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Interview: Im Gespräch mit der Regisseurin und Schauspielerin Ada Philine Steppenbeck konnten wir mehr über ihren Kurzfilm „Liebesbesuch“ erfahren, der seine Weltpremiere auf dem 47. Filmfestival Max Ophüls Preis 2026 feierte, sowie von der Zusammenarbeit mit der Schauspielerin Lea van Acken und ob der Kurzfilm ein Proof-of-Concept für einen Langfilm ist.
Wie ist die Idee für Deinen Film entstanden?
Die Idee zum Film ist gemeinsam mit Lea van Acken entstanden. Ich habe in dieser Zeit rein zufällig Dokumentationen und Filme zum Thema Gefängnis, Gefängnisalltag und die Schuldfrage geschaut (u.a. Werner Herzogs „Into the Abyss“) und war fasziniert von der Darstellung der Beziehungen. In den meisten Fällen standen die Straftäter*innen und die Tat im Vordergrund, während die Partner*innen zwar nebensächlich, aber immer präsent waren. Das hat unsere Neugier geweckt: Wie sieht der Alltag einer solchen Beziehung aus? Wie haben sie sich kennengelernt? Es war uns von Anfang an klar, dass wir die Geschichte aus der Perspektive einer Frau erzählen wollen, und so haben wir uns entschieden, das erste physische Aufeinandertreffen der beiden Liebenden zum Mittelpunkt unseres Films zu machen.
Es ist ein bekanntes Phänomen, dass sich Frauen zu inhaftierten Verbrechern hingezogen fühlen und mit diesen Beziehungen eingehen. Warum denkst Du, ist das so?
Ich glaube, darauf gibt es keine eindeutige Antwort – und ich finde das auch gut so. Liebe und Anziehung sind für jeden Menschen etwas anderes, und ich würde es mir nie erlauben, ein Urteil zu fällen. Im Fall unserer Protagonistin Natalie hat sie an Marc sowohl die Sicherheit als auch die Aufregung gereizt, die sie in seiner Gegenwart empfindet. Sie sieht in ihm einen Teil von sich selbst, und genau das ist es, was die beiden miteinander verbindet.
In Deinem ruhig erzählten Drama kommt es mittendrin zu einer unerwarteten Gewalttat. Warum hast Du Dich dafür entschieden?
Für mich ist diese Szene wichtig, weil sie ein nach innen getragenes Gefühl in aller Drastik und Blutigkeit nach außen bringt. Ihr wird in dieser Szene Gewalt angetan – sie wird sexuell belästigt. Dieser Gewalt, die sie erfahren hat, und der Schwere, die so etwas anrichten kann, wollten wir Ausdruck verleihen. Dabei bleibt es den Zuschauer:innen überlassen, ob sie die Szene als real oder nicht-real wahrnehmen. Für uns jedoch ist sie ein Ausdruck und Ausbruch ihrer selbst – ein aktiver Akt der Gegenwehr.
Was lag Dir visuell am Herzen?
Ich habe sehr eng mit meinem Kameramann Simon Veroneg zusammengearbeitet, und gemeinsam haben wir entschieden, welche Art von Bild für die jeweilige Szene passend ist. Es war uns wichtig, puristisch zu bleiben und ein Spiel zwischen Distanz und Nähe aufzubauen – immer in Bezug auf die Geschichte und auf Natalies Rolle. Daraus entstanden auch die unterschiedlichen Kameraführungen der einzelnen Szenen. Im Haus von Natalie bleibt die Kamera starr, beobachtend und überwiegend in einer einzigen Einstellungsgröße. Die Gewaltszene hingegen ist vollständig mit einer Handkamera in einer einzigen Einstellung gedreht. Im Gefängnis war unser Fokus ganz klar auf den beiden, nur sie zählen füreinander, und das spiegelt sich auch in der Wahl des Bildausschnitts wider.
Dein Cast ist gut besetzt – allen voran mit Lea van Acken. Nach welchen Kriterien hast Du die Rollen besetzt?
Lea und ich haben gemeinsam das Drehbuch geschrieben und den Film produziert. Von Anfang an war klar, dass Lea die Rolle der Natalie übernehmen würde, während des Schreibprozesses haben wir sie stets als Natalie vor Augen gehabt, sodass das nie infrage gestellt wurde. Für die Rolle des Marc kamen wir eigentlich direkt auf Henning Flüsloh: Ich durfte bereits einmal mit ihm gemeinsam arbeiten und war von Beginn an ein riesiger Fan seiner Arbeit, seinem Spiel – und konnte ihn erfreulicherweise für das Projekt begeistern. Ähnlich verlief es bei der Besetzung von Lilly Charlotte Dreesen und Lena Stolze – beides Kolleginnen, die ich schon lange kenne und sehr schätze. Auch hier haben Lea und ich bereits im Schreibprozess überlegt, wer für welche Rolle passen könnte, diese Personen direkt angesprochen – und glücklicherweise hat es geklappt!
Kannst Du mir noch ein bisschen mehr von Dir erzählen und wie Du zum Film gekommen bist?
Meine Eltern sind beide in der Filmbranche tätig, sodass ich schon früh mit dem Medium Film aufgewachsen bin. Durch ein offenes Casting bin ich dann zur Schauspielerei gekommen und hatte das große Glück, sehr spannende Rollen zu spielen und dabei vielseitige Erfahrungen am Set zu sammeln. Parallel zur Schauspielerei habe ich Filmwissenschaft studiert, um einen erweiterten Zugang zum Film zu gewinnen, und verschiedene Jobs und Positionen an Sets übernommen, etwa als Video Operator Trainee oder in der Regieassistenz, um von jedem Department lernen zu können. Der Kurzfilm „Liebesbesuch“ ist meine erste Regiearbeit, und ich bin sehr dankbar für das Team, die tolle Zusammenarbeit sowie das Vertrauen meiner Kolleg*innen und all jener, die ihre Zeit und ihr Talent in dieses Projekt eingebracht haben.
Sind bereits neue Projekte geplant?
Der Kurzfilm „Liebesbesuch“ ist unser Proof-of-Concept für einen Langfilm, und so sind Lea und ich gerade in der Entwicklung des Langfilmstoffs und arbeiten Natalies und Marcs Geschichte weiter aus. Wir sind offen für alles, was kommen mag, und hoffen, bald mehr teilen zu können!
Die Fragen stellte Doreen Kaltenecker
Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Liebesbesuch“




