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Ein Schauspiel von Dan Gordon basierend auf dem MGM Spielfilm | Story von Barry Morrow, Drehbuch von Ronald Bass und Barry Morrow | Deutsch von Frank-Thomas Mende, Termine vom 24.03.2026 – 05.04.2026, außer am 27.03., 30.03. und 02.04., sowie vom 19.05.2026 – 30.05.2026, außer am 25.05.2026
Theaterkritik: 1988 eroberte Dustin Hoffmann mit seiner Darstellung des Autisten Rain Man die Herzen des Publikums. Die Geschichte um Raymond Babbitt, der von seinem Bruder Charlie, genial verkörpert vom damals 26 jährigen Tom Cruise, auf einen Roadtrip entführt wird und diesen dabei aus seiner schroffen Welt zu einem mitfühlenden Menschen macht, wurde 1989 mit dem Oscars als bester Film ausgezeichnet. Bis heute gilt der Streifen als immer wieder gern gesehener Kultfilm. Im Jahre 2008 brachte Dan Gordon dann für das renommierte Apollo Theatre in London eine erste, auf den Film basierende, Theaterfassung auf die Bühne. Wiederum darauf basierend inszenierte das Kammertheater Karlsruhe 2014 eine deutsche Version des Stücks, welche seitdem immer wieder zurückkehrte und bereits viele Zuschauer begeisterte. Vor allem Hauptdarsteller Richy Müller wirkt wie ein Magnet auf das Publikum. Und nun soll dies auch auf der Bühne der Comödie Dresden gelingen.
Die Story des Stücks hält sich dabei eng an die Filmvorlage. Es geht wie auch dort um die ungleichen Brüder Raymond und Charlie Babbitt, der eine ein Autist mit genialen Fähigkeiten, der andere ein ungehobelter Kerl, der es nach dem Tod der Eltern auf das Erbe abgesehen hat, welches sie jedoch in Gänze dem entfremdeten Bruder vermachen. Also entführt er Raymond kurzerhand. Auf einem Roadtrip durch die Staaten schafft es der liebenswerte Raymond dann so nach und nach das kalte Herz seinen Bruders zu erweichen…
Viele der Szenen kommen dem geneigten Filmkenner bekannt vor. Auch wenn es natürlich hier und da einige dramaturgische Abweichungen geben muss, so sind doch viele der prägnantesten Szenen, wie Rain Mans Talent die Anzahl der Zahnstocher die auf den Boden gefallen sind genau zu benennen oder die Momente in Las Vegas teils 1:1 übernommen worden. Und auch die Figur des Charlie Habbit gleicht sich schön der Version aus dem Film an.
Die größte Änderung ist daher vielleicht die Figur des Rain Man selbst. Dustin Hoffmanns Raymond ist Autist, ein ruhiger besonnener Mann, der vor allem durch seinen starren Blick und seinen leicht hinterhältigen Witz an mancher Stelle überzeugte. Richy Müllers Rain Man ist dagegen etwas ganz Eigenes. Auch sein Rain Man ist Autist, jedoch hat er mit noch vielen weiteren geistigen und auch körperlichen Einschränkungen zu kämpfen. Vor allem das durchweg herzliche Grinsen der Figur ist nicht mit dem starren Blick von Hoffmann zu vergleichen. Dazu ein jederzeit in der Tasche befindliches „Ich weiss nicht“, wenn Raymond mal wieder etwas gefragt wird auf das er die Antwort entweder nicht weiß oder diese nicht preisgeben will. Dabei brennt sich Richy Müllers Interpretation tief ins Herz der Zuschauer ein, zumal auch ein kindliches Gemüt in seinem Rain Man steckt, was man dem 1,71 Meter großen Darsteller locker abnimmt.
Das Bühnenbild von Martin Kitzelmaier ist dabei genauso einfach wie kreativ und wirkungsvoll gestaltet. Auf einer Drehbühne befindet sich ein Haus, das Szene für Szene leicht modifiziert werden kann und dabei vom Heim, über einen Flughafen, bis zur Lasterhöhle in Las Vegas für alles gut zu gebrauchen ist. Die Musik ist meist dezent, wenngleich auch die Anspielung des einen oder anderen Hits aus den 80ern nicht fehlen darf.
Bei den Darstellern glänzen neben Tatort Darsteller Richy Müller weitere bekannte Gesichter. Tilman Rose, der u.a schon Faust interpretierte und auch im Fernsehen ein bekanntes Gesicht ist, ist in der Rolle des Charlie Habbit zu sehen und macht Tom Cruise dabei alle Ehre. In weiteren Rollen Heinz Röser-Dümmig als Dr. Brunner, Mia Geese als Susan, sowie Ewa Patricia Klosowski und Hendrik Pape in verschiedenen Nebenrollen.
Unterm Strich ist „Rain Man“ somit genauso zu Herzen gehend wie schon der große Film von 1988. Auch oder gerade weil Richy Müller seinen Raymond ein ganz eigenes, neues Gesicht gibt, spielt er sich tief in die Herzen des Publikums. Unterstützt von tollen Kollegen auf der Bühne und einer zwar einfachen aber mehr als wirkungsvollen Inszenierung, darf sich nun auch das Dresdner Publikum von diesem tollen Stück überzeugen. Für Freunde des Films und der Comödie zudem unverzichtbar.



