„Bad Luck Banging or Loony Porn“ (2021)

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Filmkritik: Der Gewinner der diesjährigen Berlinale ist der Spielfilm „Bad Luck Banging or Looney Porn“ (OT: „Babardeală cu bucluc sau porno balamuc“, Rumänien/Luxemburg/Kroatien/Tschechische Republik, 2021) des Regisseurs Radu Jude, der hier in einem Triptychon mit viel Humor den Menschen an sich und die rumänische Gesellschaft portraitiert.

Ein Heimvideo-Porno geht viral. Darauf zu sehen sind eine maskierte Frau und ihr Mann. Sie wird schnell als Emi (Katia Pascariu) identifiziert, die Lehrerin einer Schule. Während sie versucht ihrem Alltag, samt der Pflege ihrer Eltern weiterhin nachzugehen, hat die Schule beschlossen, dass es einen Diskurs geben soll zwischen ihr und den Eltern, um zu entscheiden, ob sie weiterhin als Lehrerin arbeiten darf.

Katia Pascariu

Der rumänische Regisseur Radu Jude (*1977), der bereits 2015 den Goldenen Bären für die ‚Beste Regie‘ für seinen Spielfilm „Aferim!“ (2015) gewinnen konnte, erzählt in seinen Filmen mit viel bitterbösen Humor, scharfsinnigen Beobachtungen sowie Überzeichnungen von der rumänischen Gesellschaft. Auch in diesem Film bedient er sich dieser Methode. Der 106-minütige Spielfilm ist dabei in drei Teile geteilt und besitzt zudem drei mögliche Enden. Der erste Teil, den der Porno als Prolog einleitet, begleitet die Lehrerin bei ihrem Alltag. Danach folgt ein bissiges Lexikon mit vielen harmlos scheinenden, aber verfänglichen Begriffen, die Jude hier zuweilen für Rumänien neu definiert. Danach folgen das Tribunal und die Auseinandersetzung der Lehrerin mit den vielen verschiedenen Meinungen und Moralvorstellungen. Am Ende hat das Publikum die Wahl, mit welcher Variante – von realistisch bis fantastisch – der Film für einen persönlich endet. Schon die Struktur ist bemerkenswert und lockert die Geschichte, welche einen sehr ernsten Hintergrund besitzt, auf. Aber auch die Art und Weise stets mit einem spöttischen Unterton macht den Film aus. Im Grunde wird hier ein Drama erzählt, das von scheinheiligen Moralvorstellungen und tradierten Meinungsbildern handelt und zeigt wie eine Lehrerin in eine Ecke gestellt wird. Doch Jude findet dafür ein Gewand, so dass der Film nicht moralisierend und anstrengend wirkt, sondern mit seinem Erzählfluss, -tempo und Tonfall mitreißt. 

Nicodim Ungureanu

Hinzu kommt die gelungene Umsetzung. Der Film ist während der Corona-Pandemie entstanden und versucht dies nicht, wie viele andere Filme zu verheimlichen, sondern lichtet das alltägliche Miteinander während einer Pandemie ab, so gehört eine Maskendiskussion genauso in den Film wie andere Corona-Maßnahmen. Angesiedelt in dieser authentischen Umgebung, gerade die erste Hälfte besitzt fast dokumentarische Züge, erzählt Jude seine Geschichte und unterbricht mit einem schnellen Ritt durch sein fiktives Lexikon. Hier werden die Begriffe neu definiert und mit den Bildern wunderbar untermalt. Belebt wird der Film auch von seinem großartigen Ensemble. Allen voran Katia Pascariu als angeklagte Lehrerin, aber auch die Meute aus scheinbar besorgten Eltern, Echauffierern und Chauvinisten ist sehr lebensnah besetzt und schafft es so, dass man selbst sehr bei diesem Tribunal mitfühlt. Radu Jude fand hier ein leichtfüßiges, humorvolles Gewand für viele ernste Themen und schuf damit gelungene Unterhaltung, die keineswegs ein Blatt vor den Mund nimmt, sondern Missstände offen anprangert. Diese Mischung ist besonders und so verwundert es nicht, dass er damit den Goldenen Bären auf der 71. Berlinale gewann.

Claudia Ieremia und Katia Pascariu

Fazit: „Bad Luck Banging or Loony Porn“ ist der Gewinner des Wettbewerbs der Berlinale 2021. Der Spielfilm von Radu Jude setzte sich gegen 14 Konkurrenten durch und erzählt mit viel bissigem Humor, einem authentischem Hintergrund und vor allem einem treffsicheren Portrait der Gesellschaft von einem moralischen Zwiespalt. Er prangert damit wunderbar die Schwachstellen in dem Umgang miteinander an, aber kann zudem auch noch wunderbar und sehr originell unterhalten.

Bewertung: 7,5/10

Trailer zum Film „Bad Luck Banging or Loony Porn“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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