Landshuter Kurzfilmfestival 2026 den Hauptpreis – den Großen BMW-Kurzfilmpreis – gewann, ist ein ebenso authentisches wie fesselndes Drama über eine überlastete Notfallsanitäterin.

Yasmin (Anna Bardavelidze) arbeitet im Schichtsystem als Rettungssanitäterin. Zuhause kümmert sie sich zusätzlich um ihre kranke Mutter und die neunjährige Schwester Ayla. Als der Anruf des Chefs kommt, ob sie noch eine zusätzliche Schicht dran hängen kann, beschließt sie es aus finanziellen Gründen heraus anzunehmen, setzt sich zu ihrem Kollegen Philipp (Philip Günsch) in den Rettungswagen und versucht gleichzeitig noch für ihre Familie da zu sein. 

Anna Bardavelidze

Der Regisseur Jona Schloßer, der zusammen mit Amar Mehmedivoc das Drehbuch schrieb, verarbeitet eigene Erfahrungen aus seiner Zeit als Rettungssanitäter. Er fängt den Beruf mit all seinen Herausforderungen ein. Der Film macht einmal mehr bewusst, wie wichtig diese Arbeit ist, was von den Arbeitenden aber abverlangt wird und dass es dringend Bedarf gibt, die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Um die Intensität noch zu verstärken, zeigt Schloßer auch das private Leben seiner Hauptfigur und macht greifbar, wie sie förmlich zwischen Arbeit und Familie zerrieben wird, aber sich das nicht eingestehen kann. Mit ansteigender Spannung läuft der 22-minütige Film auf sein Ende zu, in dem Yasmin mit ihren Entscheidungen konfrontiert wird und sich auf einmal auf der anderen Seite des Rettungswesens wiederfindet. 

Philip Günsch

Umgesetzt wurde das vom Regisseur und seinem Team in einem sehr authentischen, beinahe dokumentarischen Gewand. Nur die Hauptfiguren werden von Schauspieler:innen verkörpert, wie Anna Bardavelidze („Die Mittagsfrau“ (2023)) als Yasmin, welche es schafft, eine Frau voller Stress aber äußerlich wunderbar ruhig einzufangen. Die Nebenrollen sind aber durchweg von Menschen aus den entsprechenden Gewerken besetzt. Auch die Ausstattung selbst, die nahe und auch meist hektische Kameraarbeit sowie die reduzierten, cineastischen Mitteln schaffen eine dichte, realitätsnahe Atmosphäre. Das passt perfekt zur Anspannung und Spannung der Geschichte selbst, welche das Publikum sofort fesselt. So entstand ein Film, der nicht nur auf die Schwachstellen aufmerksam macht, sondern auch sehr gut unterhalten kann.

Fazit: „Trance“ ist ein Kurzfilm von Jona Schloßer, der mit sehr packender Inszenierung und dem authentischen Ansatz die Arbeit einer Notfallsanitäterin zeigt, und wie die Überlastung auch zu Fehlern führen kann. Das ist fesselnd und realitätsnah erzählt, so dass der Film zurecht den Hauptpreis auf dem 26. Landshuter Kurzfilmfestival 2026 erhalten hat.

Bewertung: 4/5

geschrieben von Doreen Kaltenecker

Quellen:

  • Doreen Kaltenecker, ‚Sieben Fragen an Jona Schloßer‘, testkammer.com, 2026
  • Eintrag des Kurzfilms „Trance“ beim Landshuter Kurzfilmfestival
  • Eintrag des Kurzfilms „Trance“ auf der Website des Regisseurs Jona Schloßer
  • Website des Kameramanns Jona Riese

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