„Good Luck, Have Fun, Don’t Die“ (2025)

Michael Kaltenecker
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Filmkritik: Der heruntergekommene Mann aus der Zukunft (Sam Rockwell) ist frustriert: Egal welches Team er aus überrumpelten Diner-Gästen zusammenstellt – der Übergang zwischen Entführung und Überzeugung ist fließend – sie schaffen es einfach nicht die Welt zu retten. Dabei scheint die Aufgabe denkbar einfach: Sie müssen nur einen kleinen Jungen daran hindern, eine KI zu entwickeln, die den Weltuntergang herbeiführt. Auf dem Weg dahin muss das Team einige schwere und vor allem abstruse Hindernisse aus dem Weg räumen.

Sam Rockwell und Gore Verbinski bei der 76. Berlinale

Auf der Europapremiere bei der 76. Berlinale ist klar, dass alle – oder zumindest Regisseur und Schauspieler:innen – viel Spaß beim Dreh des Films hatten, was im Film auch rüberkommt. Vor allem Sam Rockwell darf sich in seiner Rolle schauspielerisch ausleben. Anders als andere Filme mit Zeitschleifen zur Weltrettung zeigt „Good Luck Have Fun Don’t Die“ nur eine einzige solche Schleife. Der Mann aus der Zukunft tritt als clownesker und etwas erschöpfter Prophet auf, der durch seine vielen erfolglosen vorherigen Versuche fast immer genau sagen kann, warum die Dinge gerade so und nicht anders laufen.

Der Mann aus der Zukunft hat sein Team geformt

Wir lernen dabei die wichtigsten Teammitglieder in mehreren Rückblenden kennen: Was bringen sie mit, dass der Gruppe hilft, das Abenteuer zu bestehen? So haben zum Beispiel das Lehrer-Pärchen Mark (Michael Peña) und Janet (Zazie Beetz) Vorerfahrung mit Smartphone-hypnotisierten Teenagern. Ingrids (Haley Lu Richardson) allergische Reaktion auf Technologie und die damit für sie einhergehende Einsamkeit könnte ebenso relevant werden. Susans (Juno Temple) Rückblende zeigt eindrücklich die nihilistischen Mitleidsbekundungen bei gleichzeitiger kompletter Verweigerung der Ursachenbekämpfung der amerikanischen Gesellschaft im Umgang mit Waffengewalt.

Hypnotische Telefone

Der Regisseur Gore Verbinski ist sehr gut darin, die Krankheitssymptome einer aus den Fugen geratenen Welt aufzuzeigen und zu überzeichnen. Besonders gelungen in diesem Zusammenhang sind die geradezu hypnotisierenden Social-Media-Slop-Feeds, die im Laufe des Films immer mehr in die Wirklichkeit überschwappen. In ihrer zugespitzten Form wurden sie für den Film vollständig menschengemacht und sind damit ein Triumph menschlicher Kreativität.

Michael Peña, Zazie Beetz und Haley Lu Richardson mit viel Freude bei der Europapremiere

Wie sieht die von Verbinski verordnete Lösung aus? Es ist leicht, den Film misszuverstehen als Kritik am individuellen Verhalten: Die Gäste des Diners sollten ihre Aufmerksamkeit der echten Welt und nicht ihren Geräten widmen. Die Schüler:innen müssen nur mal ihre Smartphones weglegen und die Zähne zusammenbeißen. Die Eltern können doch wohl darauf verzichten, ihre Kinder durch Bildschirme erziehen zu lassen. Der Mann aus der Zukunft appelliert an das Individuum und wird so zum stereotypen alten Mann, der auf die Jugend schimpft. Ist das Verbinskis Sicht auf die Dinge und will er dies als Botschaft vermitteln?

Der Mann aus der Zukunft (Sam Rockwell) als clownesker Prophet

Es gibt kurz vor Ende einen kurz hochgehaltenen Amazon-Karton und die Erkenntnis des Manns aus der Zukunft in der allerletzten Szene, dass die Lösung nicht im Individuum, sondern in einer gesellschafts-weiten Lösung liegt, die auf Netzwerke und Strukturen abzielt. Das ist nicht viel und leicht zu übersehen. Ein deutlicher Kontrast und eine klare Herausarbeitung dieser Erkenntnis des Manns aus der Zukunft hätten dem Film gut getan und den Film als Gesellschaftskritik runder gemacht. Trotzdem ist „Good Luck Have Fun Don’t Die“ ein großes spaßiges Abenteuer durch die Untiefen des aktuellen Zustands der Welt mit einem überzeugenden Sam Rockwell, der den Film zusammenhält.

Kinostart: 12.03.2026

Trailer zum Film „Good Luck Have Fun Don’t Die“:

geschrieben von Michael Kaltenecker

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