3. Doxumentale 2026

Doreen Kaltenecker
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Doxumentale

Festivalbericht: An elf Tagen fand in diesem Jahr die dritte Ausgabe der multimedialen Doxumentale Berlin statt. Unter der Leitung von Anna Ramskogler-Witt konnte man an 22 Spielstätten nicht nur zahlreiche dokumentarische Kurz- und Langfilme sehen, sondern auch Live-Podcasts, Bücher-Lesungen und VR-Spiele u.a. „The Berlin Apartment“ des Kollektivs GAMERAUSCH erleben. Darüber hinaus hat man bis zum 30. Juni die Möglichkeit Filme im Stream zu entdecken. 

Die 48 Lang- und 10 Kurzfilme aus 47 Ländern präsentierten eine breite Auswahl an Geschichten, Portraits und Themen. Dabei zwängen die Veranstalter die Filme nicht in festen Reihen, sondern geben den Zuschauenden die Möglichkeit, die Filme anhand von Themenschwerpunkten zu entdecken. Die Sektionen Art, Change, Female Lens, Music, Nature und Together sind dabei auf viele Filme auch überschneidend anwendbar. Von den Filmen wurde „Redlight to Limelight“ von Bipuljit Basu als Bester Dokumentarfilm ausgezeichnet. In dem Film begleiten wir die Frauen, die im Rotlichtviertel in Kolkata arbeiten, dabei, wie sie ihren eigenen Spielfilm auf die Beine stellen und so von ihrem Leben, ihren Bürden aber auch ihrem Zusammenhalt authentisch erzählen können. 

Der Gewinnerfilm lässt sich in eine Reihe von Filmen einordnen, die sich dezidiert mit Frauen und einer weiblichen Sicht auseinandersetzen. Dazu gehörten auch viele Kurzfilme, u.a. der US-amerikanische „The Devil is Busy“ (2024) von Geeta Gandbhir und Christalyn Hampton, der von einem Tag in einer Frauenklinik in Atlanta berichtet, deren Arbeit vor durch Protestler tagtäglich gestört wird. Eine Reihe von Filmen zeigt, dass sich Frauen für ihr Land ungewöhnlichen Berufen zuwenden: Seien es indische Autorikscha-Fahrerinnen („Auto Queens“), die kenianische Truckfahrerin („Truck Mama“) oder die Zirkusanwärterin aus Guinea in „Fantastique“ von Marjolijn Prins, der bereits auf dem 68. DOK Leipzig 2026 mit dem Young Eyes Film Award ausgezeichnet wurde. Auch die Tattookünstlerin Tran Ngoc in dem Kurzfilm „They call me the Tattoo Witch“ von Lindsay Nyman ist eine der wenigen Künstlerinnen in ihrem Fach, die eine besondere Leistung anbietet: Sie tätowiert über Narben von vor allem Frauen florale Muster und schenkt so den Zeichen des Schmerzes neue Schönheit. 

Auf der Doxumentale konnten man auch viele Portraits von Frauen sehen, die versuchen, sich auf ihre Weise gegen Konventionen durchzusetzen. So beschäftigt sich die Doku „Girl Climber“ von Jon Glassberg mit der ersten Kletterin, welche den Berg ‚El Capitan‘ im Yosemite Park über die anspruchsvolle ‚Golden Gate‘-Route an nur einem Tag klettern will. „Jane Elliot against the World“ von Judd Ehrlich berichtet von den nicht endenden Bemühungen der titelgebenden, mittlerweile über 90-jährigen Lehrerin, Rassismus durch Erziehung und eine  Gemeinschaftsübung zu bekämpfen. In the „Maintenance Artist“ wird die amerikanische Künstlerin Mierle Laderman Ukeles portraitiert, die in den 70er Jahre ihre Performancekunst dazu verwendete, die ungesehene Arbeit vieler Berufe, insbesondere der Reinigungsbranche, sichtbar zu machen. In zwei weiteren klassischen Talking-Heads-Archivmaterial-Filmen konnte man sich mit der Geschichte des Tanzes („Omega wants to Dance“) und der Punk-Bewegung in Slowenien Anfang der 80er Jahre („Punk under Communist Regime“) auseinandersetzen.

Der größte Themenkomplex, unter dem die meisten Filme fielen, egal ob sie sich mit politischen Systemen, Kunst oder persönlichen Geschichten beschäftigten, ist ‚Chance‘. Hier fanden sich ebenso hochpolitische Stoffe wie „80 Angry Journalists“ von András Földes und Anna Kis, der davon berichtet, wie einer der größten Newsrooms Ungarns aufgrund fehlender Staatstreue geschlossen wurde. Besonders eindringlich ist das persönliche Portrait der russischen Journalistin Zhana Agalakova in „A Little Gray Wolf Will Come“ und wie sich über die Jahre und durch den Überfall der Ukraine und vor allem durch ihre Teenager-Tochter ihr Blick auf Russland verändert. Die Doku „Ghost in the Machine“ beschäftigt sich mit KI und deren Geschichte und mit der Frage, was da noch auf uns zukommt. Der amerikanische Kurzfilm „Fletcher Street“ erzählt von einem Reitstall mitten in Philadelphia und wie die Pferde jungen, meist aus prekären Verhältnissen stammenden Menschen dabei helfen, ihren Weg zu finden. Eine junge Frau steht auch im Zentrum des Kurzfilms „Wainitai: Finding Yourself“: Sie sucht einen Weg, ein modernes Leben und die Traditionen der indigenen Awajún-Gemeinschaft im Amazonas zu verbinden. In „The Stolen Children of Aotearoa“ handelt von der indigenen Bevölkerung Neuseelands und zeigt, welches Unrecht den Familien durch die jahrzehntelange Entführung der Kinder angetan wurde.

Weitere Preisträger

  • Bestes Sachbuch
    Paranoia in Hollywood“ von Jan Jekal
  • Bester Podcast
    Stories from the Beauty Parlor“ von Annamaria Olsson
  • Bestes VR-Projekt
    Less Than 5Gr of Saffron“ von Négar Motevalymeidanshah

geschrieben von Doreen Kaltenecker

Noch bis zum 30. Juni 2026 kann man für 5€ viele der Filme des Festivals online entdecken: Streamingangebot der Doxumentale

Quellen:

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